Alle Menschen sind gleich

Schon in der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika wird die Gleichheit aller Menschen versprochen: "Wir halten diese Wahrheiten für ausgemacht, dass alle Menschen gleich erschaffen worden, dass sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten begabt worden, worunter sind Leben, Freiheit und das Bestreben nach Glückseligkeit..." In der Praxis hat es dann doch noch eines Bürgerkrieges bedurft und auch danach noch fast hundert Jahre gedauert, ehe die US-amerikanische Bürgerrechtsbewegung es mit ihrem gewaltlosen Widerstand durchsetzte, dass Präsident Johnson den Voting Rights Act am 6. August 1965 unterschrieb. Die Wahl von Barack Obama zum ersten afroamerikanischen US-Präsidenten im Jahre 2009 mag der bisherige Höhepunkt im Bestreben, gleiche Chancen für jedermann zu erreichen, gewesen sein, doch die Entwicklung einer vollkommen diskriminierungsfreien Gesellschaft ist damit freilich weder in den USA noch anderswo abgeschlossen und ein stetiger Auftrag für die nachkommenden Generationen.

Die Frage der Gleichberechtigung zwischen den ethnischen Gruppen einer Gesellschaft ist natürlich auch nicht an der Universität of Notre Dame spurlos vorübergegangen. Der erste afroamerikanische Athlet war Frazier Thompson, der über das Navy-V-12-Trainingsprogramm nach Notre Dame kam und ein Mitglied der Leichtathletikmannschaft war. Der erste afroamerikanische Student, der Mitglied des Footballteams wurde, schrieb sich 1949 ein und hieß Aaron W. Dyson und stammte aus Indianola in Mississippi. 1953, als die Rassenunruhen stärker wurden, kamen mit Wayne Edmonds und Richard Washington die ersten schwarzen Studenten auch im aktiven Spielgeschehen zu Ehren. 1953 verweigerte Georgia Tech in seinem Stadion ein Spiel gegen die Irish, weil Edmonds und Washington Teammitglieder waren. Das Spiel wurde nach Notre Dame verlegt.

Die Entwicklung, dass sich unabhängig der Herkunft und Hautfarbe vermehrt Studenten in Notre Dame einschrieben, war auch der Ernennung des jungen Theodore Hesburgh zum 15. Präsidenten der Universität im Jahre 1952 zu verdanken. Bereits 1957 ernannte US-Präsident Dwight D. Eisenhower ihn zum Mitglied der neuen Civil Rights Commission. Das liberale Klima trug dazu bei, dass Aubrey Lewis der erste afroamerikanische Spieler wurde, der zu einem Team Captain ernannt wurde. Bereits 1965 wurde Dick Arrington einer von vier Studenten, die sowohl im Wrestling als auch im Football mit All-American-Würden ausgezeichnet wurden.

Innerhalb der Studentenschaft sind nie Ressentiments gegenüber Minderheiten bekannt geworden. Im Gegenteil – bereits in den 50er Jahren wurde in der Campus-Zeitung Scholastic zum Boykott einer Gaststätte aufgerufen, als dort kurz zuvor einem afroamerikanischen Studenten die Bedienung versagt wurden war.

Später wurde ein Teil der Erlöse aus Bowl-Teilnahmen für spezielle Stipendien für Studenten aus ethnischen Minderheiten verwendet. Es sollte auch nicht mehr lange dauern, ehe der erste farbige Quarterback rekrutiert wurde. 1971 erhielt Cliff Brown von Ara Parseghian den Zuschlag und erhielt auch Einsatzzeiten. Später wurden Quarterback Tony Rice und Wide Receiver Tim Brown unter Lou Holtz verpflichtet. Um die Jahrtausendwende eroberten sich weitere ihren Platz bei Notre Dame, mit Tyrone Willingham wurde ein afroamerikanischer Trainer erstmals Head Coach der Fighting Irish. 2003 wurde Dave Duerson der erste afroamerikanische Präsident des Monogram Clubs.

Trotz aller Fortschritte gab es bei der Integration auch Missverständnisse und Rückschritte. Im März 2004 leistete sich der frühere Footballer Paul Hornung einen folgenschweren Fauxpas. In einem Radio-Interview forderte er, dass Notre Dame die akademischen Anforderungen für schwarze Studenten heruntersetzen müsste, um mehr afroamerikanische Athleten rekrutieren zu können, da die Footballer nur im Wettbewerb mit anderen Universitäten bestehen können, wenn mehr schwarze Sportler rekrutiert werden würden. Das entsetzte Echo der Öffentlichkeit ließ nicht lange auf sich warten, Notre Dames Sprecher Matthew Storin erwiderte: "Wir sind mit Hornungs Ausführungen nicht einverstanden. Sie sind eine Beleidigung für unsere ehemaligen und aktuellen afroamerikanischen Sportstudenten." Hornung ruderte wenig später zurück und entschuldigte sich. Er hätte sagen wollen, dass Notre Dame für alle Studenten die Eingangsvoraussetzungen heruntersetzen müsste, lautete nun seine Aussage. Doch Tim Brown widersprach auch dieser Aussage: "Ich kann damit leben, dass Notre Dame nicht mehr so viele Spiele gewinnt, wenn die Standards nicht abgesenkt werden. Aber der Preis wäre zu hoch, wenn Notre Dame die Standards senken würde, nur um Football-Spiele zu gewinnen.


Der Text stammt aus dem Buch "Mythos Notre Dame" von Jörg Schlüter - 196 Seiten - 24,90 Euro.

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