Millionenverluste bei Madrid Bravos

EX-Madrid-Bravos-Spieler Andy OwusuNur wenige Tage vor der geplanten Veröffentlichung des Spielplans für die erste Saison der European Football Alliance zogen sich die Madrid Bravos im März 2026 überraschend zurück. Nun geben Geschäftszahlen einen tieferen Einblick in die wirtschaftliche Situation hinter dem ehemaligen ELF-Franchise. Nach einem Bericht und Recherchen von Football-Austria.com soll die Betreibergesellschaft Marlossport SL allein 2025 einen Nettoverlust von 772.139 Euro ausgewiesen haben. Dem gegenüber stand demnach ein Umsatz von lediglich rund 325.000 Euro. Bereits für 2024 wird ein Minus von rund 886.000 Euro genannt. Die Zahlen liefern keine abschließende Erklärung dafür, warum die Bravos wenige Wochen vor dem geplanten Start in die EFA ihren Spielbetrieb einstellten. Sie zeigen jedoch, unter welchem finanziellen Druck das Projekt trotz sportlicher Erfolge stand.

Dabei hatten sich die Madrid Bravos auf dem Feld durchaus zu einer interessanten Adresse im europäischen Football entwickelt. In ihrer zweiten ELF-Saison erreichten die Spanier 2025 eine Bilanz von acht Siegen und vier Niederlagen und qualifizierten sich erneut für die Playoffs. Dort endete die Saison gegen Stuttgart Surge. Auch beim Zuschauerinteresse war eine Entwicklung zu erkennen. Rund 3.000 Zuschauer im Schnitt waren für ein noch junges Footballprojekt in Spanien ein durchaus respektabler Wert. Sportlich gab es deshalb zunächst wenig Anlass zu der Annahme, dass wenige Monate später überhaupt kein Bravos-Team mehr antreten würde. Hinter den Kulissen scheint die wirtschaftliche Realität jedoch deutlich schwieriger gewesen zu sein.

Die nun bekannt gewordenen Zahlen der Betreibergesellschaft Marlossport SL verdeutlichen die Dimension. Rund 325.000 Euro Umsatz sollen 2025 Betriebsaufwendungen von ungefähr 969.000 Euro gegenübergestanden haben. Allein die Personalkosten werden mit etwa 357.000 Euro angegeben. Unter dem Strich soll ein Nettoverlust von 772.139 Euro entstanden sein. Bereits ein Jahr zuvor soll das Minus bei ungefähr 886.000 Euro gelegen haben. Zusammengenommen wären das innerhalb von zwei Geschäftsjahren Verluste von rund 1,66 Millionen Euro. Für ein Footballprojekt, dessen laufende Einnahmen deutlich darunter lagen, bedeutete das zwangsläufig einen erheblichen zusätzlichen Finanzierungsbedarf.

Besonders deutlich wird das Verhältnis beim Vergleich zwischen Umsatz und Jahresergebnis. Der ausgewiesene Verlust für 2025 wäre mehr als doppelt so hoch wie der gesamte genannte Jahresumsatz. Rechnerisch standen jedem Euro Umsatz etwa 2,38 Euro Verlust gegenüber. Natürlich lässt sich eine professionelle Footballorganisation nicht allein anhand dieser beiden Werte vollständig beurteilen. Investitionen, Gesellschafterkapital und andere Finanzierungsformen gehören gerade beim Aufbau eines jungen Sportprojekts dazu. Trotzdem zeigen die Dimensionen, wie weit die Madrid Bravos offenbar von einem Betrieb entfernt waren, der sich aus den laufenden Einnahmen selbst finanzieren konnte.

Hinzu kommt, dass Madrid offenbar zumindest bei einem normalerweise erheblichen Kostenpunkt Unterstützung erhielt. Bereits 2024 wurde die Nutzung des Estadio de Vallehermoso zum Gegenstand einer politischen Anfrage im Madrider Bezirk Chamberí. Dabei ging es um die kostenlose Überlassung des Stadions an die Madrid Bravos, während andere Vereine und Organisationen für die Nutzung öffentlicher Sportstätten Gebühren entrichten mussten. Selbst wenn dadurch Stadionkosten reduziert werden konnten, blieb nach den nun diskutierten Geschäftszahlen eine erhebliche Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben bestehen.

Umso überraschender wirkte rückblickend die Entwicklung Anfang 2026. Nach dem Ende der European League of Football gehörten die Bravos zunächst zu den Organisationen, die sich der neu gegründeten EFA anschlossen. Noch im Januar wurde Madrid als Mitglied der neuen Liga geführt. Die European Football Alliance hatte ihren neuen Wettbewerb unter anderem mit dem Anspruch verbunden, langfristig tragfähige und transparentere Strukturen im europäischen Franchise Football aufzubauen. Zu diesem Zeitpunkt deutete auch bei den Bravos öffentlich wenig auf ein unmittelbar bevorstehendes Ende hin.

Das Franchise arbeitete an seiner Mannschaft für 2026, beschäftigte sich mit Spielern und Coaches und hatte erst im Dezember 2025 eine strategische Partnerschaft mit den Miami Dolphins bekanntgegeben. Wenige Monate später war davon nichts mehr übrig. Am 10. März teilten die Madrid Bravos mit, dass sie 2026 nicht antreten würden. Die Entscheidung fiel derart kurzfristig, dass die EFA ihre Planungen anpassen musste. Ein zuvor aufgetauchter Spielplanentwurf hatte die Spanier noch als Teilnehmer vorgesehen. Die erste Saison der EFA fand schließlich ohne das ursprünglich eingeplante spanische Franchise statt.

