Zum Auftakt in die College Football Saison 2026/27 bremste die Defensive von North Carolina in Dublin TCU entscheidend in der Red Zone aus und bescherte Head Coach Bill Belichick damit den bislang größten Sieg seiner College Trainerlaufbahn.
Bei der Reise von North Carolina nach Dublin ging es nicht um Schönheitspreise. Für Bill Belichick, der in seine zweite Saison als Head Coach geht, zählte für die Tar Heels beim 15:10 Sieg über TCU vor allem eines: ein Zeichen zu setzen. Sie lieferten eine defensive Glanzleistung ab, die den weiteren Weg eines Programms ebnen könnte, das noch auf der Suche nach dem nötigen Selbstvertrauen ist. Zweimal drang TCU in der zweiten Halbzeit in die Red Zone vor und hatte die Chance, das Spiel an sich zu reißen. Zweimal machte UNC beim vierten Versuch "die Tür zu". Diese Ballbesitzphasen prägten den Nachmittag und zeigten genau, wo Belichicks Handschrift bereits erkennbar wird. In der Schlussphase agierten die Tar Heels am "Point of Attack" körperlich stark und weigerten sich, auch nur einen Inch nachzugeben, als sie mit dem Rücken zur eigenen Goal Line standen. Jeder entscheidende Spielzug im vierten Viertel entwickelte sich zu einem harten Kampf, den UNC für sich zu entscheiden wusste. Es war typischer Belichick Football ganz ohne Glamour: Kontrolle an der Line of Scrimmage, unterbinden einfacher Lösungen und den Gegner zwingen, unter maximalem Druck zu agieren. Für den von Harvard gewechselten Quarterback Jaden Craig und den neuen Offensive Coordinator Gordon Sammis hatte TCU keine Antworten parat. Genau das machte den Unterschied aus. Ein einziger Sieg räumt zwar nicht alle Zweifel an UNC aus, doch dieser Erfolg hat Gewicht. Ein Sieg in Übersee als Außenseiter – in einem Spiel mit wenigen Ballbesitzphasen, das durch Härte entschieden wurde – lieferte Belichick ein wichtiges Fundament für die Zukunft. Die Tar Heels wirkten als Einheit, selbstbewusst und der Situation vollauf gewachsen.
Mittlerweile haben Außenseiter drei "Aer Lingus College Football Classics" in Folge sowie vier der sechs Spiele seit der Premiere im Jahr 2016 gewonnen. Die Tar Heels ließen gegen TCU insgesamt nur 281 Yards zu und hielten den Gegner bei der niedrigsten Punktzahl seit der 3:41 Niederlage gegen Kansas State vor drei Jahren. UNC ist das jüngste Beispiel – und vielleicht das folgenreichste. Für ein Programm, das den Beweis brauchte, dass Belichicks Konzept funktioniert, lieferten die Tar Heels diesen Beweis am Samstagnachmittag: im harten Kampf an der Line of Scrimmage, bei entscheidenden vierten Versuchen und auf der anderen Seite des Atlantiks.
UNC erschließt sich ferner mit Tight End Jelani Thurman eine neue Offensivwaffe. Jelani Thurman hat sich in Irland nicht nur einer neuen Fangemeinde vorgestellt. Der von Ohio State gewechselte Tight End bot Bobby Petrino genau das, was sich jeder Playcaller in einer neuen Offense wünscht: ein Matchup-Problem, das die Raumaufteilung auf dem Spielfeld verändern kann. Thurman fing beim Auftaktsieg der Tar Heels vier Pässe für insgesamt 94 Yards – ein produktives Debüt, das noch vielversprechender wirkte, als es die reinen Statistiken vermuten ließen. Im ersten Viertel hätte er beinahe einen Touchdown Pass im hinteren Bereich der Endzone gefangen; zudem wurde er mehrfach angespielt, auch wenn daraus keine erfolgreichen Catches resultierten. Thurman bewies Schnelligkeit bei tiefen Pässen und eine Athletik, die die Secondary von TCU zwang, ihn nach seinem ersten Catch – der direkt für einen neuen ersten Versuch sorgte – bei jedem Spielzug im Auge zu behalten. Er war für Billy Edwards Jr. nicht bloß eine sichere Anspielstation, sondern entwickelte sich zu einer der gefährlichsten Waffen von UNC.
