Die Geschichte der Saison 1953 lässt sich nicht einfach abhandeln. Ich empfehle Ivan Maisels Buch *American Coach: The Triumph and Tragedy of Notre Dame Legend Frank Leahy, um wirklich tief in die gesundheitlichen Probleme von Head Coach Leahy, die damaligen universitätsinternen Machtkämpfe und vieles mehr rund um das Team von 1953 einzutauchen. Man muss die damalige Situation im College Football und die Haltung des Notre Dame Programms im Jahr 1953 verstehen: Der nationale College Football Meister wurde von den Journalisten der Associated Press bestimmt, noch bevor die Bowl Spiele überhaupt stattfanden.
Notre Dame hatte sich dazu entschlossen, nicht an Bowl-Spielen teilzunehmen – eine Haltung, die der Verein bis zum Ende der Saison 1969 beibehielt. Unter Trainer Frank Leahy hatten die "Irish" bereits 1943, 1946, 1947 und 1949 die nationale Meisterschaft gewonnen. Man kann durchaus sagen, dass es angesichts dieser jüngsten Erfolge ein Leichtes war, einen weiteren Titelanspruch einfach abzutun. Es lässt sich zudem behaupten, dass das Augenmerk eher auf der Zukunft von Leahys Trainerkarriere lag – 1953 war seine letzte Saison bei Notre Dame – als auf der Frage, ob Notre Dame den Titel tatsächlich verdient hätte.
Notre Dame verlor ein Stück weit die Kontrolle über die öffentliche Wahrnehmung, als man sich – man beachte hier die Anführungszeichen – durch "Schummelei" ein Unentschieden gegen Iowa sicherte. Die Irish belegten während der gesamten Saison den ersten Platz in der Rangliste, bis sie nach dem Unentschieden gegen Iowa hinter Maryland zurückfielen; Maryland wurde schließlich als unangefochtener nationaler Meister anerkannt und beendete die reguläre Saison mit einer Bilanz von 10 Siegen und 0 Niederlagen. Die Terrapins beendeten ihre reguläre Saison stark mit Siegen über zwei Teams, die landesweit auf Rang 11 geführt wurden. Bemerkenswert ist, dass die weiteste Auswärtsreise Marylands in jener Saison nach Miami (Florida) führte, während die Irish ihrer traditionellen Mentalität folgend – "jederzeit und überall gegen jeden anzutreten" – kreuz und quer durch das Land reisten.
Vor der Postseason hatten Notre Dame und Maryland 1953 einen gemeinsamen Gegner: North Carolina. Noch bevor die Irish ihren 34:14 Sieg über die Tar Heels errangen, sah UNC-Assistenztrainer Bill Edwards – der beide Teams beobachtet hatte – Notre Dame im Vorteil; auf die Frage nach einem möglichen Sieger bei einem hypothetischen Aufeinandertreffen von Terrapins und Irish antwortete er in der Chicago Sun-Times: "Es wäre Notre Dame", antwortete Edwards. "Zu viel Wucht. Sie schnappen sich einfach den Ball und – zack! Man kann sich denken, was das bedeutet. Meiner Meinung nach sticht Notre Dame als das landesweit führende Team heraus. Es ist eine ganz andere Art von Mannschaft als Maryland. Sie arbeiten sich mit kurzen Vorstößen direkt zum Ziel vor – mal fünf Yards, mal drei, mal vier. Maryland hingegen spielt trickreich und clever. Aber ich glaube einfach nicht, dass sie gegen ein Team wie Notre Dame bestehen könnten."
Notre Dame bestätigte Edwards’ Einschätzung und erzielte gegen North Carolina insgesamt 489 Yards im Laufspiel (Maryland hatte beim Sieg über die Tar Heels 259 Yards erreicht). North Carolina gelang es zwar, zweimal gegen die Irish zu punkten, doch wie UNC Trainer George Barclay hinterher formulierte: "Ich fand, wir haben ein besseres Spiel, als gegen Maryland gesehen."
Notre Dame war sich bewusst, dass man sich Ende November vor Iowa in Acht nehmen musste. Die Hawkeyes waren zwar schleppend in die Saison gestartet, kamen aber nach einem Sieg über das auf Rang 15 gesetzte Team aus Minnesota mächtig in Fahrt. Zudem schien Iowa damals einfach ein gutes Händchen gegen Notre Dame zu haben; 1950 und 1951 hatten sie jeweils ein Unentschieden gegen die Irish erreicht. Die Irish hatten zudem zwei Auswärtsspiele an der Ostküste in Folge hinter sich (bei Penn im Schneesturm und anschließend bei UNC). Wie erwartet leistete Iowa den Irish harten Widerstand. Im Jahr 1953 wurde die offizielle Spielzeit von einem Unparteiischen auf dem Spielfeld gestoppt; jede im Stadion sichtbare Uhr lieferte lediglich einen inoffiziellen Richtwert. Die einzige Möglichkeit, die Uhr damals anzuhalten, bestand darin, einen Spielzug im Aus zu beenden, eine Auszeit zu nehmen oder auf einen verletzten Spieler auf dem Feld zu warten. Gegen Ende der ersten Halbzeit lagen die Irish mit 0:7 zurück, hatten keine Auszeiten mehr und die Zeit lief unaufhaltsam ab. Quarterback Ralph Guglielmi versuchte, den Ball durch einen absichtlichen Fumble ins Aus zu befördern, um die Uhr zu stoppen. Als dies misslang, tat Lineman Frank Varrichione genau das, was ihm beigebracht worden war: Er ließ sich mit einer "Verletzung" zu Boden fallen.
