Die einen starteten als Top-Favorit der Liga in die Saison, die anderen zumindest als Geheimfavorit, nachdem beide im Januar nur mit knappen Niederlagen in den Finalspielen ihrer Conference knapp am Einzug in den Super Bowl gescheitert waren. Statt im Februar um den Titel zu spielen, treffen Denver Broncos und Los Angeles Rams nun also erst am Sonntagabend der dritten NFL-Woche 2026 aufeinander. Im Mile High steht dabei weit mehr auf dem Spiel als nur eine kosmetische Korrektur der jeweiligen frühen und "nur" ausgeglichenen Bilanz der ersten beiden Spieltage.
Die Super-Bowl-Ambitionen beider Clubs waren am ersten Spieltag brutal ausgerechnet von ihren Erzrivalen aus der eigenen Division ausgebremst worden. Die Niederlagen vor zwei Wochen haben einige Saisonprognosen schon durcheinander gewirbelt, weil sich so nicht zu erwartende krasse Leistungsunterschiede offenbarten. Abgesehen davon, dass eine solche Divisionsniederlage schon im September bei einem knappen Playoff-Rennen am Ende böse Folgen haben kann.
Besonders tief sitzt der Stachel bei den Rams, die zum Auftakt eine herbe 7:27-Klatsche gegen die San Francisco 49ers hinnehmen mussten. Die Offense um den amtierenden Liga-MVP Matthew Stafford wirkte in Australien phasenweise völlig ideenlos, was die Hoffnungen auf eine dominante Rolle in der NFC West dämpfte. Zwar rehabilitierte sich das Team von Head Coach Sean McVay am vergangenen Montag mit einem souveränen 28:6-Erfolg gegen die New York Giants, doch das fundamentale Problem bleibt bestehen: Ohne die Konstanz gegen die Eliteteams der eigenen Division wackelt das Fundament für die erwarteten Playoffs mit Heimspielen bis zum Super Bowl ebenfalls im eigenen Stadion gewaltig. Die Offense wird sich dazu gegen physisch agierende Fronten besser halten müssen.
Die Denver Broncos unter Sean Payton erlebten ein ähnliches Déjà-vu, ohne ganz so weit reisen zu müssen. Das deutliche 10:31 im Arrowhead Stadium bei den Kansas City Chiefs deckte gnadenlos auf, dass die Lücke zur Spitze der AFC West doch noch oder wieder vorhanden ist. Jung-Quarterback Bo Nix erlebte gegen den zu Championship-Form zurückkehrenden Gruppenkonkurrenten einen schweren Arbeitstag, der von mangelndem Schutz durch die Offensive Line und Abstimmungsproblemen im Passspiel geprägt war. Zwar stabilisierte sich Denver in Woche zwei beim knappen 20:13-Erfolg über die Jacksonville Jaguars durch eine starke zweite Halbzeit, doch für echte Super-Bowl-Ansprüche muss die Offense vielleicht auch einmal früher im Spiel ihren Rhythmus finden.
Sorgen vor dem Sunday Night Game macht auf beiden Seiten der Zustand der Offensive Line. Denvers Abwehrschirm für Nix muss gegen den gefürchteten Pass Rush der Rams zwingend zulegen; Matthew Stafford und seine Receiver können auf der anderen Seite jede Schwäche der gegnerischen Defense gnadenlos ausnutzen. Hinter dem Einsatz von Rams-Star-Receiver Puka Nacua steht wegen einer Leistenverletzung ein dickes Fragezeichen, was Head Coach Sean McVay zu taktischen Variationen im Angriffsspiel zwingen könnte. Auf der defensiven Seite wird es für Denver darauf ankommen, den Druck auf Stafford konstant hochzuhalten, um der eigenen Secondary wertvolle Sekunden im Duell gegen die variablen Passrouten der Gäste zu verschaffen.
Das Spiel stellt für beide Teams den frühen ultimativen Gradmesser dar. Der Sieger wahrt den Anschluss an die erweiterte Tabellenspitze und holt sich das Selbstvertrauen zurück, während der Verlierer mit einer 1:2-Bilanz frühzeitig unter enormen Erfolgsdruck gerät. Die Luft wird also nicht nur aus geografischen Gründen in der Höhenlage Colorados dünn für den Verlierer. Kleinigkeiten wie nur kleine individuelle Fehler können da darüber entscheiden, welches Team seine hohen Ambitionen aufrecht erhalten kann und welchem früh ein Panikmodus droht.
Bei folgenden Auswärtsspielen bei 49ers und Chargers für Denver sowie der Reise nach Philadelphia und dem Spiel gegen Buffalo für die Rams könnte einer der beiden Mitte Oktober bei 1:4 stehen. Und da spricht die Statistik eine deutliche Sprache: Zuletzt vor sechs Jahren gelang es Washington nach einer solchen Bilanz nach fünf Spielen, noch die Endrunde zu erreichen. Seit 17 Saisonspiele pro Team absolviert werden, schaffte es keiner mehr, seit 1970 gab es nur 15 Teams, die einen 1:4-Saisonstart noch so drehen konnten, dass es für die Postseason reichte.
Daniel Weber - 27.09.2026

Auf Bo Nix und die Denver Broncos kommen schwere Wochen zu. (© Getty Images)
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