Mit gerade einmal 18 Jahren hat Lukas Rieger bereits Erfahrungen gesammelt, von denen viele Footballer träumen. Der Wide Receiver der ifm Razorbacks Ravensburg hat in den USA trainiert, sich gegen Rückschläge behauptet und inzwischen den Sprung in die deutsche Junioren-Nationalmannschaft geschafft.
Seine Football-Karriere begann Rieger mit 15 Jahren. Zunächst im Flag Football, doch schon bald trainierte er parallel auch beim Tackle Football mit. Rückblickend verdankt Rieger seinen Erfolg auch seinem damaligen Trainer Thorsten Friedrich, der den jungen Sportler herzlich in die Mannschaft aufgenommen, gefördert und motiviert hat. Es dauerte auch nicht lange, bis Riegers Talent auch an anderer Stelle entdeckt wurde: Schnell landete er in der Auswahl des baden-württembergischen Landeskaders. Ein vielversprechender Start für einen jungen Spieler, der damals noch nicht ahnte, wohin ihn sein Weg führen würde.
Den entscheidenden Impuls für das nächste Kapitel gab sein Onkel. Der war seinerzeit in den USA gewesen und hatte von seinen Erlebnissen geschwärmt. Rieger wollte daher ebenfalls in die Vereinigten Staaten – vor allem, um die Sprache zu lernen. Football spielte bei dieser Entscheidung zunächst eine eher untergeordnete Rolle. Das änderte sich schneller als gedacht. Der Nachwuchsmann landete in Arizona an einer der Top-20-High Schools in Sachen Football des Landes.. Und er lernte schnell, dass in den USA andere Maßstäbe gelten: "Dort wird der Sport nicht um die Schule herum gestaltet, sondern die Schule passt sich dem Sport an", beschreibt Rieger seine Erfahrungen. Zwei bis drei Trainingseinheiten täglich gehörten zum Alltag. Football war kein Hobby neben der Schule, sondern ein zentraler Bestandteil des Lebens.
Der Deutsche arbeitete sich hoch und stand zu Saisonbeginn im Varsity-Team (der ersten Mannschaft) seiner Schule. Der Traum vom großen Football-Abenteuer schien in greifbarer Nähe. Doch am Tag des ersten Spiels folgte der Rückschlag, als er erfuhr, dass er nicht würde spielen dürfen. Der Grund war sein Visum. Ein Teil davon war von der Schule bezahlt worden. Hätte Rieger gespielt, hätte dies den Eindruck erwecken können, dass die High School den europäischen Spieler eingekauft hatte. Das war ausgeschlossen. Die Konsequenz: Rieger musste vorerst im Junior-Varsity-Team (der zweiten Mannschaft) spielen. Eine bittere Erfahrung für einen jungen Sportler, der sich seinen Platz im Varsity-Team hart erarbeitet hatte. Doch manchmal führen gerade die Umwege zu den entscheidenden Chancen.
Über Louis Geyer, Receiver bei den Munich Ravens, bekam Rieger Kontakt zu Peter Daletzki, der damals noch bei den Düsseldorf Panther unter Vertrag stand. Daletzki hörte sich die Geschichte des jungen Receivers an und wollte ihm eine Chance geben. Da Rieger ohnehin in den USA war, lud er ihn gemeinsam mit anderen europäischen Spielern im Januar 2025 nach Miami zum "All American Bowl" ein. Dort absolvierte Rieger ein intensives Camp und konnte sein Können unter Beweis stellen. Offenbar hinterließ der junge Ravensburger Eindruck. Mittlerweile ist Peter Daletzki Head Coach der deutschen Junioren-Nationalmannschaft – und Lukas Rieger gehört zu seinem Team. Damit wurde aus der unerwarteten Chance in Miami der nächste große Schritt einer Football-Karriere. Mit Erfolg: Deutschland hat sich inzwischen für das Halbfinale der Europameisterschaft qualifiziert. Im März 2027 wartet Österreich. Für Rieger ist das die nächste Gelegenheit, sich auf internationaler Bühne zu beweisen.
Mittlerweile hat Rieger vielfältige Erfahrungen im American Football gesammelt. Auch die Unterschiede zwischen dem Football in der Nationalmannschaft und bei den ifm Razorbacks Ravensburg sind für ihn spürbar. Den größten Unterschied sieht er in der Kultur. Während man sich in der Nationalmannschaft naturgemäß weniger häufig sieht und meist für eine Trainingswoche zusammenkommt, ist das Training in Ravensburg persönlicher. Man kennt sich, trainiert regelmäßig miteinander und wächst als Mannschaft zusammen.
Während sich die ifm Razorbacks aktuell in der Off-Season befinden, kennt Rieger keine wirkliche Ruhepause. Leichtathletik und regelmäßige Gym-Besuche stehen auf seinem Programm. Für ihn ist klar: Wer seine Ziele erreichen will, muss dafür arbeiten – auch dann, wenn gerade keine Spiele anstehen. Dabei stellt Rieger hohe Ansprüche an sich selbst. Ansprüche, die ihn antreiben, manchmal aber auch Selbstzweifel mit sich bringen. "Bin ich gut genug?" Diese Frage kennt der 18-Jährige. Doch anstatt sich davon bremsen zu lassen, nutzt er sie als Antrieb, an seine Grenzen zu gehen.
Seine Erfahrungen aus den USA helfen ihm dabei. Dort hat Rieger gelernt, wie intensiv Football betrieben werden kann und wie wichtig es ist, sich immer wieder neu zu beweisen. Auch ein Rückschlag wie die Geschichte mit dem Visum gehört zu seinem Weg. Entscheidend ist, was man daraus macht. Was würde Rieger seinem 15-jährigen Ich raten, wenn er ihm heute begegnen würde, damals, als er gerade mit American Football anfing? Rieger lacht. Seine Antwort ist kurz und passt zu seiner Geschichte: "Ich würde ihm raten, auf das richtige Visum zu achten und nie den Glauben an sich zu verlieren."
Wittig - 02.10.2026

Lukas Rieger (Deutsche Junioren-Nationalmannschaft) (© Ravensburg Razorbacks)
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