Furcht vor dem verstärkten Pass Rush der Los Angeles Rams ging vor Saisonbeginn bei der Konkurrenz um, Experten und Buchmacher sahen die Gewinner der Transferperiode auf dem Weg zu einem Heim-Super-Bowl. Nun aber hat der Vize-Champion der NFC aus der letzten Saison auch gegen den Vize der AFC von 2025 verloren. Und die Denver Broncos profitierten dabei von den Mitteln, die eigentlich die Rams dieses Jahr auszeichnen sollten. Eine fantastische Performance von Talanoa Hufanga verhalf den Broncos zu einem 30:26-Sieg gegen die Los Angeles Rams. Hufanga fing zwei Interceptions, wehrte zusätzlich drei Pässe des Gegners ab, und er feierte einen Quarterback Sack.
Vier Quarterback Sacks mussten die Los Angeles Rams insgesamt einstecken, während die Offensive Line Denvers sicherer wirkte und den Gegner nur einmal zum eigenen Quarterback durchließ. In der Red Zone war der Angriff der Denver Broncos effektiver. Drei Mal bewegte man den Ball über die 20-Yard-Linie des Gegners, drei Mal punktete man anschließend auch. Die Rams gingen bei vier tiefen Vorstößen in die Hälfte der Broncos drei Mal leer aus.
Das Spiel hatte jedoch zwei grundverschiedene Halbzeiten. Vor der Pause dominierten die Rams in Mile High: Matt Stafford konnte mit seinem Angriff da schalten und walten, wie er wollte. Nach zehn Minuten zogen die Rams mit dem Touchdown-Pass auf Tyler Higbee in Front, drei Field Goals bis zur Pause folgten, und mit 16:0 für die Gäste ging es in die Kabinen. Der Rams-Angriff hatte bis dahin mit 273 Yards insgesamt und schon 186 aus Pässen jeweils mehr als viermal so viel erzielt wie Bo Nix und Kollegen für die Gastgeber. J.K. Dobbins und das Laufspiel der Broncos waren komplett abgemeldet, während Kyren Williams von Denvers Abwehr nicht zu bändigen war. Williams hatte am Ende 88 Yards mit 15 Läufen geholt und zusätzlich sechs Passfänge für 70 Yards.
Nur einmal überquerte Denver die Mittellinie, und dann traf Wil Lutz beim Field-Goal-Versuch nur den linken Pfosten. Wenn den Rams etwas vorzuwerfen war, dann eben die mangelnde Chancenauswertung mit den Field Goals. In dem Fall traf der Vorwurf auch tatsächlich die Mannschaft, musste sie sich wirklich an die eigene Nase fassen. Jedenfalls vor den ersten beiden dieser Field Goals, als eigene Fouls die First Downs verhinderten, mit denen man vier neue Versuche innerhalb der letzten fünf Yards gehabt hätte. Beim letzten Anlauf ging trotz reihenweise mittellangen Pässen Staffords kurz vor dem Ziel die Zeit aus.
Aber das 16:0 schien eine gute Basis für Hälfte zwei zu sein, zumal Denver beim ersten Ballbesitz gleich wieder ohne First Down blieb. Nun stockte jedoch auch der Rams-Angriffsmotor, Mitte des dritten Viertels fanden dagegen die Broncos endlich den Anlasser für ihren. Nun setzte sich auch Dobbins immer mal durch, und zwei Minuten vor dem letzten Seitenwechsel warf Bo Nix den zweiten Touchdown-Pass und ließ auch zum zweiten Mal den erfolgreichen Pass zur Conversion folgen: Binnen zehn Spielminuten war der Vorteil der Rams dahin. Direkt vor dem letzten Seitenwechsel bekam Stafford mit einem Quarterback Sack dann schon einmal angedeutet, dass der Spaziergang für ihn beendet sein könnte.
Die Rams erkämpften sich ein viertes Field Goal, stoppten Denver gleich wieder ohne First Down, und Stafford legte einen 49-Yard-Pass auf Davante Adams vor. Talanoa Hufanga hatte Adams da gerade noch stoppen können - und nun hatte Hufanga offensichtlich die Nase voll vom behäbigen Angriffsspiel seiner Kollegen. Zwei Minuten später fing er den für Kyren Williams gedachten Pass in der eigenen Hälfte ab und zeigte Adams, wie man den Weg in die Endzone auch komplett erledigt. Mit dem 23:19-Vorsprung für Denver waren ein paar starke Momente belohnt, der Spielverlauf in seiner ganzen Entstehung aber auf den Kopf gestellt.
Auch deswegen, weil Matt Stafford anschließend zwar einen Quarterback Sack kassierte, aber völlig unbeeindruckt drei Pässe in Serie auf Konata Mumpfield für insgesamt 78 Yards und den Touchdown zur 26:23-Führung ablieferte. Jetzt setzte sich aber auch Bo Nix wieder in Szene, er mit zwei aufeinanderfolgenden Würfen auf Pat Bryant und Troy Franklin, mit denen ebenso flugs 60 Yards überbrückt waren. Schreckmomente für die enthusiastischen Fans in Mile High kamen dennoch weitere: 75 Sekunden vor dem Ende, als Josh Wallace den Ball abfing, sich gegen Bryant aber regelwidrig durchgesetzt hatte. Kurz darauf, als beim dritten Down Bo Nix ins Leere warf. Aber auch hier half die gelbe Flagge der Schiedsrichter, und inzwischen war es dicht vor der Endzone für die Broncos ja von Vorteil, dass es sich bis zum nächsten dritten Versuch zog, ehe Bo Nix selbst den Touchdown zum 30:26 holte.
Matt Stafford schaffte in den nächsten 45 Sekunden noch einmal über 50 Yards mit drei erfolgreichen Pässen, stoppte zwei Sekunden vor dem Ende die Zeit und wagte den alles entscheidenden Passversuch auf Davante Adams. Doch Talanoa Hufanga roch den Braten, fing seine zweite Interception und schickte die Rams mit ihrer zweiten Saisonniederlage nach Hause. Für die Broncos wichtig, weil sie (vs. 49ers, Chargers, Seahawks) ebenso wie die Rams (Philadelphia und Buffalo) schwere Wochen vor sich haben.
Daniel Weber - 28.09.2026

Bo Nix und die Denver Broncos hatten in den entscheidenden Momenten die Nase vorn. (© Getty Images)
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