Im Jahr 1901 wurde das dritte Aufeinandertreffen zwischen Notre Dame und Purdue und das erste auf dem Cartier Field veranstaltet. Der siegbringende Drive der "Irish" war ein perfektes Beispiel für das, was der heutige Head Coach Marcus Freeman so schätzt: ein Programm, das von der Offensive und Defensive Line geprägt wird. Im Jahr 1901 trug die Offensive Line das Team in 13 aufeinanderfolgenden Spielzügen über das Spielfeld. Fairerweise muss man sagen, dass damals (1901) überhaupt keine Pässe geworfen wurden – aber wer sind wir schon, wenn wir uns von Fakten einen legendären Drive verderben ließen! Es lief folgendermaßen ab:
James Doran erlief 10 Yards.
Al Fortin holte sechs Yards, Harley Kirby fünf und James Farragher weitere fünf.
Louis "Red" Salmon brach mit Wucht durch die Mitte (12 Yards) und anschließend noch einmal sieben Yards durch die Lücke neben dem Center (über die Guard-Position).
Dann gelang Doran ein Lauf über 20 Yards, Kirby sprang über die gegnerische Linie für vier Yards Raumgewinn und Salmon stieß durch die Mitte für drei Yards vor.
Farragher lief für sechs Yards an der Tackle-Position vorbei, Fortin wiederholte diesen Spielzug für fünf Yards, und Kirby – offensichtlich ein Vorläufer von Jeremiyah Love – sprang erneut durch die Mitte für acht Yards.
Doran krönte den Drive mit einem Touchdown-Lauf.
1906 folgte der erste Sieg von Notre Dame in West Lafayette. Der Spielstand lautete 2:0, nachdem Purdue einen Punt-Versuch in der eigenen Endzone fallen gelassen und den Ball dort gesichert hatte – was als Safety gewertet wurde. "The Scholastic" schrieb damals: "Das Duell zwischen Notre Dame und Purdue war von vorbildlicher Art. Das faire Spiel und der kämpferische Einsatz – der trotz seiner Intensität stets fair blieb – waren genau das Richtige. Im Hochschulsport verurteilt man ‚verhasste‘ Rivalitäten und versucht stattdessen, genau jenen Geist zu fördern, der bei diesem großen Spiel zum Ausdruck kam. Wir messen uns gerne mit Purdue im Wettkampf. Sie sind gute, faire Sportler und Gentlemen. Ein Hoch also auf Purdue. Mögen wir uns stets in solch heilsamem, männlichem Wettbewerb begegnen." - The Scholastic, 10. November 1906.
Genau ein solches Problem mit einem Punt aus der eigenen Endzone wurde den Boilermakers 1971 zum Verhängnis. Das Ross-Ade-Stadion glich an jenem Tag einem Schlammloch, und keine der beiden Offensiven konnte viel ausrichten. Purdue Quarterback Gary Danielson warf einen 25 Yard Screen-Pass, der seinem Team zur Halbzeit eine 7:0-Führung bescherte. Gegen Ende des vierten Viertels startete Notre Dame einen Angriffszug, verlor jedoch an der fünf Yard Linie von Purdue durch einen Fumble den Ball. Die Defense der "Irish" zwang die "Boilers" zu einem Punt aus der eigenen Endzone; der misslungene Snap "rutschte wie ein Stück nasse Seife". Walt Patulski, ein "All-American"-Defensivspieler der Irish, setzte Lougheed außer Gefecht, und Fred Swendsen stürzte sich auf den freien Ball – ein Touchdown. Head Coach Ara Parseghian entschied sich, auf zwei Punkte und damit den Sieg zu spielen. Die Irish hatten seit zehn Jahren nicht mehr in West Lafayette gewonnen, und ein wenig Schlamm sollte ihnen diese Chance nicht nehmen. Pat Steenberge bediente Mike Creaney für die Two Point Conversion bei einem Spielzug, der bis heute als "The Genuflect Play" (der "Kniefall-Spielzug") bekannt ist: Creaney ging auf ein Knie, um einen missglückten Block vorzutäuschen, sprang dann aber auf und fing den siegbringenden Pass.
Wer Mitte der 70er Jahre den Football von Notre Dame verfolgte, weiß genau, wer Luther Bradley war. Als Christian Gray 2024 im Spiel gegen Southern Cal einen 99 Yard Lauf hinlegte, wiesen alle sofort darauf hin, dass Bradley bereits 1975 bei Purdue eine Interception über 99 Yards zurückgetragen hatte. Notre Dame gewann das Spiel mit 17:0. Es war eines der ersten Spiele, in denen Bradley als Safety eingesetzt wurde, nachdem er in seinem Freshman Jahr 1973 noch als Cornerback gespielt hatte. Es war Bradleys Football-Verständnis, das die Gelegenheit für seinen großen Spielzug schuf. Im Sugar Bowl 1973, den Notre Dame mit 24:23 gegen Alabama gewann und sich damit den nationalen Titel sicherte, setzte die Crimson Tide einen Spielzug ein, den der legendäre Fernsehkommentator Chris Schenkel als "transkontinentalen" Pass bezeichnete: Der Quarterback von Alabama warf den Ball zu einem Running Back, der ihn wiederum mit einem Pass zurück zum Quarterback beförderte – ein Touchdown-Spielzug. Purdue versuchte 1975 denselben "transkontinentalen" Spielzug, doch Bradley war darauf vorbereitet und trug den Ball über 99 Yards zurück. Zwei großartige Zitate von Bradley nach dem Spiel: "Ich war völlig fertig, als ich endlich die Endzone erreichte", und "Purdue war meine zweite Wahl bei den Universitäten. Meine Eltern wollten, dass ich dorthin gehe. Aber ich hielt Notre Dame für den besten Ort für mich."
