GFL holt in Europa deutlich auf

GFL Geschäftsführer Torben Dill sieht die GFL gut positioniertDer europäische Football befindet sich 2026 erneut in einer Phase großer Veränderungen. Die European League of Football existiert in ihrer bisherigen Form nicht mehr, mit der EFA und der AFLE haben sich neue Strukturen etabliert und einige frühere Franchise Standorte sind von der Football Landkarte verschwunden. Gleichzeitig läuft auch bei den neuen Wettbewerben längst nicht überall alles reibungslos. Besonders die AFLE musste sich zuletzt mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten einzelner Standorte beschäftigen. Das prominenteste deutsche Beispiel ist Berlin Thunder. Das Franchise ist insolvent, die Liga musste für den Abschluss der Saison eingreifen und hat gleichzeitig deutlich gemacht, dass sie grundsätzlich an Berlin als Standort festhalten möchte. Die EFA präsentiert sich bislang deutlich ruhiger und konnte mit ihren sechs Teams eine vergleichsweise stabile erste Saison aufbauen. In dieser neu sortierten Football Landschaft stellt sich aber zwangsläufig die Frage, welche Rolle eigentlich die effect® Energy GFL spielt. Denn während in den vergangenen Jahren häufig darüber gesprochen wurde, was die europäischen Franchise Ligen der traditionsreichen deutschen Vereinsliga voraus haben, scheint sich das Bild inzwischen verändert zu haben.

Vor allem auf dem Spielermarkt ist die Entwicklung für die effect® Energy GFL unmittelbar zu spüren. Das begann nach Aussage von GFL Geschäftsführer Torben Dill sogar schon vor dem endgültigen Ende der ELF in ihrer bisherigen Form. "Die Spielerwechsel zurück in die GFL haben wir definitiv gespürt, aber schon zum Ende der Saison 2024. In der Saison 2025 war es dann erstmals so, dass mehr Spieler wieder in die Liga zurückgekommen sind, als wir abgegeben haben. Das hat sich für 2026 noch einmal verstärkt", erklärte Dill gegenüber Football-Aktuell. Der Trend ist bemerkenswert, schließlich gehörte die Abwanderung guter deutscher und europäischer Spieler über Jahre zu den größten Herausforderungen der GFL. Inzwischen hat sich diese Bewegung zumindest teilweise umgekehrt. Dazu kommt, dass mit dem Wegfall einiger Franchise Standorte bestimmte Regionen nicht mehr in der gleichen Form doppelt besetzt sind. Komplett verschwunden ist die Konkurrenz natürlich nicht. EFA und AFLE benötigen ebenso wie die deutschen Vereine gute einheimische Spieler, besonders auf Positionen, auf denen das Angebot ohnehin begrenzt ist. "Natürlich kämpfen wir um die gleichen Spieler. Jede Football Mannschaft hat ein großes Interesse an qualitativ hochwertigen Offensive Linern oder Defensive Linern. Das sind Positionen, auf denen grundsätzlich bei allen ein Mangel besteht. Deshalb bewegen wir uns dort definitiv im gleichen Markt", so Dill.

Ähnlich sieht es bei Sponsoren aus. Auch dort konkurriert eine nationale Liga zwangsläufig mit paneuropäischen Wettbewerben um Unternehmen, Budgets und Aufmerksamkeit. Die GFL konnte in diesem Bereich zuletzt unter anderem Effect Energy, Peter Pane, Regio Jobanzeiger und weitere Unternehmen als Partner gewinnen. Dill will das gestiegene Interesse allerdings ausdrücklich nicht darauf reduzieren, dass die frühere ELF weggefallen ist oder andere Wettbewerbe momentan mit eigenen Herausforderungen beschäftigt sind. Für ihn ist es vor allem ein Ergebnis der eigenen Entwicklung. "Das Interesse der Sponsoren ist auf jeden Fall gestiegen. Ich glaube allerdings nicht, dass das daran liegt, dass die ELF weggefallen ist, sondern daran, dass wir als GFL mittlerweile ein interessanteres Produkt bieten als noch vor vier Jahren." Gleichzeitig versucht die Liga, sich nicht täglich daran zu orientieren, was EFA oder AFLE machen. Man nehme die Entwicklungen wahr und habe natürlich auch eine Meinung dazu. Für die eigene Arbeit ändere das jedoch wenig. "Wir tun gut daran, weiterhin auf uns zu schauen. Nichts von dem, was wir über andere Ligen denken, verbessert unser eigenes Produkt. Deshalb konzentrieren wir uns darauf, unsere Liga und unsere eigene Arbeit besser zu machen".

