Der Chef bleibt im Amt

Roger Goodell bei Super Bowl LIXWirklich überraschend war die Nachricht, die am Sonntag die Runde machte, nicht: Die Teamowner haben erneut eine Einigung mit Commissioner Roger Goodell getroffen, die seinen Vertrag um drei weitere Jahre – bis einschließlich Ende des Ligajahrs 2030 im März 2031 – verlängert. Das sogenannte "Compensation Committee", bestehend aus Patriots Owner Robert Kraft, Giants Owner John Mara, Jaguars Owner Shad Khan, Browns Owner Jimmy Haslam, Cardinals Owner Michael Bidwill und Broncos Owner Greg Penner erzielte die Einigung, die Kraft später in einem bekanntgewordenen internen Memo steuerte.

Dazu hatte man eine externe Beratungsfirma eingebunden, die den Deal, der laut Memo zu 95 Prozent an bestimmte Zielvorgaben gebunden ist, mit erarbeitete. Zahlen wurden nicht bekannt, aber bereits bei der vorletzten Verlängerung beider Seiten war eine Summe um die 45 Millionen Dollar – pro Jahr – kolportiert worden. Weniger wurde es angesichts des weiteren Wachstums der Liga sicher nicht.

Bei Auslaufen dieser Verlängerung wird Roger Goodell dann 72 Jahre alt sein und 24,5 Jahre als Commissioner "gedient" haben. Während er 2006 bei seiner Ernennung als Nachfolger von Paul Tagliabue sicher nicht unumstritten war, gibt es jetzt nur noch das obligatorische Meer aus Buhrufen, wenn er beim NFL Draft die Bühne betritt. Anschließend stehen die Fans jedoch Schlange, um ein Selfie mit dem Commissioner zu erhalten. Wirklich nachhaltige Kritik kommt schon lange nicht mehr auf an seiner Arbeit.

In der Ära Goodell gibt es nämlich vor allem "Labor Peace", also stabile Verhältnisse zwischen Teamownern auf der einen Seite und Spielern mit ihrer Gewerkschaft NFLPA auf der anderen Seite. Dass dies gefühlt im letzten Collective Bargaining Agreement, der Vereinbarung beider Seiten für ganze zehn Jahre, zu Lasten der Spieler ging, störte die Teameigentümer nicht. Wichtig war, dass keine Spiele verpasst werden mussten und das klappte tatsächlich.

Gleichzeitig stiegen die Einnahmen der Liga in astronomische Höhen: Allen voran durch die Fernseheinnahmen fährt die NFL jährlich einen zweistelligen Milliardenbetrag ein. Mit weiteren Streamingmilliarden von Großakteuren wie Amazon Prime und Netflix am Himmel, sieht die Zukunft golden aus. Dazu wurden die Franchises, die zum Verkauf standen, immer höher bewertet. Selbst die damals am Boden liegende Franchise der US-Hauptstadt mit marodem Stadion brachte über sechs Milliarden Dollar ein, was auch den anderen Teameigentümern hilft.

Goodell wehrt dabei die "Angriffe" der Medien ab, wenn ein für die Liga unangenehmes Thema auftaucht. Jährlich wird zum Beispiel über den Mangel an nicht-weißen Head Coaches diskutiert, aber am Ende ändert sich – trotz der vorgegebenen und tatsächlichen Bemühungen – wenig am Status Quo. Goodell gibt sich besorgt, was genügt, um eben kein blaues Auge entstehen zu lassen. Dank neuer Helme und viel PR sowie einigem an Geld, hört man auch nur selten über Gehirnerschütterungen und langfristige Gesundheitsschäden bei den Spielern.

Wirklich zugute halten kann man dem Mann, der sich einst per Bewerbung für einen Einstiegsjob bei der Liga beworben hatte und der als einziger aus der vierköpfigen Commissioner-Riege (MLB, NBA, NHL, NFL) kein studierter Rechtsanwalt ist, dass er den Draft zu einem Offseason-Spektakel ausgebaut hat und die Globalisierung der Liga vorangetrieben hat.

Die International Series in London, München, Frankfurt, Berlin, Brasilien – alles ohne Goodell kaum denkbar. Dazu war er die treibende Kraft, dass der NFL Draft statt jedes Jahr in New York jetzt als "Wanderausstellung" in verschiedenen Locations unterwegs ist und immer größere Massen anzieht.

Gerade zu Zeiten von Corona führte Goodell die Liga – erstmals in nach außen sichtbarer Einigkeit mit dem damaligen NFLPA Verantwortlichen DeMaurice Smith – herausragend durch eine schwierige Offseason und die anschließende Spielzeit. Die NFL gewann den Kampf gegen Corona mit weitem Abstand am besten von allen betroffenen Ligen in den USA.

Momentan scheint es, als ob kaum etwas die Liga erschüttern könnte. Roger Goodell hat sehr großen Anteil daran und wird fürstlich dafür entlohnt.

Ein Preis, den die Owner gerne bereit sind zu zahlen – garantiert er ihnen doch ein Vielfaches davon an Einnahme und wenig Kopfschmerzen.

Carsten Keller - 07.09.2026

Roger Goodell bei Super Bowl LIX

Roger Goodell bei Super Bowl LIX (© Carsten Keller)

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