Miami reist in das Death Valley

Die Miami Hurricanes reisen als klarer Favorit zu den Clemson Tigers.Miamis Defensive Coordinator Corey Hethermann bereitet sich auf eine Clemson Offensive vor, die nun von Chad Morris geleitet wird; dieser hatte die Offensive der Tigers bereits von 2011 bis 2014 koordiniert und ist nun, 12 Jahre später, auf diesen Posten zurückgekehrt. Das letzte Mal, dass Morris am College Spielzüge ansagte, war im Jahr 2020. Da es nach nur vier Spielen kaum Videomaterial zu seinem aktuellen System gibt, mussten die Hurricanes selbst nach Informationen suchen. "Wir sichten Aufnahmen aus den Jahren 2013, 2014 und 2020, suchen nach verschiedenen Spielzügen gegen unterschiedliche Formationen und Aufstellungen und versuchen, ein Bild davon zu erstellen, wie wir diese Woche angegriffen werden könnten", erklärte Hetherman diese Woche. Genau an diesem Punkt stehen die beiden Programme vor dem Aufeinandertreffen am Samstagabend im "Death Valley" zwischen der Nummer 4 Miami und dem ungesetzten Clemson.

Das eine Programm hat in den letzten drei Spielzeiten massiv in das Transfer-Portal investiert, um seine Zukunft zu gestalten; das andere hält weiterhin stark an seiner Vergangenheit fest. Diese neue Realität spiegelt sich auch bei den Wettanbietern wider. Miami geht als Favorit mit einem Vorsprung von 16,5 Punkten in das Spiel bei Clemson – der größte Punktvorsprung des Gegners, mit dem Dabo Swinney in seinen 245 Spielen und mehr als 18 Saisons als Trainer konfrontiert war. Vor vier Jahren waren die Rollen vertauscht, als Mario Cristobal im November 2022 mit seinem ersten Miami Team nach Clemson reiste. Die Hurricanes gingen als Außenseiter (mit einem Handicap von 19,5 Punkten) in die Partie und spielten auch so: Bei der 10:40 Niederlage erzielten sie lediglich 98 Yards Raumgewinn – ein Negativrekord für das Programm seit 57 Jahren. Clemson feierte seinen 40. Heimsieg in Folge, die längste Siegesserie auf eigenem Platz in der Geschichte der ACC. Miami beendete Cristobals erste Saison mit einer Bilanz von 5 Siegen und 7 Niederlagen. Daraufhin begab sich Cristobal auf die Suche nach Quarterbacks und Miami nutzte den Transfer-Markt. Im Jahr 2024 kam Cam Ward von Washington State; er galt als der bestbezahlte Transfer-Quarterback dieses Jahrgangs. Er führte die landesweite Statistik mit 39 Touchdown Pässen an und wurde im NFL-Draft an erster Stelle ausgewählt. 2025 folgte Carson Beck von Georgia mit einem Vertrag über 4 Millionen Dollar und führte Miami ins nationale Meisterschaftsspiel, das jedoch mit 21:27 gegen Indiana verloren ging. Die Hurricanes waren das erste ACC-Team seit Clemson im Jahr 2019, das um den Titel spielte.

In diesem Jahr ist es Darian Mensah, der womöglich besser ist als seine beiden Vorgänger. Er verließ Duke nach einem Rechtsstreit um einen Zwei-Jahres-Vertrag über 8 Millionen Dollar, der in einem Vergleich endete und unterschrieb bei Miami einen Vertrag, der zu den höchstdotierten der FBS zählen dürfte. Mensah hat bisher voll überzeugt: Er brachte 88,7 Prozent seiner Pässe an den Mann, erzielte 14 Touchdowns und verzeichnete nur 12 Fehlwürfe – die besten Werte eines FBS-Quarterbacks seit mindestens 1998, dem Beginn der BCS/CFP-Ära. "Er könnte der erste Pick im Draft sein. Er ist ein absoluter Ausnahmespieler", sagte Swinney diese Woche.