2007 lief es nicht so gut für die Irish. Einer der wenigen Lichtblicke in einer verkorksten Saison von Notre Dame war, wie Tate aus dem Nichts auftauchte und – bei einer 33:17-Niederlage – die ersten drei Pässe seiner Karriere für insgesamt 104 Yards und einen Touchdown fing. Wenn Sie den Großteil der Saison 2007 vergessen haben, kann man es Ihnen nicht verübeln. Das große Spiel gegen Purdue in jener Woche verhalf dem späteren All-American im Jahr 2007 nicht sofort zum großen Durchbruch; er beendete die Saison mit nur drei weiteren gefangenen Pässen für insgesamt 27 Yards. Zwei Jahre später kehrten die "Irish" nach West Lafayette zurück und benötigten ein dramatisches Finish, um den Sieg davonzutragen. Tate befand sich gerade mitten in seiner Saison, in der er später mit dem Biletnikoff Award ausgezeichnet wurde, und beendete das Spiel mit 128 "All-Purpose Yards". Es war eine kämpferisch starke Leistung von Jimmy Clausen, der sich in der Vorwoche gegen Michigan State eine Zehenverletzung ("Turf Toe") zugezogen hatte und kaum trainieren konnte.
Notre Dame Fans lieben es, in die Details solcher Spiele einzutauchen, denn sie verkörpern genau das, was College Football so unterhaltsam macht. Purdue erreichte in jenem Jahr nicht viel (Bilanz: 5-7), und für Notre Dame ging die Ära Charlie Weis mit vier Niederlagen in Folge im November zu Ende. Clausen spielte in der ersten Hälfte, hatte aber aufgrund seiner Verletzung zu kämpfen, während Ersatzmann Dayne Crist Notre Dame schließlich zu den beiden Scoring-Drives führte. Nach der Halbzeitpause kämpfte sich Purdue jedoch zurück und ging 3:41 Minuten vor Schluss mit 21:17 in Führung. Clausen, der erst seinen zweiten Ballbesitz in der zweiten Hälfte bestritt, führte Notre Dame über zwölf Spielzüge und 72 Yards zum Score: Er bediente Tate für 12 Yards und Kyle Rudolph für 22 Yards, überwand einen Sack mit einem entscheidenden Pass bei einem "Third Down" auf Robby Parris und brachte den Ball anschließend zu Tate, womit sie die zwei Yard Linie von Purdue erreichten. Nur 25 Sekunden vor Schluss warf Clausen den entscheidenden Touchdown-Pass auf Rudolph.
An das Jahr 2024 mögen sich natürlich viel mehr Notre Dame Fans erinnern. Im zweiten Viertel erzielte Notre Dame 28 Punkte. Nur wenige Sekunden vor Ende des Viertels übergaben die "Irish" den Ball an der eigenen 30 Yard Linie an Jadarian Price. Notre Dame versucht bei jedem Spielzug zu punkten. Genau darum geht es beim Football. Wenn die "Irish" perfekt agieren und die gegnerische Verteidigung Fehler macht, kann bei jedem Spielzug ein Touchdown fallen. "Geben wir den Ball an JD und schauen mal, was passiert", lautete die Anweisung. Er zog nach links, bog um die Ecke, und kein Spieler von Purdue kam ihm näher als fünf Yards, während er 70 Yards weit zum Touchdown sprintete. Die "Irish" kamen in den ersten 30 Minuten dieses Spiels im Jahr 2024 auf insgesamt 390 Yards Raumgewinn und 17 First Downs.
Welcher unvergessliche Moment wird sich an diesem Wochenende in West Lafayette ereignen? Wieder eine dominierende zweite Halbzeit gegen ein Big-Ten-Team? Wieder ein legendärer Lauf, Fang oder Interception-Return? Oder vielleicht sogar ein weiteres Special-Teams-Debakel in der Endzone. Genau das ist das Tolle am College Football: Man weiß nicht genau, was passieren wird, aber man weiß, dass man es womöglich nie vergessen wird.
Schlüter - 22.09.2026

#7 Jimmy Clausen (Notre Dame Fighting Irish) im Jahr 2010. (© Getty Images)
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