Keine Milliarde von der NFL

Am 17. Oktober 1985 reichte die USFL, erneut angeführt von Donald Trump, eine Klage gegen die NFL ein, der vorgeworfen wurde, gegen das Kartellrecht verstoßen und ihre Monopolstellung ausgenutzt zu haben, um die USFL zu ruinieren. Die USFL behauptete, dass die NFL die TV-Sender gedrängt hätte, der USFL im Herbst keine Plattform zu bieten. Auf über eine Milliarde Dollar beliefen sich die Forderungen der USFL, die damit die NFL im Erfolgsfall in die Knie hätte zwingen können. Der monatelange Rechtsstreit sowie die Ungewissheit über die Zukunft der USFL bewegte immer mehr Spieler dazu, in die NFL abzuwandern.

Im Juli 1986 dann das ernüchternde Urteil: Statt einer milliardenschweren Entschädigung legte das Gericht lediglich eine symbolische in Höhe von einem Dollar fest. Begründet wurde dies damit, dass die NFL ihre Monopolstellung im Profi-Football nicht durch schmutzige Methoden, sondern durch einwandfreie Geschäftspraktiken errungen habe und die Probleme der USFL selbst verschuldet seien. Aufgrund der hohen Prozesskosten sagte die USFL ihre erste Herbstspielzeit ab, woraufhin auch die letzten USFL-Stars wie Herschel Walker, Jim Kelly, Kelvin Bryant, Doug Flutie und Gary Zimmerman der Liga den Rücken kehrten. Der letzte Strohhalm für die USFL war die Berufung gegen das Urteil, doch auch diese wurde letzten Endes am 10. März 1988 abgeschmettert. Spätestens nun war jedem klar, dass die USFL nicht zurückkehren würde.

"Mit der NFL direkt zu konkurrieren, war irrsinnig", resümierte Schauspielstar Burt Reynolds, der als Teileigner der Bandits eines der prominentesten Gesichter der USFL war. TV-Analyst Keith Jackson sah das ähnlich: "Es war dumm zu glauben, dass man plötzlich schon auf Augenhöhe mit der NFL sei. Aber Gier und Geduld vertragen sich nicht. Trump wollte kein vermeintlich zweitklassiges Team besitzen. Wenn man den Ruin der USFL mit einem Wort beschreiben will, ist das Gier." Trump lässt hingegen selbst 25 Jahre später keine Selbstzweifel zu. Ohne ihn wäre die Liga schon viel früher zugrunde gegangen, versichert er: "Es war nicht voreilig. Einige Teambesitzer konnten ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen, da mussten wir handeln." Dass jene finanziell bedürftigen Teambesitzer Trump blind vertrauten, wurde ihnen – und der USFL – zum Verhängnis. Denn die kleinen Teams kamen nicht wie von Trump versprochen ans große Geld, sondern gerieten noch tiefer in die roten Zahlen. Trump nahm diese "Bauernopfer" wohl billigend in Kauf, schließlich hatte er immer wieder betont, wie sehr er Frühlingsfootball verabscheut: "Hätte Gott Football im Frühling gewollt, hätte er nicht Baseball erfunden."

Trotz ihrer kurzen Lebensdauer hinterließ die USFL ihre Spuren in der Profi-Football-Landschaft. Frühlingsfootball war durch die USFL salonfähig geworden. Dem Beispiel der USFL folgte 1987 die Arena Football League - eine Hallenliga, die sich lange Zeit recht großer Popularität erfreute - sowie 1991 die World League of American Football beziehungsweise später die NFL Europa. Das große Zuschauerinteresse an den Jacksonville Bulls bescherte der Stadt ab 1995 eine NFL-Franchise, die Jaguars.

Darüber hinaus wurden viele USFL-Spieler auch in der NFL zu Stars. Jim Kelly wechselte zu den Buffalo Bills, denen er vier Super-Bowl-Teilnahmen bescherte. Reggie White avancierte zu einem der besten Abwehrspieler aller Zeiten, gewann mit den Green Bay Packers den Super Bowl XXXI und kam in 16 NFL-Spielzeiten auf 13 Pro-Bowl-Teilnahmen und 198 Quarterback Sacks. Steve Young landete nach einem kurzen Zwischenstopp in Tampa Bay bei den San Francisco 49ers und stellte in Super Bowl XXIX mit sechs Touchdown-Pässen einen Rekord auf.

Erfolgreiche NFL-Karrieren hatten unter anderen auch QB Doug Williams, der die Redskins zum Sieg im Super Bowl XXII führte, QB Doug Flutie, RB Herschel Walker, RB Kevin Mack, RB Craig James, WR Ricky Sanders, WR Gary Clark, OL Nate Newton, OL Gary Zimmerman, DE William Fuller, DT Keith Millard, LB Sam Mills, LB Vaughan Johnson, CB Frank Minnifield, P Sean Landeta und KR Mel Gray. Der Pro Bowl im Januar 1987 bestand zu etwa einem Drittel aus USFL-Alumni. Auch einige spätere NFL-Cheftrainer haben sich ihre ersten Meriten in der USFL verdient, darunter Jim Mora, Jim Fassel, Dom Capers, Steve Mariucci und Lindy Infante.

"Obwohl die USFL nur drei Spielzeiten überlebte, versammelte sie in ihren Teams einige der talentiertesten Spieler und Trainer", fasst Football-Historiker Paul Reeths zusammen. "Diese Spieler und Trainer sind das wahre Vermächtnis der United States Football League. Sie veränderten die NFL und hinterließen einen bleibenden Einfluss im professionellen Football."

Der Text stammt aus dem Buch "Von AFL bis NFL Europe" von Stefan Thoben - 292 Seiten - 29,90 Euro.

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