Er musste das Spiel verlassen, und Guglielmi bediente Tight End Dan Shannon für einen Touchdown im letzten Spielzug der Halbzeit. Dasselbe Szenario wiederholte sich am Spielende. Iowa hatte gut zwei Minuten vor Schluss gepunktet, und Guglielmi führte die Irish ohne verbleibende Auszeiten über das Spielfeld. Diesmal ließen sich gleich fünf Spieler der Irish zu Boden fallen; zwei mussten das Spiel verlassen, und Guglielmi fand erneut Shannon für einen Touchdown – sechs Sekunden vor Schluss, zum Ausgleich.
Sämtliche Recherchen und Lektüren zum Football Jahr 1953 legen nahe, dass auch viele andere Teams diese Taktik anwandten, um die Uhr anzuhalten. Sie bereiteten sich gezielt auf solche Momente vor, und es gab Spieler, die – genau wie Varrichione – das Vortäuschen einer Verletzung in entscheidenden Spielphasen trainierten.
Im modernen Football haben Teams die Möglichkeit, den Ball zu "spiken", um die Uhr anzuhalten. Diese Möglichkeit gab es 1953 noch nicht. Es wurde missbilligt – daran besteht kein Zweifel – aber es verstieß nicht ausdrücklich gegen die Regeln. Nach dem Spiel konzentrierte sich Notre Dame nicht auf die vorgetäuschten Verletzungen, sondern auf die Fähigkeit, in entscheidenden Momenten zwei wichtige Spielzüge auszuführen und so das Unentschieden zu sichern. Zudem sei darauf hingewiesen, dass es keine Möglichkeit gab, auf eine Two Point Conversion und damit den Sieg zu spielen, da diese Regel im College Football erst 1958 eingeführt wurde.
In den folgenden Wochen erhielt Notre Dame von den nationalen Medien den Spitznamen "The Fainting Irish" (die "ohnmächtigen" Irish). Das Unentschieden wirkte sich weit stärker auf die Platzierung der Irish aus als die vorgetäuschten Verletzungen; die Geschichte um Letztere entwickelte sich erst allmählich, im Zuge des Versuchs, die Irish von ihrem Konkurrenten im Kampf um den nationalen Titel zu distanzieren. Zu einer landesweiten Sensation wurde das Thema, als Berichte auftauchten, wonach der berühmte Sportjournalist Grantland Rice Notre Dame "unethischer" Taktiken bezichtigt hatte.
Nach dem Spiel gegen Iowa standen für Notre Dame noch zwei weitere Partien auf dem Programm, während die reguläre Saison für Maryland an jenem Wochenende bereits endete. Die Irish reisten ohne den erschöpften Leahy nach Westen zu Southern Cal, vereinfachten ihren Spielplan und dominierten die Trojans vor über 97.000 Zuschauern im Coliseum mit 48:14.
Am 6. Dezember folgte ein weiteres Heimspiel für Notre Dame, bei dem SMU vor landesweitem Fernsehpublikum mit 40:14 deklassiert wurde. Zu diesem Zeitpunkt war die Entscheidung über den nationalen Titel bereits gefallen: In der letzten Umfrage der Associated Press des Jahres am 30. November belegte Maryland mit 187 Stimmen für den ersten Platz den Spitzenrang, gefolgt von Notre Dame mit 141 Punkten auf dem zweiten Platz. Für die Irish war die Saison 1953 damit beendet. Es gab Bestrebungen, die ablehnende Haltung des Programms gegenüber Bowl Spielen aufzugeben, doch Father Theodore Hesburgh, CSC – der sich im ersten vollen Jahr seiner legendären, 35-jährigen Amtszeit als Präsident von Notre Dame befand – beendete Mitte Oktober in der New York Daily News jegliche Diskussionen darüber mit den Worten: "Es ist wirklich nichts dran. Wir sind strikt gegen Post-Season-Spiele. Es besteht keinerlei Möglichkeit, dass wir an solchen Spielen teilnehmen werden."
Maryland nahm jedoch an der Post-Season teil. Das Team, das eigentlich als nationaler Meister galt, verlor im Orange Bowl mit 0:7 gegen Oklahoma und musste damit die erste Niederlage ohne eigenen Punktgewinn seit 51 Spielen hinnehmen. Es handelte sich dabei um jenes Oklahoma-Team, das Notre Dame zu Beginn der Saison 1953 in Norman mit 28:21 besiegt hatte.
Nachdem man nun die Hintergründe kennt, erscheint die Schlussfolgerung logisch, dass Notre Dame das beste Team des Landes war. Sie absolvierten das anspruchsvollste Programm und beendeten die Saison als einzige ungeschlagene Mannschaft im College Football der Spitzenklasse. Wenn Notre Dame jemals Anspruch auf nationale Titel erheben und die Voraussetzungen dafür auf eine Stufe mit anderen Programmen stellen wollte, dann war die Mannschaft von 1953 zweifellos eine eindeutige Wahl, die jeder kritischen Überprüfung standhielt.
Schlüter - 29.09.2026

Head Coach Frank Leahy trainierte 1953 Notre Dame zum letzten Mal. (© Schlüter)
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