UNC zeigte Ansätze, die darauf hindeuten, dass Petrinos Konzept funktionieren kann. Die Formationen schufen Räume, Edwards agierte diszipliniert innerhalb des Systems, und Thurman nutzte Lücken in der gegnerischen Abwehr, um aus eigentlich gewöhnlichen Pässen Raumgewinn mit hoher Reichweite zu machen. Für eine Offense, die ihre Identität noch finden muss, ist ein Tight End, der sowohl bei tiefen Pässen Gefahr ausstrahlt als auch nach dem Catch Raumgewinn erzielen kann, ein entscheidender Beschleuniger. Genau dieses Element fehlte den Tar Heels in der vergangenen Saison. An Thurmans Talent gab es nie Zweifel. Schwieriger war es für den ehemaligen Vier Sterne Rekruten, sich in einem dicht besetzten Kader Spielzeit zu sichern und Konstanz zu zeigen. UNC bot ihm einen Neuanfang, und der Samstag lieferte einen ersten Vorgeschmack darauf, welches Potenzial in diesem Wechsel steckt. Sollte Thurman Woche für Woche eine solche Leistung abrufen, wird er nicht mehr lange unter dem Radar fliegen.
Das Debüt von TCU verlief dagegen katastrophal. Nach zehn Punkten im ersten Viertel brachten die folgenden acht Ballbesitzphasen von TCU keine weiteren Punkte ein; zudem gab man den Ball zweimal in der Red Zone durch ein "Turnover on Downs" ab. Das ist die ernüchternde Bilanz der Horned Frogs nach der Auftaktniederlage gegen UNC – ein frustrierender Auftritt, bei dem die Offense mit zehn Zählern so wenig Punkte erzielte wie zuletzt bei der Niederlage gegen Kansas State im Jahr 2023. Jeremy Paynes 142 Yards bei 25 Läufen gingen angesichts des holprigen Starts von Quarterback Jaden Craig und Offensive Coordinator Gordon Sammis fast unter. Craigs erster Start gegen einen "Power Four"-Gegner entwickelte sich genau zu der Lektion, die man bei der TCU eigentlich hatte vermeiden wollen. Nach drei Spielzeiten in Harvard war Craig mit großen Erwartungen als neuer Spielmacher in Sammis’ Offensive in das Auftaktspiel gegangen, doch der Sprung auf ein höheres Wettbewerbsniveau machte sich in einer unsauberen Leistung der Horned Frogs bemerkbar. Craigs inneres Zeitgefühl wirkte während des gesamten Spiels etwas zu langsam; seine schlechteste Entscheidung traf er bei einem "Fourth-and-2" an der zehn Yard Linie von UNC, als noch 4:05 Minuten zu spielen waren. Bei einem Spielzug, der ihn aus der Pocket nach außen führte, warf er den Ball über seinen anvisierten Passempfänger in der Endzone hinweg. Craig hatte zur Seitenlinie hin Platz gegenüber zwei Verteidigern und hätte per Laufspiel ein "First Down" erzielen können, entschied sich jedoch dafür, den Touchdown mit einem Pass zu erzwingen. Mehrere Pässe kamen zu spät oder ohne das nötige Timing, was den Verteidigern die Gelegenheit gab, zu den anvisierten Zielen aufzuschließen. Andere Pässe landeten in den Händen freier Receiver, wodurch die Offensive von TCU gestoppt wurde, noch bevor sie einen Rhythmus finden konnte. Der nasse Football in Dublin spielte Craig sicherlich nicht in die Karten, doch die Bedingungen waren nur ein Teil des Problems. Es gab zu viele Momente, in denen Craig zögerte, seiner ersten Einschätzung zu vertrauen und den Ball zu werfen. Gegen eine Power Four-Defense schließen sich solche Zeitfenster schnell. Auch der Druck setzte ihm zu, insbesondere bei einem verlorenen Fumble, der die frühen Offensivprobleme von TCU noch verschärfte. Dieser Ballverlust war besonders überraschend, nachdem Sonny Dykes zuvor damit geprahlt hatte, dass Craig in der gesamten Offseason nur zwei Ballverluste zu verzeichnen hatte.
