Jones/Taylor vs. Jackson/Henry

Derrick Henry: auch in seiner elften Saison noch der King?Die Erwartungen in den Fanlagern sind riesig, vor dem Saisonauftakt von Baltimore Ravens und Indianapolis Colts am Sonntag im Lucas Oil Stadium hofft man auf beiden Seiten auf den Erfolg im ersten Spiel der Saison. Damit soll das Fundament für eine erfolgreiche Dynamik in den darauffolgenden Wochen gelegt werden. Letztes Jahr hatten die Colts diese Dynamik in den ersten zwei Monaten der Saison zweifellos an den Tag gelegt, die ersten drei und später acht ihrer ersten zehn Spiele gewonnen - nur um dann ohne jeden weiteren Erfolg nach hinten durchgereicht zu werden. Baltimore dagegen verlor 2025 ein aufregendes Duell gegen Buffalo am ersten Spieltag, kam anschließend bei den nächsten fünf Anläufen nur zu einem Pflichtsieg gegen Cleveland, war damit letztlich zu weit zurückgeworfen und verpasste wie die Colts die Playoffs.

Was Anlass zu einem Neubeginn auf der Trainerbank der Baltimore Ravens wurde, wo eine historische Ära zu Ende gegangen ist. Nach fast zwei Jahrzehnten unter der Führung von John Harbaugh übernimmt nun der ehemalige Defensive Coordinator Jesse Minter das Zepter als neuer Cheftrainer des Teams aus Maryland. Minter bringt seine eigene Philosophie mit und muss beweisen, dass er den hohen Ansprüchen der Organisation in Kombination mit dem neuen Offensive Coordinator Declan Doyle gerecht werden kann. Dieses Debüt an der Seitenlinie wird mit großer Spannung beobachtet, da auf der Gegenseite ein bereits eingespieltes Trainerteam der Gastgeber aus Indiana steht.

Bei den Colts konzentrieren sich alle Augen auf die kritische Quarterback-Situation, die Anlass für viel Diskussionen bei den Fans bietet. Eigentlich galten die Hoffnungen ja dem jungen Anthony Richardson, der jedoch bislang die Erwartungen nicht erfüllen konnte. Stattdessen verblüffte der eher als "Notlösung" gedachte Daniel Jones letzte Saison, zumindest in den ersten drei Monaten, ehe er sich im Dezember die Achillessehne riss. Seine Genesung lief nach Plan, er ließ keine Trainingseinheit der Vorbereitung aus, wenn auch zu Beginn im Mai und Juni vorerst nur mit minimaler Belastung und später auch ohne Einsatz in Preseason-Spielen. Dennoch war recht zügig klar, dass er wieder die Nummer eins sein soll, Richardson musste eher kämpfen, erster Backup vor Riley Leonard bleiben zu können.

Die sportliche Leitung hat im Sommer viel in die Stabilisierung der wichtigsten Positionen investiert, um im Passspiel variabler und unberechenbarer zu werden. Das Zusammenspiel zwischen Quarterback und einer teilweise neu formierten Offense müsste nun aber wohl auf Anhieb klappen, denn es geht gegen eine traditionell physisch agierende Verteidigung der Ravens. Die wird versuchen, die Auftaktpartie in ein Statement zu verwandeln, und hat im Kader auch jede Menge richtiges Personal dafür.

Für die Baltimore Ravens steht dabei fest, dass die Mannschaft nach dem Verpassen der Playoffs in der vergangenen Spielzeit eine kräftige Reaktion zeigen muss. In der Offense angeführt vom dynamischen Superstar Lamar Jackson und dem unermüdlichen Running Back Derrick Henry soll eine runderneuerte innere Offensive Line um die Neuzugänge John Simpson und Ethan Pocic den beiden zusätzliche Durchschlagskraft verschaffen. Zudem soll der hochkarätige Pass Rush um Trey Hendrickson den gegnerischen Spielmachern das Leben extrem schwer machen und die gewohnte Dominanz in der AFC North wiederherstellen. Die sportliche Zielsetzung in Baltimore kennt keine Kompromisse. Eine Teilnahme an den Playoffs ist eigentlich - trotz neuem Head Coach - hier vorausgesetzt. Und man will nicht nur einfach wie so oft mit Jackson nur für eine Runde dabei sein, diesmal soll es wirklich mal um die Meisterschaft gehen. Neben den Buffalo Bills gehören die Ravens auch zu den großen Vorabfavoriten der AFC.

Die Indianapolis Colts gehen mit dem Ziel in die Saison, sich in einer umkämpften AFC South an die Spitze zu schieben. Die Mischung aus jungen, hungrigen Talenten aus der Draft und gestandenen Führungsspielern wie Defensiv-Anker DeForest Buckner verleiht dem Kader eine vielversprechende Balance. Die Verteidigung, die unter anderem durch namhafte Akteure wie Sauce Gardner in der Secondary verstärkt wurde, soll für die Stabilität sorgen, die die Colts auch bei eventuellen Leistungsschwankungen der Offense im Rennen halten kann.

Denn ob Daniel Jones nahtlos an seine Leistungen von 2025 anknüpfen kann, ist eben nicht garantiert, dass Richardson ihn ersetzen könnte, erst recht nicht. So gut wie gar keine Alternative haben die Colts zu Running Back Jonathan Taylor: Der absolvierte 2025 mit 323 Läufen mehr als jeder andere NFL-Spieler und holte 1.585 Yards Raumgewinn. Danach war der Akku erstmal ziemlich leer, in der Offseason (und in den Preseason-Spielen ohne ihn) war vieles darauf ausgerichtet, den nun 27-Jährigen vor seiner siebten NFL-Saison so gut wie möglich zu schonen.

Nicht viele Running Backs schaffen es in der heutigen NFL, in dynamischer Höchstform in ihr siebtes oder wie Derrick Henry gar in ein elftes Jahr zu gehen. Möglicherweise werden die beiden hier für eine Art Shootout des Power Running Games sorgen. Für beide Mannschaften wäre ein Sieg zum Auftakt enorm wichtig. Die Ravens können ihre Rolle als Titelfavorit eigentlich nur mit einem Sieg unterstreichen, für die Colts wäre ein Erfolg das perfekte Signal an die gesamte Liga, dass mit ihnen in diesem Jahr zu rechnen ist.

Daniel Weber - 10.09.2026

Derrick Henry: auch in seiner elften Saison noch der King?

Derrick Henry: auch in seiner elften Saison noch der King? (© Getty Images)

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