Der Kickoff der 107. NFL-Saison steht unmittelbar bevor. Nach dem Auftaktmatch Mittwochnacht, gleichzeitig die Paarung des Super Bowls vergangenen Februar zwischen den New England Patriots und Champion Seattle Seahawks, treffen sich in der Folgenacht die San Francisco 49ers und Los Angeles Rams im weit entfernten Melbourne zum ersten Australienspiel der NFL-Historie. Ein bekanntes Gesicht, dessen Rückkehr nicht nur die Rams-Fans herbeigesehnt hatten, wird dann aber fehlen: Defensive Tackle Aaron Donald trat die Reise nach Down Under nicht an und wird damit frühestens in Woche #2 (Montagnacht gegen die Giants) zum Einsatz kommen.
Eigentlich hatte der Defensiv-Superstar Aaron Donald im März 2024 seine Karriere beendet. Der mittlerweile 35-jährige Defensive Tackle hätte damit im Jahr 2029 als First Ballot Hall of Famer in die Ruhmeshalle des Footballs in Canton / Ohio einziehen können, woran niemand ernsthaft zweifelt. Der Rücktritt vom Rücktritt des besten Defensive Tackles seiner Generation stellt diese Uhr erst einmal wieder zurück.
Nicht zuletzt dank eines Rekords im 40 Yard Sprint für einen Defensive Tackle (4,68) wurde er nach seiner Zeit am College bei den Pitt Panthers zum Erstrundenpick: Die Rams holten ihn mit dem 13. Pick im Draft 2014. Eine Wahl, die die Rams nie bereuten: 2017, 2018 und 2020 wurde er als Defensivspieler des Jahres ausgezeichnet und in allen zehn Jahren seiner Karriere wurde er zum Pro Bowl geschickt. Er und Barry Sanders, ehemals Running Back der Detroit Lions, sind die einzigen Spieler, die mindestens zehn Jahre spielten und in allen zehn Jahren auch zum Pro Bowl entsandt wurden. Achtmal First Team All Pro haben außer ihm auch nur wenige Spieler geschafft.
Dementsprechend gut war Donald, der sich seines Status absolut bewusst war und auch nicht vor Holdouts zurückschreckte, bezahlt: Seit 2014 hat der in einem einfachen Arbeiterviertel Pittsburghs aufgewachsene Star bei den Rams gut 157 Millionen Dollar verdient. Für die anstehende Saison bei den Rams unterschrieb er am 30. August für 20 Millionen Dollar, wovon die Hälfte auch garantiert ist.
Das zahlte er aber in der Vergangenheit auch mit Leistung zurück: Von 154 Partien im Dress der Rams startete er 150, erzwang dabei 24 Fumbles, eroberte sieben Fumbles, brachte 111 Mal den gegnerischen Quarterback zu Fall und setzte 543 Tackles. Und das alles, obwohl er fast durchgehend gegen Double Teams in der gegnerischen Offensive Line antreten musste.
Bereits bei den ersten Berichten aus dem Rams Camp 2014 waren sich die Experten einig, dass hier ein ganz Großer heranwachsen würde, wenn er denn verletzungsfrei bleiben könnte. Das klappte durchaus gut: In seinen zehn Jahren verpasste er nur neun Partien, die meisten davon in der Spielzeit 2022, als er gleich sechs mit einer Knöchelverletzung am Ende aussetzen musste. Da waren die Rams allerdings sowieso weit vom sportlichen Erfolg des Vorjahres entfernt, so dass dies nicht weiter ins Gewicht fiel.
In den zehn Jahren gab es auch einige wenige Kontroversen: Einmal wurde er bestraft, weil er einen Schiedsrichter geschubst hatte, zweimal würgte er Gegenspieler, die ihn zuvor durchgehend provoziert hatten (nicht, dass es die Aktionen entschuldigt - lediglich zur besseren Einordnung).
Einig waren sich aber alle, dass es in der NFL-Geschichte kaum einen besseren NFL Tackle gegeben hat und er den Vergleich sicher mit niemand scheuen muss.
Mit den Rams qualifizierte er sich in der Saison 2018 für die Playoffs dank einer hervorragenden 13-3 Bilanz; am Ende mussten sie sich jedoch in Super Bowl LIII mit 3:13 geschlagen geben. Besser klappte es drei Jahre später, als das "All In-Team" der Rams mit einer 12-5 Bilanz in die Endrunde einzog und nach Siegen über die Arizona Cardinals (Wild Card Runde), bei den Tampa Bay Buccaneers (Divisional Runde) und gegen die San Francisco 49ers (NFC Championship Game) im Endspiel stand. Dort besiegten die favorisierten Rams auch die Cincinnati Bengals mit 23:20 und Aaron Donald hatte an diesem Triumph keinen kleinen Anteil mit vier Tackles, drei davon Solo Tackles und vor allem zwei Sacks gegen Joe Burrow.
Bereits damals mehrten sich die Gerüchte, dass Donald über einen Abschied vom Profileben nachdenken würde, aber letztendlich blieb er noch zwei Spielzeiten länger - betonte jedoch, nur von Saison zu Saison zu denken.
Seitdem war es ruhig um ihn geworden, bevor sich im Frühjahr die Gerüchte um eine Rückkehr mehrten. Die Finger vom Sport ließ er jedoch auch nicht ganz: Auch nach seinem Rücktritt war er immer wieder bei "seiner" Pitt gesehen worden, wo auch der Kraftraum – das "Aaron Donald Football Performance Center der Pitt Panthers - seinen Namen trägt.
Die Spannung bleibt damit hoch, wie er auf dem Feld noch glänzen oder sogar dominieren kann.
Carsten Keller - 09.09.2026

Aaron Donald setzt Woche #1 noch aus (© Carsten Keller)
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