Die Potsdam Royals haben ihre beeindruckende Regular Season mit einem weiteren Ausrufezeichen beendet und dabei einen neuen Rekord in der German Football League aufgestellt. Beim 59:0 gegen die Munich Cowboys blieb die Defense zum fünften Mal in Folge ohne einen einzigen Gegenpunkt. Eine solche Serie hat es in der GFL zuvor noch nicht gegeben. Noch eindrucksvoller wird die Bilanz mit Blick auf die vergangenen Wochen: Die Royals entschieden ihre letzten fünf Spiele mit insgesamt 290:0 Punkten für sich. Nach dem 61:0 gegen die Hildesheim Invaders, dem 49:0 bei den Düsseldorf Panther, dem 61:0 bei den Braunschweig Lions und dem 60:0 gegen die Kiel Baltic Hurricanes folgte nun der fünfte Shutout in Serie. Gleichzeitig schloss Potsdam die Hauptrunde mit einer Bilanz von 11:1 und einem Punkteverhältnis von 583:79 auf Rang zwei der GFL Nord ab. Nur die ungeschlagenen Dresden Monarchs lagen vor den Royals.
Gegen München war früh zu sehen, dass Potsdam trotz bereits gesichertem zweiten Tabellenplatz nicht mit angezogener Handbremse in die Partie gehen würde. Die Cowboys hatten ihr Playoffticket ebenfalls bereits sicher, fanden offensiv aber kaum Zugriff auf das Spiel. Die Royals Defense ließ nur wenig Raum, zwang München immer wieder zu kurzen Drives und hielt die Gäste über die gesamte Spielzeit aus der Endzone. Gleichzeitig legte die Potsdamer Offense einen Blitzstart hin. Quarterback Hugh "Bay" Harvey fand Maximilian McLeod bereits nach wenigen Minuten zum ersten Touchdown. Auch die anschließende Two Point Conversion ging an McLeod, der damit früh zum zentralen Faktor wurde. Noch im ersten Viertel setzte sich das Duo mehrfach durch. Harvey bediente McLeod erneut zum Touchdown, kurz darauf folgte ein weiterer Score über 21 Yards und wenig später ein 38 Yard Touchdown. Damit hatte McLeod bereits im ersten Abschnitt vier Touchdowns erzielt und Potsdam sich früh deutlich abgesetzt.
Auch im zweiten Viertel hielt die Offense das Tempo hoch. Nun rückte Keyshawn Smith stärker in den Mittelpunkt. Harvey fand ihn zunächst über 44 Yards zum Touchdown und später ein weiteres Mal in der Endzone. Heiko Bals verwandelte die anschließende Two Point Conversion und steuerte noch vor der Pause ein Field Goal bei. Mit 45:0 gingen die Royals schließlich in die Kabine und hatten die Partie zu diesem Zeitpunkt längst unter Kontrolle. Nach der Pause verteilte Potsdam die Einsatzzeiten breiter und nahm offensiv etwas Tempo heraus, ohne den Gegner wirklich zurück ins Spiel kommen zu lassen. Adrian Peter erhöhte im dritten Viertel per Lauf, Corey Jeeves brachte die Conversion zum 53:0 durch und im Schlussabschnitt setzte Chrisman Kyei mit einem Lauf von der Zwei Yard Linie den Schlusspunkt zum 59:0.
Trotz der offensiven Dominanz stand an diesem Tag vor allem die Defense im Mittelpunkt. Fünf Spiele in Folge ohne zugelassenen Punkt sind eine außergewöhnliche Serie, gerade auf diesem Niveau. Einer der auffälligsten Verteidiger gegen München war erneut Ruben De Ruyter. Der Defensive Back und Captain der Royals Defense kam auf 5,5 Tackles, drei Assists, 3,5 Tackles for Loss und einen Sack. Auch Giorgius Tarlas und Joshua Wünsch verbuchten jeweils einen Sack. De Ruyter wollte sich von dem fünften Shutout in Serie dennoch nicht blenden lassen. "Generell war es ein sehr gutes Spiel. Wir haben eine starke Defense und eine gute Gruppe. Jeder spielt hart, und auch wenn wir durchwechseln, funktioniert es sehr gut. Trotzdem waren wir nicht zu 100 Prozent zufrieden, auch wenn am Ende wieder die Null steht. Es gab ein paar Situationen, in denen wir Fehler gemacht haben, die wir uns gegen stärkere Mannschaften in den Playoffs nicht erlauben dürfen. Wir sind glücklich über das Spiel und über die Saison, aber es gibt weiterhin Dinge, an denen wir arbeiten müssen, damit wir in den Playoffs erfolgreich sind."
