Als sich die SEC am letzten Dienstag noch tiefer in den Konflikt mit der LSU verstrickte – indem sie die rechtliche Befugnis anstrebte, die Tigers womöglich aus der Conference auszuschließen – konnte man die Klagen aus dem Bayou fast hören. "Warum wir?" Das fragten sich viele LSU-Fans, denn die SEC hat beschlossen, gegen die Tigers auf eine Weise vorzugehen, wie sie es noch nie zuvor bei einem Mitglieds getan hat.
Die Antwort ist einfach und plausibel: Es geht nicht nur darum, LSU daran zu hindern, Grenzen auszuloten – und zwar im Fall von zwei ehemaligen Quasi-Profis, die sich kaum von einer ganzen Reihe anderer Athleten des Jahrgangs 2022 unterscheiden, die dieses Jahr im College Sport antreten. Es geht vielmehr um die Fähigkeit der SEC, ihre Mitglieder zu kontrollieren, nachdem LSU versucht hatte, eine kürzlich eingeführte Conference-Regel zu umgehen, die Spieler mit unterschriebenen NFL-, NBA- oder WNBA-Verträgen ausschließt. Für LSU-Fans, die sich ungerecht behandelt fühlen, ist das nur ein schwacher Trost. Doch im Grunde sind die Tigers nur Schachfiguren in einem weitaus größeren Konflikt.
Trainer und Programme im College Sport auch innerhalb der SEC – haben schon immer die Grenzen der Regeln für Spielberechtigung und Vergütung ausgetestet. In der Ära von NIL und massenhaften Spielerwechseln via Transferportal hat man oft den Eindruck, dass derjenige am besten aufgestellt ist, der am schnellsten neue Schlupflöcher findet. Genau das hat LSU versucht. Nur, wo war der Eifer der SEC, ihre Mitgliedsschulen zu kontrollieren, als der Generalstaatsanwalt von Tennessee die NCAA wegen ihrer NIL-Regeln verklagte? Und was ist mit den zahlreichen anderen Hochschulen – im Football wie im Basketball –, die Spieler im fünften Jahr aus dem Jahrgang 2022 im Kader haben, deren Spielberechtigung erst durch Anwälte erkämpft werden musste? Diesen Schulen droht die SEC nicht mit einem Ausschluss. Blickt man zurück in die Zeit vor der NIL-Ära, liest sich die Liste der Rekrutierungsskandale bei SEC-Mitgliedern wie das Sündenregister einer Mafia-Organisation. Wo blieben damals die Drohungen der Conference mit Ausschluss oder anderen harten Strafen? Die Antwort ist einfach. Früher war das größtenteils Aufgabe der NCAA.
Da die NCAA nun nicht mehr in der Lage ist, ihre eigenen Regeln durchzusetzen, versucht die SEC, diese Lücke zu schließen – auf eine Weise, wie es zuvor nie nötig war. Es sei zudem darauf hingewiesen, dass die SEC bereits im vergangenen Jahr bei einem ähnlichen Sachverhalt hart durchgegriffen hat. SEC-Commissioner Greg Sankey unterzeichnete im Februar eine eidesstattliche Erklärung, in der er einen Richter bat, dem Basketballspieler Charles Bediako von Alabama die Spielberechtigung zu verweigern, nachdem dieser sich den Crimson Tide angeschlossen hatte. Bediako hatte zuvor einen sogenannten "Two-Way-Vertrag" bei der NBA unterzeichnet. Bediako und die Crimson Tide unterlagen schließlich vor Gericht und ließen die Angelegenheit auf sich beruhen.
Vielleicht dachten manche, das Konzept der "Selbstverwaltung" würde sich eines Tages in Form einer Pressemitteilung von Commissioner Greg Sankey manifestieren, in der dieser verkündet, dass sich die SEC vom übrigen College Sport abspaltet, um ausschließlich in ihrer eigenen Blase zu agieren. Sollte der "Protect College Sports Act" scheitern oder in einer für die Liga inakzeptablen Weise abgeändert werden, könnte dieses Szenario durchaus wieder zur Debatte stehen. Doch Selbstverwaltung muss nicht zwangsläufig bedeuten, jegliche Verbindung zum übrigen College Sport zu kappen. Zumindest vorerst bedeutet es, die rechtliche Befugnis zu erlangen, innerhalb der Grenzen der Conference für faire Wettbewerbsbedingungen zu sorgen. Genau darum geht es bei der Klage der SEC auf Bundesebene. Das ist auch der Grund, warum die Conference ihren Rechtsstreit nicht sofort einstellte, als die LSU am Dienstagabend die weiße Fahne hisste und signalisierte, dass sie nicht versuchen werde, Dae’Quan Wright und Zxavian Harris in dieser Saison in ihren Kader aufzunehmen. Es steht mehr auf dem Spiel. Es geht auch um den nächsten Fall, in dem eine der anderen 15 SEC-Hochschulen versucht, gegen die Regeln zu verstoßen. Beim nächsten Mal könnte die LSU zu den 15 gehören, die sich widersetzen. Sollte dies gelingen und die SEC einen gerichtlichen Präzedenzfall auf Bundesebene schaffen, der ihr die Selbstregulierung ermöglicht, müsste möglicherweise das Regelwerk der Conference erweitert werden. Die Conference kann nicht in einen Kreislauf verfallen, in dem sie mit 15:0 oder 15:1 Stimmen neue Regeln erlässt, wann immer ein Mitglied versucht, die Grenzen der sich ständig wandelnden Bestimmungen zur Spielberechtigung auszuloten. In diesem speziellen Fall lieferte LSU der Conference jedoch genau das, was diese benötigte, um eine umfassende Prüfung ihrer eigenen Befugnisse durchzuführen. Letztendlich werden die Ergebnisse dieser Bewertung in den kommenden Tagen und Wochen vor einem Bundesgericht in Alabama entschieden.
Die Mitglieder der Conference stimmten mit 15 zu 0 Stimmen (bei Enthaltung von LSU) dafür, ehemaligen Spielern der NFL, NBA und WNBA die Teilnahme am Spielbetrieb der SEC zu untersagen. Bei diesem Verbot gab es jedoch einige Grauzonen. Was geschieht, wenn ein Spieler lediglich an einem NFL Mini Camp teilgenommen, aber keinen eigentlichen Vertrag unterzeichnet hat? Was, wenn er nur in der NBA Summer League gespielt, aber keinen Vertrag unterschrieben hat? Letztendlich wurde in der SEC – wie auch in anderen Conferences – die Grenze beim Vertragsschluss gezogen: Wer einen Vertrag unterzeichnet hat, um in einer der genannten Ligen zu spielen, gilt laut SEC als Profi. Dabei spielt es für die SEC keine Rolle, ob dieser Spieler in den endgültigen Kader der NFL oder NBA aufgenommen wurde. Selbst wenn man noch nie in einem regulären Saisonspiel einer dieser Ligen zum Einsatz kam, verbietet die SEC-Regel die Teilnahme, sofern ein Vertrag unterzeichnet wurde. Hier wurde die Grenze gezogen. LSU versuchte, diese Grenze zu umgehen. Nun wird sich zeigen, ob die SEC die Macht hat, die Tigers und andere Teams künftig daran zu hindern, ähnliche Grenzen zu überschreiten.
Schlüter - 10.09.2026

Dae’Quan Wright wollte wieder zum College Football zurück kehren. Die SEC hatte etwas dagegen. (© Getty Images)
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