Vor 60 Jahren: ND vs. MSU

QB Coley O’Brien im Jahr 1966 (Notre Dame Fighting Irish)Zahlreiche Autoren haben das College Football Spiel zwischen Notre Dame und Michigan State des Jahres 1966 bereits analysiert – vom Hype im Vorfeld über die unglaublichen Spieler auf dem Platz bis hin zur Verletzungswelle, mit der die "Irish" zu kämpfen hatten. Hier ist das Wichtigste, was man wissen muss: Bubba Smith von der MSU war für die Spartans eine wahre Abrissbirne, der gegnerische Offensiven im Alleingang stoppen konnte. Sein verheerender Tackle gegen Terry Hanratty, den Stamm-Quarterback der Irish, im ersten Viertel jenes Spiels von 1966 führte dazu, dass Coley O’Brien von der Bank eingewechselt wurde.

O’Brien verhalf den Irish zu einer Aufholjagd nach einem 0:10 Rückstand: Er warf einen Touchdown Pass auf Bob Gladieux und führte einen Angriffszug an, der zu Beginn des vierten Viertels mit einem Field Goal den Ausgleich brachte. Michigan State erzielte im nächsten Angriffszug ein First Down; anschließend mussten beide Teams in sechs aufeinanderfolgenden Angriffsserien jeweils nach drei Versuchen punten und ein siebter Angriffszug dauerte nur einen Spielzug, bevor er mit einer Interception durch Notre Dame endete.

Notre Dame übernahm den Ball für seinen letzten Angriffszug an der eigenen 30-Yard-Linie, als noch 1:24 Minuten zu spielen waren. So ließ Notre Dame "die Uhr ablaufen". Beim ersten Spielzug ging O’Brien für einen Passwurf zurück, während die MSU einen Blitz spielte; er entkam der Situation nur knapp und erzielte einen Raumgewinn von vier Yards. O’Brien ging erneut zurück, die Spartans blitzten wieder, und er brachte einen Pass über drei Yards zu Rocky Bleier an den Mann. Larry Conjar versuchte daraufhin einen "Trap Play" beziehungsweise "Draw" – einen Spielzug, der bei Erfolg als genialer Schachzug gegolten hätte; der Lauf brachte das Team bis auf einen Fuß (ca. 30 cm) an das First Down heran. An der eigenen 39 Yard Linie versuchte Head Coach Parseghian, "keinen Touchdown zu erzielen", indem er bei einem vierten Versuch und einem Yard Raumgewinn das Risiko einging – und O’Brien erkämpfte sich tatsächlich das First Down. Man stelle sich nur vor, Notre Dame hätte es hier nicht geschafft.

Beim nächsten Spielzug ging O’Brien für einen Passwurf zurück, doch Bubba Smith – der Mann, der das Spielgeschehen maßgeblich prägte – brachte ihn Sekunden vor Schluss zu Fall. Beim letzten Spielzug der Partie lief O’Brien selbst mit dem Ball und erzielte fünf Yards Raumgewinn. Versuchte Notre Dame, einen Pass zu werfen? Ja. Versuchte Notre Dame, einen langen Pass zu werfen? Wahrscheinlich nicht. Selbst Ara sagte 1991 gegenüber dem *Fort Wayne News-Sentinel*: "Ich wäre der dümmste Trainer Amerikas gewesen – man hätte mich heute dafür verdammt – wenn ich in den letzten Minuten einen Pass geworfen und eine Interception riskiert hätte, woraufhin sie ein Field Goal zum 13:10 Sieg hätten erzielen können."
Hätte einer der ersten beiden Spielzüge jenes letzten Drives ein First Down eingebracht, wären die "Irish" höchstwahrscheinlich aggressiver vorgegangen. Man muss jedoch die Realität des Spiels sehen: Keine der beiden Mannschaften agierte besonders aggressiv, da die Defensiven stark waren. An jenem Tag brachten beide Teams zusammen nur 15 Pässe an den Mann. Es gilt heute als ein Mythos, dass Notre Dame die Zeit absichtlich herunterlaufen ließ, als sie knapp 90 Sekunden vor Schluss wieder in Ballbesitz kamen. Nachdem Smith O’Brien beim vorletzten Spielzug der Partie zu Fall gebracht hatte, war das Unentschieden das vernünftigste Ergebnis, das es zu sichern galt.

Die Regeln der Big Ten Conference untersagten den Spartans damals eine zweite Rose Bowl-Teilnahme in Folge und verboten MSU zudem die Teilnahme an jedem anderen Bowl Spiel. Das hart umkämpfte Unentschieden gegen Notre Dame sollte das letzte Spiel der Saison für Michigan State gewesen sein. Für die "Irish" stand noch eine Partie auf dem Programm: ein Auswärtsspiel gegen das auf Rang 10 geführte Team von Southern Cal. O’Brien, der aufgrund des Ausfalls von Hanratty weiterhin als Stamm-Quarterback fungierte, verhalf Notre Dame mit einem vernichtenden 51:0 Sieg über die Trojans zum unbestrittenen Gewinn der nationalen Meisterschaft. In diesem Spiel brachte O’Brien 21 seiner 31 Pässe für insgesamt 255 Yards und drei Touchdowns an den Mann. Zu seiner Leistung gehörten zwei Touchdown Pässe auf Jim Seymour im zweiten Viertel, die in einem Abstand von nur 41 Sekunden erfolgten – womit O’Brien zum zweiten Mal in der Liste der schnellsten aufeinanderfolgenden Touchdowns vertreten ist.
O’Brien blieb weiterhin Backup Quarterback im Jahr 1967, bevor er 1968 auf die Positionen Running Back und Receiver wechselte. Im Laufe seiner Karriere erzielte er sechs Touchdowns durch Passspiel, sechs durch Läufe und vier durch gefangene Pässe. Er hatte zwar Gelegenheiten, Profi-Football zu spielen, folgte jedoch dem Rat von Head Coach Ara Parseghian, der ihn dazu ermutigte, Jura zu studieren. Dies tat er auch: Er schloss sein Studium an der Notre Dame Law School ab und schlug eine sehr erfolgreiche berufliche Laufbahn ein. Coley und Ara bestritten jedoch noch ein weiteres gemeinsames Spiel. Nach der Saison 1968 trainierte Parseghian das "North"-Team beim Hula Bowl, einem All Star Spiel für College-Spieler, die sich auf eine Profikarriere vorbereiteten. O’Brien führte sein Team zum Sieg über die "South"-Auswahl, in deren Reihen O.J. Simpson von der University of Southern California stand.

Die Notre Dame Familie verlor O’Brien, als er am 21. August 2025 in Naples, Florida, verstarb. Während sich die "Irish" in dieser Woche auf das Spiel gegen Michigan State vorbereiten und Erinnerungen an das "Spiel des Jahrhunderts" von 1966 wachgerufen werden, werden die Irish Fans an Coley O’Brien, die Mannschaft von 1966 sowie an die Legenden und Mythen denken, die sich bis heute um dieses Team ranken – eine der dominantesten Mannschaften, die je das Trikot der Irish trugen.

Schlüter - 15.09.2026

QB Coley O’Brien im Jahr 1966 (Notre Dame Fighting Irish)

QB Coley O’Brien im Jahr 1966 (Notre Dame Fighting Irish) (© Notre Dame cmmunications team / Alan Wasielewski)

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