Gerade diese Selbstkritik passt zur Ausgangslage vor der Postseason. Die Royals haben sich in den vergangenen Wochen in eine Form gespielt, die kaum stärker sein könnte, gleichzeitig beginnt mit den Playoffs ein neuer Wettbewerb. Jeder Fehler kann nun das Saisonende bedeuten. Genau darauf verwies auch De Ruyter mit Blick auf die Disziplin. "Man darf nicht alles auf die Schiedsrichter schieben. Wir müssen disziplinierter sein. Gerade Strafen wie Offsides oder andere einfache Fehler dürfen uns nicht passieren, weil wir uns damit selbst in schlechte Situationen bringen. Diesmal konnten wir uns daraus immer wieder befreien. In einem Viertel oder Halbfinale dürfen wir solche Fehler aber nicht machen, weil gute Mannschaften sie bestrafen werden."
Auch Chrisman Kyei, der gegen München den letzten Touchdown des Tages erzielte, richtete den Blick unmittelbar auf die nächste Aufgabe. "Das Spiel war in Ordnung. Wir wussten, dass wir mit einem Sieg vom Feld gehen wollen. Trotzdem gab es einige Kleinigkeiten, die uns eigentlich nicht passieren dürfen. Man kann immer Fehler finden und sich verbessern. Unser Fokus liegt jetzt komplett auf dem ersten Playoffspiel. Wir gehen Tag für Tag vor, trainieren Dienstag, Mittwoch und Freitag dafür und wollen unseren Rhythmus weiter aufbauen. Jetzt zählt für uns nur dieses erste Playoffspiel."
Dieses erste Playoffspiel bestreiten die Royals zu Hause gegen die ifm Razorbacks Ravensburg. Die Ravensburger schlossen die GFL Süd als Tabellendritter ab und reisen damit zum Viertelfinale nach Potsdam. Für die Royals ist es zugleich noch einmal die Chance auf Playoff Football vor heimischem Publikum. De Ruyter machte bereits deutlich, welche Bedeutung dieses Spiel für Mannschaft und Fans hat. "Playoff Football ist das Beste, was es gibt. Es heißt gewinnen oder nach Hause gehen, dadurch steht noch einmal deutlich mehr auf dem Spiel. Es wird eine großartige Atmosphäre und wie immer ein tolles Event hier in Potsdam. Wahrscheinlich wird es leider auch unser einziges Heimspiel in diesen Playoffs sein. Deshalb: Seid dabei. Es ist unser letztes Heimspiel."
Die Ausgangslage könnte kaum eindrucksvoller sein. Potsdam geht mit elf Siegen aus zwölf Spielen, 583 erzielten Punkten und nur 79 zugelassenen Zählern in die K.o. Runde. Die letzten fünf Partien endeten allesamt ohne einen einzigen Gegenpunkt. Gleichzeitig weiß bei den Royals jeder, dass diese Serie in den Playoffs nichts mehr garantiert. Ein schwacher Nachmittag würde reichen, um eine außergewöhnliche Saison abrupt zu beenden. Genau deshalb dürfte der Fokus vor dem Duell mit Ravensburg weniger auf dem Rekord als vielmehr auf den Details liegen, die De Ruyter und Kyei nach dem München Spiel angesprochen haben. Die Regular Season war beeindruckend, die Defense historisch, die letzten Wochen nahezu makellos. Jetzt beginnt für die Potsdam Royals allerdings der Teil der Saison, in dem all das bestätigt werden muss.
PassionPress - 31.08.2026

Potsdam Royals (© Philipp Kuhnert/Potsdam Royals)
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