Texas obenauf, Oregon blamiert

Der zweite Spieltag hatte abgesehen von der Partie Texas gegen Ohio State, in der zwei der unmittelbaren Titelkandidaten aufeinander trafen, von den Ansetzungen her nicht allzu viel zu bieten, aber in der Rückschau wird er später vielleicht mal als einer der wichtigsten für den Saisonverlauf gesehen werden. Gespannt war man nicht nur auf das Top-Spiel in Austin, das Texas nach einem 20-Punkte-Rückstand mit einem furiosen vierten Viertel (21 Punkte) mit 24:23 gewann, sondern auch auf die Auftritte zweier prominenter Teams, Oregon und Michigan, die am ersten Spieltag trotz ihrer Siege enttäuscht hatten. Bei denen war die Gemütslage am Samstagabend völlig gegensätzlich. Während sich Michigan für die Beinahe-Niederlage gegen Western Michigan (glücklicher 12:10-Sieg) mit einem 17:10-Erfolg gegen Oklahoma rehabilitierte, erlebte Titelkandidat Oregon eine Woche nach dem mühevollen Sieg gegen Boise State (34:27) bei Oklahoma State, dem schlechtesten Team aus den Power Four Conferences in den letzten beiden Jahren, eine regelrechte Blamage. Das Endergebnis von 31:39 täuscht darüber hinweg, dass Oregon noch viel deutlicher hätte verlieren können und setzt den letztjährigen Playoff-Halbfinalisten schon frühzeitig richtig unter Druck.

Das Fazit des Spiels in Austin ist, dass sich durch das Ergebnis an den Playoff- und Titelambitionen der Beiden nichts geändert hat, wobei für Texas der Sieg wichtiger war als für Ohio State die Niederlage folgenschwer. In den bislang fünf Jahren unter der Führung von Head Coach Steve Sarkisian hatte Texas noch keinen Sieg gegen eines der Top-Teams geholt. Deshalb gilt dieser Sieg als "Signature Win" für Sarkisian. Wichtig ist für Texas aber auch, wie man gewann, genauer, dass man ein eigentlich schon verlorenes Spiel im vierten Viertel noch drehen konnte. Fast drei Viertel lang war Ohio State das bessere Team und hätte sogar noch höher führen können. In den letzten knapp sechs Minuten des dritten Viertels und im vierten Viertel funktionierte bei den Longhorns im Angriff aber plötzlich Vieles, was vorher nicht funktioniert hatte. Auf der anderen Seite gelang Ohio States Angriff gegen die immer stärker werdende Abwehr der Gastgeber fast nichts mehr (nur 52 Yards im vierten Viertel gegenüber 150 der Longhorns). Die Folge waren drei lange Angriffe (15, 13 und 12 Spielzüge), die Texas alle mit Touchdowns abschloss. "Ich bin stolz darauf, wie wir reagiert haben. Wir hätten das Spiel auch abhaken können. So war es eine Bestätigung unserer Coaches und unserer Mentalität", sagte QB Arch Manning anschließend.

Mit Blick auf das angepeilte Erreichen der Playoffs hat sich Texas mit diesem Sieg etwas mehr Spielraum verschafft, denn das weitere Programm hat es mit Spielen gegen Mississippi, Oklahoma, LSU, Texas A & M und Tennessee noch in sich, und bei einem späteren möglichen Gleichstand mit weiteren Playoffkandidaten könnte der Sieg gegen die Buckeyes den Ausschlag zugunsten der Longhorns geben. Für Ohio State ist die Lage etwas unentspannter, aber das weitere Programm der Buckeyes ist wohl leichter als das von Texas. Die potenziell schwersten Aufgaben sind die Spiele bei Indiana und USC sowie gegen Oregon und Michigan. Und eine Auswärtsniederlage bei Texas mit einem Punkt Differenz wiegt auch nicht übermäßig schwer. Am Saisonziel (Erreichen des National Championship Games) ändert sich bei den Buckeyes also gar nichts.

Für Oregon, hinter Ohio State Zweiter in den Preseason-Ranglisten von AP und den Head Coaches, kann man das nach der Niederlage am Samstag nicht mehr sagen. Die Ducks hatten schon beim Sieg gegen Boise State nicht überzeugt, wobei man sagen muss, dass Viele die Leistung in dem Spiel schlechter gesehen hatten als sie es war, aber der Auftritt in Stillwater war eine Blamage. Zugegeben, Oklahoma State präsentierte sich deutlich besser als bei der 10:24-Pleite bei Tulsa eine Woche zuvor, aber gegen ein Team, das in den letzten beiden Spielzeiten zusammen nur vier Spiele gewonnen und seine letzten 21 Spiele gegen FBS-Gegner verloren hatte, gibt es keine Entschuldigung für einen so schlechten Auftritt. Ohne die zwei Interceptions, die zu 14 Punkten der Ducks führten, wäre die Niederlage deutlich höher ausgefallen. In Oregons Angriff lief nichts. Viele Pässe von QB Dante Moore waren unpräzise, die Receiver fingen eine Reihe von fangbaren Pässen nicht, und auch das Laufspiel war mit drei Yards pro Lauf zu schwach. Und auch auf die Abwehr, potenziell eine der besten in der FBS, war kein Verlass. Die kassierte unglaubliche 554 Yards. Erklären konnte sich Head Coach Dan Lanning das alles nur bedingt. "Letztlich weiß man nie, wie ein Spiel läuft. Ich denke, unsere Jungs haben sich gut vorbereitet, aber sie (die Cowboys) haben Vieles gemacht, vor allem in der Defensive, das sich von dem unterschied, worauf wir uns vorbereitet hatten. Ich denke, es gibt angesichts unserer Vorstellung definitiv Sorgen. Dabei geht es nicht um die Spieler, sondern um das, was wir als Coaches von ihnen auf dem Feld verlangen. Wir müssen in der Lage sein, auf höchstem Niveau zu spielen. Das fällt letztlich auf mich zurück, und deshalb müssen wir alles, was wir tun, hinterfragen", sagte er nach dem Spiel.

Der verpatzte Saisonstart bringt Lanning auch persönlich unter Druck. Dessen Bilanz nach vier Jahren bei den Ducks sieht nicht schlecht aus (48 Siege, 8 Niederlagen, zwei Playoff-Teilnahmen und das letztjährige Erreichen des Halbfinals), aber den Schritt zum "richtigen" Spitzenteam schaffte Oregon unter ihm bis jetzt nicht. Aktuell halten ihm seine Kritiker vor, dass er nach dem Weggang der Offensive und Defensive Coordinators die falschen Leute für diese Positionen geholt hat und dass das für die schwachen Leistungen beider Mannschaftsteile verantwortlich ist. Und auch sein Hang zu unsinnigen taktischen Entscheidungen, vor allem beim Ausspielen von vierten Versuchen, wird nach der Pleite am Samstag thematisiert. Noch ist für Oregon nichts verloren. Das Programm ist eigentlich eher moderat, mit Auswärtsspielen bei USC und Ohio State als schwersten Aufgaben. Wenn man maximal ein weiteres Spiel verliert, bliebe man ein Kandidat für die Playoffs. Aber dazu muss man die hohe Qualität im Kader in entsprechende Leistungen und Ergebnisse umsetzen.

Hoch - 13.09.2026

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