Dass die effect® Energy GFL heute mit einem anderen Selbstverständnis auf die Konkurrenz schaut als noch vor einigen Jahren, wird besonders deutlich, wenn es um Vermarktung und Entertainment geht. Mit dem Start der ELF 2021 entstand schnell das Bild einer modernen Franchise-Liga auf der einen und einer traditionsreichen, aber in Teilen angestaubten Vereinsliga auf der anderen Seite. Die Franchise-Struktur wirkte neu, die Präsentation offensiver und einige Standorte schafften es, American Football deutlich stärker als Entertainment-Produkte zu inszenieren. Dill hält es inzwischen allerdings für falsch, dieses Bild unverändert auf das Jahr 2026 zu übertragen. Er verweist darauf, dass sich EFA und AFLE nicht pauschal anhand ihrer besten oder schwächsten Organisationen beurteilen ließen. In beiden Wettbewerben gebe es sehr gute Standorte, gleichzeitig aber auch solche, die in ihrer Entwicklung noch nicht so weit seien. "So wie wir uns bei guten Standorten etwas abschauen können, können sich auch gute Standorte bei uns etwas abschauen. So selbstbewusst sind wir mittlerweile und so selbstbewusst können wir auch sein", sagt Dill.

Das ist eine bemerkenswerte Aussage, wenn man bedenkt, wie die GFL noch vor wenigen Jahren in Teilen der öffentlichen Diskussion wahrgenommen wurde. Dill sieht die nationale Liga heute mindestens auf Augenhöhe mit den europäischen Wettbewerben. An einzelnen Standorten sei die GFL seiner Einschätzung nach sogar bereits weiter. Trotzdem ist das keine Absage an die Weiterentwicklung. "Wir müssen uns noch stärker als Entertainment-Produkt verstehen. Damit haben wir allerdings schon vor Jahren angefangen." Dabei will Dill den Blick gar nicht ausschließlich auf andere Football-Ligen richten. Handball, Basketball und Eishockey seien ebenso interessante Beispiele dafür, wie Sportveranstaltungen inszeniert werden können. Die GFL muss also weder versuchen, die frühere ELF zu kopieren, noch jede Idee von EFA oder AFLE übernehmen. Sie kann sich erfolgreiche Konzepte aus verschiedenen Sportarten anschauen und daraus ein Produkt entwickeln, das zu den eigenen Strukturen passt.

Dass innerhalb der Liga trotzdem noch deutliche Unterschiede zwischen den Standorten bestehen, gehört zur Realität. Nicht jeder Verein verfügt über dieselben wirtschaftlichen Möglichkeiten, dieselbe Infrastruktur oder dieselbe Reichweite. Gleichzeitig gibt es Organisationen, die zeigen, was innerhalb einer klassischen Vereinsstruktur möglich ist. Dresden gehört seit Jahren zu den sichtbarsten Standorten, Rostock in der GFL 2 hat sich mit seinen Event Gamedays einen Namen gemacht und Potsdam ist sportlich inzwischen das Maß der Dinge. Die Royals sind dreimal in Folge deutscher Meister geworden. Interessant ist deshalb, dass die effect® Energy GFL versucht, erfolgreiche Konzepte nicht nur bei einzelnen Vereinen zu belassen. Während der Offseason gibt es regelmäßige Webinare zu unterschiedlichen Themen, in denen Vereine ihre Erfahrungen miteinander teilen. Dresden und Rostock stellen dort laut Dill beispielsweise jedes Jahr vor, wie sie ihre Event Gamedays vorbereiten und worauf andere Organisationen dabei achten sollten. Das Prinzip beschreibt der Geschäftsführer als "von den Besten lernen". Behandelt werden neben dem Gameday auch Werbung, Medienpartner, Vertrieb und Fragen rund um die Versorgung in den Stadien. Während der Saison kommen regelmäßige Meetings der Vereinsmanager sowie ein Austausch zwischen Coaches und Schiedsrichtern hinzu. "Es ist nicht mehr so, dass sich die Vereinsvertreter nur einmal im Jahr sehen. Wir hören uns mittlerweile mindestens wöchentlich, mit manchen sogar täglich", erklärt Dill.