Clemson wurde nach traditionellen Methoden aufgebaut – ein Erbe der Zeit, als Swinney 2016 und 2018 nationale Titel gewann, indem er auf High School Rekrutierung, Geduld und Spielerentwicklung setzte. Jahrelang hielt er sich vom Transfer-Portal fern. Vom Start des Portals im Jahr 2018 bis zur Offseason 2024 nahm Clemson lediglich zwei Transfer Spieler auf – beides Backup Quarterbacks. Im Jahr 2024 war Clemson das einzige FBS-Programm, abgesehen von den Militärakademien, das nicht auf das Portal zurückgriff. "Ehrlich gesagt ist jeder Spieler technisch gesehen ein Transfer", sagte Swinney damals im ACC Network. "Wir haben gerade erst einen ganzen Jahrgang von Jungs verpflichtet, die direkt von der High School zu uns wechseln." Diese Haltung stieß in der Branche auf Kritik und Spott, doch dann folgte der Einbruch. Clemson startete die Saison 2025 auf Platz 4 der AP-Preseason-Rangliste, beendete sie jedoch mit einer Bilanz von 7-6 – der schlechtesten seit 15 Jahren.

In dieser Offseason verpflichtete Clemson immerhin schon zehn Transfer-Spieler – so viele wie noch nie unter Swinney – holte jedoch keinen Stamm-Quarterback. Swinney vertraute die Position Christopher Vizzina an, dem Backup von Cade Klubnik. Vizzina warf bei der 10:51-Auftaktniederlage gegen LSU einen "Pick Six" und verletzte sich in der darauffolgenden Woche. Dieses ebnete den Weg für Tait Reynolds, einen "Three-Star"-True-Freshman, der in den letzten beiden Spielen als Starter auflief und das Team zu zwei Siegen führte.

Nach dem missglückten Saisonauftakt haben sich die Tigers gefangen: Sie gewannen drei Spiele in Folge und ließen in der zweiten Halbzeit insgesamt nur sechs Punkte zu. Doch die Offense ist nicht mehr das, was sie in den glorreichen Playoff-Jahren war. Bei den Statistiken – erzielte Punkte (21 pro Spiel), Passspiel (155,8 Yards pro Spiel) und Gesamtoffense (314 Yards) – rangiert das Team am unteren Ende der FBS, meist auf Platz 120 oder schlechter. "Man muss den Ball effizient laufen können, um Spiele zu gewinnen. Aber man muss ihn auch werfen können, um Meisterschaften zu holen", erklärte Swinney diese Woche gegenüber Reportern.

Clemson hat seit 2003 kein Team aus den Top 5 mehr zu Hause geschlagen; damals ging man als krasser Außenseiter (mit einem Rückstand von drei Scores auf dem Papier) in die Partie und besiegte die Nummer 3, Florida State, schließlich deutlich mit 26:10. Swinney war seinerzeit in seinem ersten Jahr als Receiver-Coach bei Clemson tätig – frisch zurückgekehrt aus einer zweijährigen Tätigkeit als Gewerbeimmobilienmakler und auf dem besten Weg, eine Trainerlegende zu werden. Diese Ära wirkt weit entfernt, doch man muss nicht lange in der Erinnerung kramen, um den ohrenbetäubenden Lärm im "Death Valley" wieder vor Augen zu haben. "Sie sind im eigenen Stadion schwer zu schlagen. Sie sind generell schwer zu schlagen. Ich weiß gar nicht, ob sie im letzten Jahrzehnt überhaupt oft zu Hause verloren haben", sagte Miami Offensive Coordinator Shannon Dawson. Das stimmt, aber das ist Vergangenheit. Heute geht es um die Zukunft.

Schlüter - 30.09.2026

Die Miami Hurricanes reisen als klarer Favorit zu den Clemson Tigers.

Die Miami Hurricanes reisen als klarer Favorit zu den Clemson Tigers. (© Getty Images)

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