Die Offensive Line von TCU bot nicht immer einen sauberen Schutzraum ("Pocket"), doch Craig hielt den Ball bisweilen auch zu lange und verschlimmerte so den Druck. Die Entscheidungsfindung und Ausführung mussten insgesamt schneller erfolgen. Das alles bedeutet nicht, dass TCU nach einer durchwachsenen Leistung in Panik geraten sollte. Craigs Spielintelligenz, Präzision und Erfahrung hatten ihm die Startposition eingebracht und diese Qualitäten gehen nicht einfach verloren. Doch die Horned Frogs benötigen künftig mehr Entschlossenheit von ihrem Quarterback. Craig muss auf das Spielsystem vertrauen, seine Spielanalyse beschleunigen und den Ball sichern. Sein Auftaktspiel war zwar wackelig, lieferte aber auch einen klaren Fahrplan für die notwendigen Verbesserungen.
Da Steve Belichick aus persönlichen Gründen nicht beim Team war, hatte der ältere Belichick angekündigt, dass der Spielplan der Tar Heels in Zusammenarbeit entstehen würde. Wie auch immer diese Zusammenarbeit aussah – die Ergebnisse sprachen letztlich für sich. Die Tar Heels gewannen das Duell an der "Line of Scrimmage": Ihre Defensive Front störte TCU Quarterback Jaden Craig beständig und verhinderte, dass die neue Offensive der Horned Frogs einen sicheren Rhythmus fand. Craigs erstes Spiel als Starter gegen einen Power Four-Gegner entwickelte sich schnell zu einer echten Belastungsprobe. Seine Abläufe verlangsamten sich, Pässe kamen zu spät, und der Pass Rush von UNC zwang ihn zu überhasteten Entscheidungen – darunter ein folgenschwerer, verlorener Fumble. In vielerlei Hinsicht war das klassischer Belichick-Football. Die Tar Heels benötigten keine exotischen Druckvarianten bei jedem Spielzug oder eine endlose Sammlung getarnter Deckungssysteme, um das Spiel zu bestimmen. Sie nutzten Schwächen im Blockverhalten aus, verengten die Pocket und setzten Craig unter Druck. Die Defensive Line von UNC forcierte das Geschehen und ermöglichte es dem Rest der Einheit, schnell zu agieren und Fehler des Gegners zu bestrafen. Die Handschrift von Belichick war bei dieser Herangehensweise unverkennbar. Es ging nicht darum, dass ein einzelner Trainer die alleinige Verantwortung für den Matchplan übernahm. Vielmehr ging es darum, dass ein erfahrener Trainerstab gemeinsam den größten Schwachpunkt von TCU ins Visier nahm: einen unerfahrenen Quarterback, der einen gewaltigen Sprung in ein höheres Wettbewerbsniveau vollzog. Die "Front Seven" der Tar Heels war bereits in der vergangenen Saison die Stärke des Teams; mit Melkart Abou Jaoude, Leroy Jackson und Xavier Lewis als Ankern an der Line of Scrimmage macht die Defensive von UNC auch diesmal wieder einen hervorragenden Eindruck.
Abou Jaoude, der in der vergangenen Saison mit 10,5 Sacks den zweiten Platz in der ACC belegte, verbuchte drei Tackles sowie einen "Strip-Sack". Die Horned Frogs setzten regelmäßig einen Tight End ein, um Abou Jaoude auf der linken Seite der Line – insbesondere in Pass Rush Situationen – durch einen kurzen Block zu stören. "Hut ab vor der Defensive; sie hat uns das ganze Spiel über im Rennen gehalten – mit zahlreichen Stops und Balleroberungen", sagte UNC-Quarterback Billy Edwards Jr. nach seinem ersten Start. "Wahnsinn, die Jungs haben einen unglaublichen Antrieb. Als Quarterback kann man sich entspannt zurücklehnen, wenn man solche Leute in der Defensive hat."
Im weiteren Saisonverlauf wird die Defensive von UNC auf explosivere und eingespieltere Offensivreihen treffen, doch dies war ein vielversprechender Auftakt. Belichick war mit vielen Zweifeln im Gepäck nach Chapel Hill gekommen – man fragte sich, ob sich seine NFL-Genialität auf den College Football übertragen ließe. Beim Saisonauftakt jedenfalls bewährten sich seine defensiven Instinkte bestens.
Die Tar Heels wirkten gut vorbereitet, körperlich stark und spielstörend – drei Eigenschaften, die von Belichick trainierte Defensivreihen seit Jahrzehnten auszeichnen.
Schlüter - 30.08.2026

Die North Carolina Tar Heels konnten TCU in Dublin schlagen. (© Getty Images)
Leser-Bewertung dieses Beitrags: