Zuviel Druck?

Head Coach Kyle Whittingham soll während seiner Zeit in Utah zu früh Spieler eingesetzt haben. Sechs ehemalige Footballspieler der University of Utah werfen der Hochschule einen unsachgemäßen Umgang mit Verletzungen während der Ära von Kyle Whittingham vor. Mehrere ehemalige Spieler berichten, sie seien unter Druck gesetzt worden, zu früh auf das Spielfeld zurückzukehren.

Wie die "Salt Lake Tribune" vor wenigen Tagen berichtet hat, haben sechs ehemalige Footballspieler der University of Utah – die zwischen 2020 und 2024 für die "Utes" spielten – dem Programm vorgeworfen, ihre Verletzungen unsachgemäß behandelt zu haben. Edge Rusher Van Fillinger, Wide Receiver Mycah Pittman, Running Back Jaylon Glover, Tight End Miki Suguturaga, Defensive Lineman Tevita Fitu sowie ein weiterer, anonym bleibender Spieler gaben an, sie hätten sich unter Druck gesetzt gefühlt, noch vor ihrer vollständigen Genesung wieder am Spielbetrieb teilzunehmen. In einigen Fällen, etwa bei Fillinger, seien Verletzungen zudem falsch diagnostiziert worden.

Im Jahr 2022 verletzte sich Fillinger im Training am Bein; er berichtete, vor dem Zusammenbruch ein "Knacken" gehört zu haben. Obwohl er nicht mehr gehen konnte, lautete die Diagnose lediglich Verstauchung des Sprunggelenks; er musste die ganze Woche über eine spezielle Schiene tragen. Erst am Ende der Woche wurde Fillinger geröntgt, wobei ein Schienbeinbruch festgestellt wurde, der das Saisonende bedeutete.

Nach seiner Rückkehr zur Saison 2023 war das Sprunggelenk desselben Beins laut Fillingers Aussage noch nicht vollständig verheilt; es sei "völlig hinüber" gewesen. Sein Arzt empfahl eine sechswöchige Ruhepause, und Fillinger behauptet, sein Positions-Trainer Lewis Powell habe ursprünglich zugestimmt, ihn als "Redshirt"-Spieler zu führen. Der "Tribune" liegt eine Audioaufnahme eines Arzttermins vor, an dem Fillinger, seine Mutter und ein Arzt der Universität teilnahmen. In der Aufnahme sprach der Arzt von einer sechswöchigen Genesungszeit für Fillinger.

Nur drei Wochen später erlitt Utah-Edge-Rusher Logan Fano einen Kreuzbandriss, der das Saisonende bedeutete. Fillinger berichtete, Powell habe ihn – auf Anweisung des damaligen Cheftrainers Kyle Whittingham – gefragt, ob er wieder spielen könne. Als Fillinger nachfragte, welche Konsequenzen es hätte, wenn er nicht spielte, sei ihm mit dem Rauswurf aus dem Team gedroht worden. "Er sagte, ich würde aus dem Team geworfen, wenn ich nicht spiele", so Fillinger. Fillinger bestritt in jener Saison 11 Spiele und verbuchte dabei 5,0 Tackles mit Raumverlust sowie 3,0 Sacks. Nach Saisonende musste er sich einer zweiten Operation am Knöchel unterziehen.

Während des Trainingslagers im Herbst 2024 wurde bei Pittman eine Knöchelverstauchung diagnostiziert, nachdem er sich bei einem Zweikampf mit einem Verteidiger der Utes verhakt hatte. Es wurde zwar eine Röntgenaufnahme gemacht, aber kein MRT durchgeführt. Trotz der Verletzung verspürte Pittman nach eigenen Angaben einen hohen Druck, schnell wieder einsatzbereit zu sein. "Der Druck zu spielen war definitiv da", sagte Pittman. "Wenn man nicht spielen kann, wird das natürlich nicht gern gesehen, denn die Trainer wollen Footballspiele gewinnen." Es vergingen Wochen, ohne dass sich Pittmans Knöchel besserte. Schließlich ordneten die Ärzte ein MRT an; dabei wurden ein Teilriss der Achillessehne sowie eine Verletzung des oberen Sprunggelenks (eine sogenannte "High Ankle Sprain") festgestellt. Sein Vater, Michael Pittman, äußerte die Ansicht, Utah habe "das getan, was sie für den Erfolg des Teams für besser hielten, anstatt die langfristige Gesundheit meines Sohnes zu berücksichtigen."

Glover teilte diese Einschätzung. Er berichtete von einer häufigen Diskrepanz zwischen dem Trainerstab und dem medizinischen Personal, da für die Trainer der Sieg im Footballspiel oberste Priorität hatte. "Oft hatte ich das Gefühl, dass das medizinische Team und der Trainerstab unterschiedliche Ansichten vertraten; bei den Trainern drehte sich alles nur darum: ‚Wir brauchen ihn zurück‘", sagte Glover der *Tribune*. Alle Spieler, die mit der *Tribune* sprachen, berichteten von ähnlichen Erfahrungen, bei denen sie zu früh wieder zum Einsatz gedrängt wurden; im Fall von Fotu kam jedoch noch ein Streit um NIL-Gelder hinzu. Nachdem er sich als "Redshirt Freshman" einen Innenbandriss im Knie zugezogen hatte, sagten die Ärzte laut Fotu voraus, dass er mehrere Wochen ausfallen würde; sein Positions-Trainer erklärte ihm jedoch, der "Chef" wolle, dass er "auf die Zähne beißt" und weitermacht.

"Sie drohten damit, jemand anderen vor mich in der Rangfolge zu setzen", erzählte Fotu der *Tribune*. "Sie drohten sogar damit, mir das Stipendium zu entziehen. Das war ziemlich niederschmetternd. Ich hatte gedacht, diesen Leuten läge etwas an mir."

Trotz dieser Erfahrung ließ sich Fotu nach seiner Junior-Saison dazu bewegen, nicht in das Transfer-Portal zu wechseln, nachdem ihm das Programm NIL-Gelder in Aussicht gestellt hatte. Fotu gab an, das versprochene Geld nie erhalten zu haben, was zu Spannungen zwischen ihm und dem Trainerstab führte. In einer Stellungnahme gegenüber der *Tribune* erklärten Utah Athletics und University of Utah Health, dass die Gesundheit der Spieler "oberste Priorität" habe.

"Die Sportabteilung der University of Utah befolgt alle universitären und nationalen Richtlinien, um den Erfolg und die Sicherheit der Studierenden zu gewährleisten", hieß es in der Erklärung. "Wir überprüfen unsere Abläufe regelmäßig und begrüßen die Möglichkeit, Anpassungen vorzunehmen, sollten wir feststellen, dass unsere Verfahren den Erwartungen nicht entsprechen."

Nach der Saison 2025 verließ Whittingham Utah und arbeitet heute als Head Coach von Michigan. Auf eine Anfrage der *Tribune* hin verwies Michigan an Utah zurück und erklärte, Whittingham habe bei den "Utes" keinerlei Mitspracherecht bei medizinischen Entscheidungen gehabt. "Weder Trainer Whittingham noch sein Trainerstab haben in Utah medizinische Entscheidungen getroffen", teilte Michigan mit. "Er richtete sich nach den Vorgaben des medizinischen Teams", so der Sprecher von Michigan.

Schlüter - 29.08.2026

Head Coach Kyle Whittingham soll während seiner Zeit in Utah zu früh Spieler eingesetzt haben.

Head Coach Kyle Whittingham soll während seiner Zeit in Utah zu früh Spieler eingesetzt haben. (© Getty Images)

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