Die Saison hätte wohl kaum schlechter starten könne für die New England Patriots: Bei der 10:13 Auftaktniederlage bei den Seattle Seahawks, gleichzeitig das potenzielle Revanchematch für den verlorenen Super Bowl im Februar, warf Drake Maye den Sieg durch gleich drei Interceptions im Schlussviertel weg. Zu allem Überfluss hatte sich auch Neuzugang A. J. Brown verletzt und muss jetzt mehrere Wochen aussetzen.
Brown war nach einem unvollständigen Pass von Drake Maye im dritten Viertel beim Stand von 10:0 aus Sicht der Patriots zu Boden gegangen und musste noch am Feld behandelt werden.
Laut Ian Rapoport (NFL Network) steht das Ergebnis jetzt fest: Die genaueren Untersuchungen ergaben die gefürchtete "High Ankle Sprain" – eine Knöchelverstauchung, die dem Receiver jetzt eine Zwangspause für ungefähr vier Wochen einbringen wird.
Eigentlich sollte A.J. Brown bei den Patriots die Lücke füllen, die im Vorjahr Stefon Diggs eingenommen hatte: Unumstrittener Wide Receiver #1.
Dafür hatten die Philadelphia Eagles und die New England Patriots Anfang Juni das wohl am schlechtesten gehütete Geheimnis der jüngeren NFL-Geschichte gelüftet: Wie weit vorab allgemein spekuliert worden war, wurde der mittlerweile 29-jährige Receiver da von den Eagles zu den Patriots getradet. Im Gegenzug wechselten zwei Picks, darunter ein Erstrundenpick, nach Philadelphia.
Dass A. J. Brown hier perfekt zu den Patriots passen und die Lücke nach Diggs Entlassung füllen könnte, war vor allem vor dem NFL Draft als sicher angesehen worden. Dass zu diesem Zeitpunkt kein Trade erfolgt war, galt allgemein als überraschend. Zum 01. Juni ändern sich jedoch immer finanzielle Folgen für den Salary Cap, so dass schnell klar war, dass der Trade erst dann vollzogen werden wird.
A. J. Brown besitzt noch einen Vertrag, der ihn bis einschließlich der Saison 2029 bindet. Die Verlängerung um drei Jahre und (bis zu) 96 Millionen Dollar aus dem April 2024 besitzt soweit auch in New England weiter Gütigkeit.
Brown hatte in Philadelphia immer mal seinen Unmut kundgetan, wenn er seiner Meinung nach zu wenig Anteil am Gameplan hatte. Unvergessen die Szene, als er auf den ersten Blick demonstrativ seinen Unmut durch Lesen eines Buchs auf der Ersatzbank ausdrücken wollte, was aber im Nachgang schnell widerlegt worden war. Das Buch – sein Erfolgsrezept aus mentalen Aspekten - "Inner Excellence" von Jim Murphy wurde über Nacht zum ausverkauften Bestseller.
Erinnernswert war zudem die Szene seines Wechsels nach Philadelphia, die für kollektive Aufregung gesorgt und später wohl dem damaligen Tennessee Titans General Manager Jon Robinson den Job gekostet hatte: Beim NFL-Draft in Las Vegas Ende April 2022 flimmerte während der ersten Runde die Nachricht, dass die Titans ihren Star Wide Receiver A.J. Brown zu den Philadelphia Eagles getradet hatten, über die Fernsehgeräte und die Lautstärke erreichte ungeahnte Ausmaße.
Schnell war man sich angesichts des Preises – ein Erst- und ein Drittrundenpick – einig, dass es sich um Schnäppchen von Eagles General Manager Howie Roseman handeln würde. Natürlich wollte Brown einen neuen Vertrag, den ihm die Titans damals aber nicht adäquat anbieten konnten oder wollten. Für die Eagles stellte dies kein größeres Hindernis dar und noch am selben Tag wurden die Konditionen – 4 Jahre für offiziell 100 Millionen Dollar - bekannt. Die Titans holten sich damals mit Pick #18 Wide Receiver Treylon Burks, den man zum jetzigen Zeitpunkt als absoluten Fehlgriff bezeichnen kann und mit zur Entlassung des Titans GMs beitrugen.
A.J. Browns Chemie mit Quarterback Jalen Hurts stimmte von Anfang an und am Ende der ersten Saison standen 1.496 Yards und elf Touchdowns im Statistikbogen, im zweiten Jahr bestätigte er die Leistungen mit 1.456 Yards und sieben Touchdowns. Beide Male wurde er auch für den Pro Bowl nominiert.
Pro Bowl-Nominierungen gab es 2024 und 2025 zwar nicht, mit 1.079 Yards und 1.003 Yards sowie jeweils sieben Touchdowns in beiden Spielzeiten bestätigte er jedoch seinen Status als einer der top Receiver der Liga. Nur Ja’Marr Chase bei den Bengals kam in den letzten beiden Jahren ebenfalls auf jeweils mehr als 1.000 Yards plus mindestens sieben Touchdowns. Beim Super Bowl-Sieger 2024 war er integraler Bestandteil des größtmöglichen Team-Erfolgs.
Vor allem bei weiten Bällen, die Drake Maye für die Patriots deutlich öfter wirft als es Jalen Hurts für die Eagles tut, gehört er zur absoluten Elite und sollte Stefon Diggs (1.013 Yards und vier Touchdowns 2025) relativ problemlos ersetzen können, wenn er dann wieder fit ist.
Carsten Keller - 11.09.2026

Die Patriots müssen mehrere Wochen auf A.J. Brown verzichten (© Carsten Keller)
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