Wer wissen will, woher der Schweizer Sport sein Geld bezieht, liegt mit dem naheliegenden Verdacht falsch. Verbreitet ist die Annahme, die Spielbankenabgabe halte den organisierten Sport am Leben. Sie tut es nicht. Die Schweiz führt zwei getrennte Töpfe aus dem Geldspiel, sie haben verschiedene Empfänger, und nur einer davon fließt in den Sport. Der andere ist der größere, und er ist seit Jahren fest vergeben. Für kleine Sportarten entscheidet diese Unterscheidung mit darüber, aus welchem Kanal ein Nachwuchsbudget stammt.
353 Millionen gehen an die AHV, nicht an den Sport
Der Bundesrat nahm an seiner Sitzung vom 19. Juni 2026 den Tätigkeitsbericht 2025 der Eidgenössischen Spielbankenkommission zur Kenntnis. Darin steht die eine Hälfte der Rechnung: die Abgabe aus dem konzessionierten Spielbetrieb. Der Bruttospielertrag belief sich laut diesem Bericht 2025 auf 878 Millionen Franken; die Abgabe daraus betrug 353 Millionen Franken zugunsten der AHV/IV und ging um 1,3 Prozent zurück. Diese Zweckbindung steht im Gesetz. Das Geldspielgesetz (BGS) sieht vor, dass ein Teil dieser Bruttospielerträge zugunsten der Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung verwendet wird.
Die Struktur dahinter ist in Bewegung. Der Online-Bereich legte 2025 laut demselben Bericht um 1,2 Prozent zu, während sich der Rückgang im landbasierten Angebot mit 3,9 Prozent fortsetzte. Das Wachstum im Netz glich den Verlust im stationären Geschäft nicht aus. Auch der Start der neuen Konzessionsperiode brachte Bewegung in den Markt: Einzelne Betriebe stellten ihre Tätigkeit ein oder schlossen vorübergehend, andere nahmen neue Angebote auf, die Gesamtzahl blieb stabil. Erhoben wird die Abgabe ohnehin auf dem Bruttospielertrag des terrestrischen wie des Online-Geschäfts.
Das bewilligte Online-Angebot zahlt in denselben Topf
Zu dieser Bemessungsgrundlage gehört der Online-Bereich also vollumfänglich. Tischspiele, Automaten und Live-Formate werden bei 7melons Schweiz und bei den übrigen Angeboten unter Schweizer Konzession gespielt, und der dort erzielte Ertrag wird ebenfalls bei der Abgabe berücksichtigt. Für den Sport bleibt das folgenlos. Der wachsende Teil des Marktes speist dieselbe Abgabe wie der schrumpfende, und deren Empfänger ist eine Sozialversicherung.
62,3 Millionen kommen aus dem anderen Kanal
Diese Konzessionen enden an der Landesgrenze: Für Leser in Deutschland und Österreich hat eine schweizerische Konzession keinerlei Wirkung, sie regelt allein den Schweizer Markt. Der Kanal, der den Sport erreicht, ist ein anderer. An der 29. Versammlung des Sportparlaments im November 2025 erhielt Swiss Olympic laut eigener Mitteilung von der Stiftung Sportförderung Schweiz Fördergelder in Höhe von 62,3 Millionen Franken - auf dem Check von Stiftungspräsident Paolo Beltraminelli standen genau 62'311'511 Franken. Der Betrag ergibt sich aus dem Reingewinn der beiden Großlotterien. "Investitionen in den Sport sind Investitionen in die Zukunft", betonte Verbandspräsidentin Ruth Metzler-Arnold bei der Übergabe.
Festgelegt wird der Jahresbeitrag an den Dachverband nicht jedes Jahr neu. Seit 2022 steuert die interkantonale Fachdirektorenkonferenz Geldspiele die Mittelvergabe; die dort vertretenen Regierungsrätinnen und Regierungsräte legen jeweils für vier Jahre fest, welcher Betrag aus dem Reingewinn der Großlotterien und der großen Sportwetten dem nationalen Sport zur Verfügung gestellt wird. Laut der Finanzierungsübersicht von Swiss Olympic unterstützt die Stiftung den Dachverband in der laufenden Periode mit jährlich rund 69,7 Millionen Franken, 2026 aufgeteilt in einen Basisbeitrag von 52,8 Millionen und einen Beitrag für spezielle Förderbereiche von 16,9 Millionen Franken. Gemäß derselben Übersicht gehen in der laufenden Periode zusätzlich rund 9 Millionen Franken pro Jahr direkt an den Schweizerischen Fußballverband und die Swiss Ice Hockey Federation.
Was davon bei den Vereinen ankommt
Weitergegeben wird der Großteil. Das Budget von Swiss Olympic für 2026 sieht laut dem Dachverband Einnahmen von rund 115,6 Millionen Franken vor, von denen über 83 Prozent gemäß dem Verbandsfördermodell an die Schweizer Sportverbände gehen. Für kleine Verbände entscheidet dieser Schlüssel über die Höhe der Mittel, mit denen sie planen. Weil das Geld aus dem Spielbetrieb stammt, gehört die andere Seite dazu: Verantwortungsbewusstes Spielen heißt in der Schweiz konkret, dass sich bei den konzessionierten Anbietern ein Einzahlungslimit setzen und eine Spielsperre beantragen lässt.
Für die Vereine ist der Vierjahresrhythmus die eigentliche Nachricht. Er macht Planung möglich: Wer 2027 ein Nachwuchslager aufsetzt, rechnet mit Beträgen, die für die ganze Periode feststehen. Insgesamt fließen also in der Schweiz durchaus ordentliche Beträge in den Sport. Doch ein Vergliech mit den USA ist dies nicht. Alleine für den Neubau des Stadions der Buffalo Bills gab es vom Staat Zuschüsse in Höhe von 850 Millionen Dollar.
Thomas Koch - 02.09.2026
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