Grüne Power

Die 60er Jahre sahen nicht nur die Expansion und Kapitalisierung des Profifootballs, sondern auch die Geburt des vielleicht größten Teams aller Zeiten in Green Bay. Die Packers konnten eine glorreiche Vergangenheit unter ihrem ehemaligen Head Coach Curly Lambeau vorweisen, der sein Team zwischen 1921 und 1949 zu insgesamt sechs Meisterschaften geführt hatte. Seit seiner Entlassung dümpelten die Packers aber in der Bedeutungslosigkeit dahin. 1958 markierte dabei einen absoluten Tiefpunkt. Mit nur einem Sieg zierten sie das Tabellenende ihrer Division, Head Coach Ray McLean warf frustriert das Handtuch.

Im Moment der höchsten Not boten die Packers im Januar 1959 Vince Lombardi, Offensive Coordinator der New York Giants, den Posten des Head Coaches an. Als sie noch den des General Managers drauflegten, sagte Lombardi zu. Gleich in seiner ersten Pressekonferenz machte er seine Ziele deutlich: "Ich habe in meinem bisherigen Football-Leben noch nie etwas mit einem schlechten Team zu tun gehabt. Und ich habe nicht die Absicht, damit jetzt zu beginnen." Es war eine von vielen Redensarten, welche durch den "Herberger der NFL" Einzug in die Football-Sprache gefunden haben. Gern wird Lombardi aber auch falsch zitiert. So wird ihm oft der Ausspruch "Siegen ist nicht alles, es ist das Einzige" zugeschrieben. Dieser Ausspruch insistiert letztendlich, dass der Zweck jedes Mittel heilige. Dies war jedoch nicht die Philosophie von Lombardi, dem harte Arbeit, Beharrlichkeit und die Integrität seines Sports besonders wichtig waren. Der richtige Ausspruch spiegelt weit besser die Persönlichkeit dieses Ausnahmetrainers wider: "Siegen ist nicht alles. Die Mühe, das Verlangen und der Wille zum Sieg sind es." In Lombardis Lesart durfte man also sehr wohl verlieren, nur durfte man sich nicht kampflos ergeben.

Lombardis Art war maßgeschneidert für die Packers. Schon in seinem ersten Jahr erreichte er sieben Siege, ein Jahr später sogar das Endspiel, auch wenn es noch verloren ging. 1961 schließlich waren die Packers am Ziel ihrer Träume. Mit elf Siegen gewannen sie überlegen ihre Division und überrannten die New York Giants im Endspiel in einem ungleichen Kampf mit 37:0. Als Lombardi sich nach neun Jahren zurückzog, hatte sein Team fünf Meisterschaften und die ersten beiden Super Bowls gewonnen sowie 98 Siege bei nur 30 Niederlagen eingefahren.

Umso erstaunlicher ist die Tatsache, dass Lombardi die erste Meisterschaft mit fast den gleichen Spielern gewann, die 1958 noch so versagt hatten. 14 Starter von damals standen auch im Endspiel 1961 auf dem Feld. Dies macht die Leistung von Lombardi noch erstaunlicher. Er transformierte ein Team von Verlierern in das dominierende Team der 60er Jahre, womit er eine weitere seiner Football-Weisheiten bestätigte: "Siegen kann eine Gewohnheit werden, verlieren aber auch." Um Siegen bei den Packers zur Gewohnheit werden zu lassen, bediente er sich seiner wichtigsten Fähigkeiten. Er war ein ungewöhnlicher Motivator und disziplinierter Lehrer. Er behandelte jeden Spieler individuell und fand den Punkt, mit dem er ihn zu Höchstleistungen motivieren konnte. Packers-LB Ray Nitschke beschreibt dies so: "Er schaffte es, in mir die maximale Leistung zum richtigen Zeitpunkt zu aktivieren. Es war verblüffend für mich, was ich allein mit meinem eigenen Willen aus mir herausholen konnte. Und für diesen Mann habe ich es gerne getan." G Jerry Kramer stößt in das gleiche Horn: "Mann, war ich stolz, für diesen Mann spielen zu dürfen."

