Zeit ist kostbar

Ein weiterer bedeutender Faktor ist die verbleibende Spielzeit. Dies bemerkt man ganz speziell zu Ende des zweiten oder vierten Viertels, also bevor es in die Pause geht oder das Spielende fast erreicht ist. Nun kommt wahlweise die "2-Minute-" oder "4-Minute-Offense" zum Einsatz. Welche dies ist, hängt davon ab, ob man führt oder zurückliegt. Die zurückliegende Mannschaft versucht nun alles, um in der verbleibenden Zeit noch schnell ein paar Punkte zu erzielen, man setzt die "2-Minute-Offense" ein. Dies bedeutet, dass sämtliche Aktionen der Offense besonders schnell zu erfolgen haben, denn jede Sekunde ist jetzt kostbar. Hier gilt das "KISS-Prinzip" (keep it simple) ganz besonders, denn der Stressfaktor ist für alle Beteiligten extrem hoch. Mentale Fehler müssen unbedingt vermieden werden. Spielzüge werden vom Quarterback oft direkt an der "Line of Scrimmage" angesagt, denn die Zeit für einen Huddle fehlt. Falls dieser doch durchgeführt werden sollte, dann werden vom Quarterback meist gleich mehrere Spielzüge weitergegeben.

Diese Zeit ist in der Regel die spektakulärste und unterhaltsamste eines ganzen Footballspiels. Manchmal trudeln Spiele 58 Minuten ereignislos vor sich hin, bevor beide Teams auf die Tube drücken und plötzlich jeder Spielzug gelingt, auf beiden Seiten. Da fallen in zwei Minuten dann schon mal mehr Punkte als in der gesamten restlichen Spielzeit zuvor. Dabei muss eine "2-Minute-Offense" nicht wirklich zwei Minuten vor Halbzeit oder Spielende beginnen.

Entscheidend ist dafür die Höhe des Rückstands. Liegt ein Team schon zur Halbzeit mit vier Touchdowns hinten, kann es schon einmal vorkommen, dass eine Offense sich die gesamte zweite Halbzeit über in ihrer "2-Minute-Offense" befindet. Wichtig ist, dass bestimmte Grundsätze beachtet und speziell ausgewählte Spielzüge gewählt werden. So werden Pass- und Laufspielzüge so konzipiert, dass der ballführende Spieler jederzeit ins Seitenaus laufen kann, um die Zeit anzuhalten. Oftmals sieht man Quarterbacks den Ball einfach zu Boden werfen ("spiken"), nur um die Zeit anzuhalten. Zeit ist in solchen Situationen immer kostbarer als ein vergebener Angriffsversuch.

Auf der Gegenseite, sprich bei der führenden Mannschaft, sieht man dagegen die "4-Minute-Offense". Sie hat genau das Gegenteil zum Ziel, nämlich möglichst viel Zeit zu "vergeuden", also den Vorsprung bis zum Spielende zu halten. Es gilt, den Ball um jeden Preis vor dem Zugriff der Defense des Gegners zu schützen und dessen Offense nicht mehr in Ballbesitz kommen zu lassen. Hier kommen jetzt vor allem die Laufspielzüge, die in der bisherigen Partie besonders erfolgreich waren, zum Einsatz. Pässe gibt es in der Regel nur im Notfall zu sehen, denn bei einem unvollständigen Pass wird die Zeit angehalten.

Das Hauptziel ist es aber natürlich trotzdem, unbedingt einen neuen First Down zu erreichen. Denn als Faustregel gilt, ein First Down bringt etwa zwei Minuten Zeitgewinn, wenn die gegnerische Mannschaft keine ihrer drei Auszeiten mehr hat. In der NFL gibt es gegenüber der NCAA noch eine Besonderheit, die "2-Minute-Warning". Zwei Minuten vor der Halbzeit und vor Spielende wird die Uhr durch die Schiedsrichter offiziell angehalten. Dies ist quasi eine vierte Auszeit für das zurückliegende Team.


Der Text stammt aus dem Buch "Erfolgreiche Offense" von Holger Korber - 228 Seiten - 24,90 Euro.

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