Die jetzt diskutierten Finanzdaten lassen diesen kurzfristigen Rückzug zumindest in einem anderen Licht erscheinen. Sie belegen für sich genommen allerdings nicht, dass die Verluste der konkrete oder alleinige Grund für die Entscheidung im März waren. Dazu wären weitere Informationen über die Finanzierung, die Gesellschafterstruktur, mögliche Investoren und die Planungen für 2026 notwendig. Festhalten lässt sich lediglich, dass der Betrieb der Bravos in den beiden vorausgegangenen Jahren offenbar erhebliche Verluste verursachte und damit dauerhaft von zusätzlichem Kapital abhängig war.

Gerade der sportliche Verlauf macht den Fall besonders interessant. Madrid war kein Team, das auf dem Feld völlig den Anschluss verloren hatte und gleichzeitig vor leeren Tribünen spielte. Die Bravos erreichten zweimal die Playoffs, entwickelten ihren Zuschauerschnitt weiter und hatten mit der angekündigten Kooperation mit den Miami Dolphins sogar einen prominenten internationalen Partner präsentiert. Trotzdem scheint es nicht gelungen zu sein, daraus ein Geschäftsmodell zu entwickeln, dessen Einnahmen auch nur annähernd die laufenden Ausgaben deckten. Sportlicher Erfolg und eine positive Entwicklung auf den Rängen bedeuteten damit noch lange keine wirtschaftliche Stabilität.

Genau darin liegt eine der zentralen Herausforderungen für den europäischen Franchise Football. Eine konkurrenzfähige Mannschaft benötigt Coaches, Spieler, medizinische Betreuung, Reisen, Unterkünfte, Trainingsmöglichkeiten, Organisation, Marketing und eine professionelle Infrastruktur. Gleichzeitig bewegen sich die Zuschauerzahlen und kommerziellen Erlöse vieler europäischer Footballprojekte weiterhin in einer Größenordnung, die mit etablierten Profisportarten kaum vergleichbar ist. Solange die laufenden Einnahmen diese Kosten nicht auffangen, müssen Eigentümer oder Investoren bereit sein, die Differenz zu finanzieren.

Der Fall Madrid zeigt außerdem, wie schnell sich die öffentliche Wahrnehmung eines Projekts verändern kann. Ende 2025 standen Playoffteilnahme, steigende Zuschauerzahlen und die Zusammenarbeit mit einer NFL-Organisation im Vordergrund. Im Januar 2026 waren die Bravos noch Bestandteil der neuen EFA. Keine zwei Monate später war das Projekt zumindest auf sportlicher Ebene beendet. Die nun bekannt gewordenen Zahlen machen deutlich, dass hinter der sportlich durchaus erfolgreichen Fassade schon zuvor ein erheblicher wirtschaftlicher Finanzierungsbedarf bestanden haben dürfte.

Für die EFA bedeutete der Rückzug gleichzeitig einen schwierigen Start in ihre Premierensaison. Die Liga musste ohne eines ihrer zunächst eingeplanten Gründungsmitglieder auskommen und den Spielplan kurzfristig anpassen. Für Madrid selbst blieb dagegen vor allem die Frage zurück, wie ein Franchise mit sportlichem Erfolg, wachsendem Zuschauerinteresse und prominenter Partnerschaft innerhalb so kurzer Zeit vollständig von der europäischen Footballlandkarte verschwinden konnte. Die Geschäftszahlen beantworten diese Frage nicht vollständig, liefern aber erstmals eine konkrete Größenordnung dafür, wie weit Einnahmen und Ausgaben offenbar auseinanderlagen.

Damit geht es bei den Madrid Bravos inzwischen um mehr als die Geschichte eines einzelnen ehemaligen ELF und EFA Projekts. Die Zahlen berühren eine Grundfrage, die den professionell organisierten American Football in Europa weiterhin begleitet: Wie teuer darf ein konkurrenzfähiges Franchise sein, welche Einnahmen lassen sich tatsächlich dauerhaft erwirtschaften und wie lange sind Eigentümer bereit, Verluste auszugleichen? Madrid zeigt, dass selbst sportlicher Erfolg und mehrere tausend Zuschauer pro Spiel keine Garantie dafür sind, dass diese Rechnung aufgeht.

Die genannten Geschäftszahlen wurden ursprünglich im spanischsprachigen Football Podcast "El Lado Ciego" anhand veröffentlichter Finanzdaten diskutiert und anschließend von Football-Austria.com aufgearbeitet. Die Zahlen sollten deshalb als das verstanden werden, was sie leisten können: als Einblick in die wirtschaftliche Größenordnung hinter den Madrid Bravos, nicht als abschließender Beleg für die konkreten Gründe ihres Rückzugs.


PassionPress - 14.09.2026

EX-Madrid-Bravos-Spieler Andy Owusu

EX-Madrid-Bravos-Spieler Andy Owusu (© PFA/Sascha Sonnenberg)

Leser-Bewertung dieses Beitrags:

zur mobilen Ansichtmehr News EFAwww.efafootball.commehr News Ex-LigenSpielplan/Tabellen EFALeague Map EFAfootball-aktuell-Ranking Europa
RegistrierenKennwort vergessen?

Login:

Kennwort:

dauerhaft: