In einer idealen ACC-Welt wäre das Duell Clemson gegen North Carolina ein Beweis für die Football Qualität der Conference. Ein Aufeinandertreffen zwischen Dabo Swinney – einem zweifachen nationalen College Football Meister und dem sechsmaligen Super Bowl Sieger Bill Belichick im "Death Valley" wäre unter den richtigen Umständen ein absolutes Spitzenspiel. Doch diese Umstände liegen nicht vor. Stattdessen ist das Gastspiel der Tar Heels bei Clemson am Samstag ein Aufeinandertreffen zweier Krisenteams. Die 2:0 Bilanz von UNC täuscht über die endlosen Unruhen hinweg, die Belichicks bislang erfolglose Amtszeit prägen. Auf der anderen Seite steht Swinney, der in seiner 18. Saison zum Opfer seines früheren Erfolgs und seiner darauffolgenden Sturheit geworden ist.
Sollte er nun auch gegen North Carolina verlieren, steht einiges bevor. Die Tigers haben bereits einen frustrierenden Start hinter sich: Nach einer 10:51-Niederlage bei LSU in Woche 1 folgte in Woche 2 ein wenig überzeugender 22:7 Sieg gegen Georgia Southern. Nun reist der "Tar-Heel-Zirkus" an und hat die Chance, Clemson noch tiefer in die Krise zu stürzen. In der Saison 2025 verlor Clemson drei Heimspiele gegen ungesetzte Teams und beendete die Spielzeit mit einer Bilanz von 7:6. Sollten die Tigers diesen Trend fortsetzen, wird die Kritik an Swinney eine neue Lautstärke erreichen.
Trotz der Unruhen abseits des Spielfelds sind die Tar Heels bereit, Clemson mehr Gegenwehr zu leisten, als bei der 10:38 Heimniederlage in der vergangenen Saison. Die verbesserte Defensive von UNC in Kombination mit Clemsons offensiver Schwäche sorgt für eine unangenehme Ausgangslage für die Tigers. Chad Morris, der in seine erste Saison als Offensive Coordinator bei Clemson zurückgekehrt ist, steht bereits massiv in der Kritik. Angesichts der Tatsache, dass seine Einheit bei der Total Offense auf Platz 134 von 138 FBS Teams rangiert, ist diese Kritik durchaus verständlich. Selbst der Raumgewinn gegen Georgia Southern erwies sich für die Tigers bei ihrem 22:7 Sieg in Woche 2 als mühsame Angelegenheit. Ihr einziger Touchdown Drive des Spiels war ein 27 Yard Angriff, der durch einen missglückten Punt von Georgia Southern ermöglicht worden war.
Die bittere Realität für Coach Swinney ist jedoch, dass er den Punkt überschritten hat, an dem er Koordinatoren als Sündenböcke vorschieben kann. Kein anderer Head Coach der "Power Four" hätte auch nur in Erwägung gezogen, Morris zu engagieren – jenen gescheiterten ehemaligen Trainer von Arkansas, der 2025 ohne Anstellung im Football Geschäft war, nachdem er zuletzt 2024 als Offensive Assistant bei Texas State tätig gewesen war. Doch Swinney, dessen unerschütterliche Loyalität keine Grenzen kennt, holte ihn zurück. Bislang hat dies zu nichts geführt, was auch nur annähernd an die Glanzzeiten der Jahre 2011 bis 2014 erinnert. Damals stieg Morris zum Star-Trainer auf, als er während des Aufstiegs des Programms die Offensive von Clemson koordinierte.
Swinney und Morris sind nicht die einzigen Trainer in diesem Duell, die an vergangenen Erfolgen festhalten. Das gilt auch für Belichick; er muss schnell sportliche Ergebnisse liefern, damit sich der ganze Wirbel abseits des Spielfelds, der sein Programm umgibt, überhaupt lohnt. Ein Sieg gegen Clemson und eine konkurrenzfähige Leistung gegen die Nummer 3, Notre Dame, in Woche 5 wären wichtige Schritte in diese Richtung. Doch angesichts des jüngsten Rücktritts von UNC-General-Manager Michael Lombardi und der krankheitsbedingten Auszeit von Defensive Coordinator Steve Belichick liegt ein langer Schatten über dem Programm der Tar Heels.
In einer Zeit, in der auch Florida State schwächelt, gleicht der Kampf der ACC um Relevanz – jenseits der Nummer 5, Miami – einem beschwerlichen und riskanten Unterfangen. In einer idealen Welt wäre die Begegnung zwischen North Carolina und Clemson von enormer Bedeutung für das Rennen in der ACC und womöglich sogar für die College Football Playoffs. Stattdessen wird das ACC-Spiel mit solcher Tragweite in Woche 3 das Aufeinandertreffen der Nummer 16 SMU mit der Nummer 23 Louisville am Nachmittag sein. Angesichts der aktuellen Situation von Clemson und North Carolina hat man eher das Gefühl, dass der "Preis" für einen Sieg im "Death Valley" lediglich ein Aufschub der eigenen sportlichen Hinrichtung wäre.
Schlüter - 15.09.2026

Bill Belichick kann mit seinem "Tar Heel Zirkus" genauso nicht zufrieden sein, wie Dabo Swinney mit Clemsons Leistung. (© Getty Images)
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Der wachsende Abstand zwischen der Nummer 4 Miami und Clemson wurde beim 41:13 Sieg Miamis deutlich sichtbar; dieses Spiel lieferte das bislang klarste Bild der sich wandelnden Machtverhältnisse in der ACC. Zudem war es ein Gradmesser für zwei grundlegend unterschiedliche Ansätze bei der Führung eines Football-Programms im Jahr 2026. Dabo Swinneys Clemson...
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