Unter Lombardi wurde ein durchschnittlich begabter Quarterback Bart Starr zur absoluten Führungspersönlichkeit und zum zweimaligen Most Valuable Player (MVP) des Super Bowls. Ein überaus talentierter aber nachlässiger RB Paul Hornung wurde mit Fleiß und Disziplin zur Touchdown-Maschine. Zwischen 1959 und 1961 führte er in den Punktestatistiken der NFL in jeder Saison. Sein Rekord von 176 Punkten aus dem Jahr 1960 hatte 46 Jahre Bestand. Ein unbekannter Fullback Jim Taylor wurde zum gefürchtetsten Running Back der Liga, der seine Tackler mit schöner Regelmäßigkeit über den Haufen rannte. Taylor hatte außer seiner Kraft nicht viel zu bieten. Nach seiner Ansicht war der kürzeste Weg von A nach B eine gerade Linie, was seinen Laufstil treffend beschreibt. Giants-LB Sam Huff über Taylor: "Ich habe gern gegen ihn gespielt. Man musste ihn nicht suchen, er suchte mich - um mich zu rammen." Lombardi stimmte seinen Angriff auf Taylor ab und dieser bedankte sich mit fünf Spielzeiten (1960-64), in denen er mehr als 1.000 Yards Raumgewinn erreichte.

Doch hinter den Erfolgen steckte vor allem auch harte Arbeit. Lombardi war berüchtigt dafür, dass seine Trainingseinheiten lange und hart waren. Er wollte sein Team auch im letzten Viertel, dann also, wenn das Spiel womöglich entschieden wird, konditionell topfit haben. Nach seiner Ansicht war es für einen Spieler, der es gewohnt ist, im Training bis zum Schluss maximale Leistung zu bringen, ein Leichtes, im Spiel bis zum Abpfiff die volle Leistung abzurufen. Denn, so Lombardi: "Erschöpfung macht uns alle zu Feiglingen." Doch in Lombardis Ära waren auch Rückschläge zu verzeichnen. 1964 und 1965 reichte es nicht für die Playoffs. Paul Hornung wurde 1963 von Pete Rozelle für ein Jahr gesperrt, weil er auf Football-Spiele gewettet hatte. Doch just in dem Moment, als die Packers körperlich nicht mehr so dominant waren, fand Lombardi einen anderen Weg, um zu gewinnen. Seine nächsten drei Meisterschaften gewann er vor allem dank ausgefeilter Technik. Die wenigen Laufspielzüge wurden immer und immer wieder geprobt, bis die Spieler sie in absoluter Perfektion ausführen konnten. Die Luft wurde dennoch langsam dünner für die Packers. 1966 und 1967 gewann man zweimal nur hauchdünn die Meisterschaft gegen die Dallas Cowboys. Besonders denkwürdig war dabei das Endspiel 1967, der so genannte "Ice Bowl". Bei minus 25 Grad Celsius überwand Bart Starr drei Sekunden vor dem Ende die Abwehr der Cowboys mit einem Lauf zum 21:17-Endstand.

Die beiden Super Bowls gegen die Meister der AFL Kansas City (35:10) und Oakland (33:14) waren dagegen reine Spaziergänge, was Lombardi zu einem verbalen Ausrutscher veranlasste. "Die Kansas City Chiefs sind ein gutes Team, können aber mit den Top-Teams der NFL nicht mithalten." In einer Zeit, als der Zusammenschluss der beiden Ligen bereits beschlossene Sache war, schaffte eine solche Äußerung natürlich Unmut, wo doch die geschlagenen Wunden der letzten Jahre eigentlich verheilen sollten. Lombardi entschuldigte sich am Tag danach, doch letztendlich hatte er das ausgesprochen, was alle Beobachter des Spiels dachten. Vielleicht war er wieder einmal zu dicht an seiner Philosophie: "Selbstbewusstsein ist ansteckend, aber auch ein Mangel davon."

Ausgebrannt und erschöpft beendete Lombardi 1967 seine Laufbahn bei den Green Bay Packers. Nahe stehende Beobachter meinten, dass ihm der enorme Leistungsdruck zu schaffen machte. Nach einem Jahr Pause ging er 1969 daran, die Washington Redskins zu übernehmen, starb aber am 3. September 1970 an Magenkrebs. Zu früh, um die Redskins ins gelobte Land zu führen. Redskins-Captain Vince Promuto zollte seinem ehemaligen Chef einen letzten ultimativen Tribut: "Er hatte die Fähigkeit, in dein Herz zu schauen und deine sportlichen Leistungen auf ein Niveau zu heben, welches weit jenseits deiner objektiven Fähigkeiten lag. Er schuf nicht nur Champions für das Football-Feld, sondern auch Champions fürs Leben."

Der Text stammt aus dem Buch "Die Geschichte der NFL" von Holger Korber / Dirk Ladwig / Dieter Hoch - 228 Seiten - 24,90 Euro.

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