Gerade die gemeinsame Marke bleibt trotzdem eine Baustelle. Einzelne Vereine können in ihren Regionen stärker wahrgenommen werden als die Liga selbst. Dill bestreitet nicht, dass weitere Investitionen notwendig sind, wehrt sich aber gegen den Eindruck, die GFL habe sich in diesem Bereich kaum entwickelt. Die Reichweite habe sich in den vergangenen Jahren gemeinsam mit den Vereinen vervielfacht. Nun gehe es darum, den eingeschlagenen Weg konsequent fortzusetzen. "Wir sollten nie aufhören, dort zu investieren. Das betrifft Livestreams und Social Media, aber auch Offline Marketing und unsere Präsenz in den Stadien. Als Liga müssen wir noch präsenter und sichtbarer werden." Potenzial nach oben gebe es immer. Trotzdem bewertet Dill die Entwicklung der vergangenen drei Jahre als großen Schritt nach vorne.

Diese Entwicklung zeigt sich nach Angaben des Geschäftsführers inzwischen an mehreren Stellen gleichzeitig. Die Zuschauerzahlen in den Stadien seien gestiegen, ebenso die Zahl der verkauften Streaming-Pässe. Hinzu kommt die regelmäßige Fernsehpräsenz auf DF1, die der Liga zusätzliche Reichweite verschafft. Interessant ist dabei vor allem ein Vergleich, den Dill mit der Vergangenheit zieht: "Mittlerweile erzielen wir in einem Monat doppelt so viele Aufrufe wie früher beim GFL Bowl als damaligem Highlight." Deshalb teilt er auch die Einschätzung nicht, dass die GFL automatisch weniger Aufmerksamkeit als die europäischen Ligen bekomme, nur weil sie vergleichsweise selten mit großen Negativschlagzeilen in Erscheinung tritt. Nach den veröffentlichten Zahlen sieht Dill die GFL bei den Aufrufen in Deutschland inzwischen vorne. Zufrieden ist er damit trotzdem noch lange nicht. "Die mediale Aufmerksamkeit steigt und unsere Zuschauerzahlen steigen. Aber wenn die Frage lautet, ob ich damit zufrieden bin, sage ich ganz klar: Nein. Wir sind immer noch zu sehr in unserer Bubble."

Genau hier entsteht eine interessante Situation. Negative Nachrichten funktionieren in sozialen Netzwerken häufig besonders gut. Wirtschaftliche Schwierigkeiten, Streitigkeiten oder das Aus eines Standorts erzeugen schnell große Aufmerksamkeit und erreichen teilweise auch Menschen außerhalb der eigentlichen Football Community. Für den Sport selbst ist diese Aufmerksamkeit aber nicht zwangsläufig hilfreich. Dill verweist darauf, dass negative Meldungen bei Plattformen wie Instagram und Facebook häufig eine höhere organische Reichweite erzielen. Für American Football sieht er darin ein grundsätzliches Problem. "Dem Football tut es nicht gut, wenn in regelmäßigen Abständen negative Nachrichten über den Sport in Deutschland geschrieben werden. Der externe Zuschauer unterscheidet dabei, glaube ich, nur wenig." Das ist gerade mit Blick auf die aktuelle Situation ein wichtiger Punkt. Die EFA ist in ihrer ersten Saison vergleichsweise selten durch größere negative Schlagzeilen aufgefallen und versucht selbst, eine langfristige professionelle Struktur aufzubauen. Bei der AFLE waren wirtschaftliche Schwierigkeiten einzelner Franchises zuletzt sichtbarer. Daraus eine pauschale Bewertung einer kompletten Liga abzuleiten, wäre zu einfach. Trotzdem können Probleme prominenter Standorte die Wahrnehmung des gesamten europäischen Footballs beeinflussen.

Das deutlichste deutsche Beispiel ist aktuell Berlin Thunder. Das Franchise ist insolvent und die AFLE musste mit ihrem Financial Protection Plan eingreifen, um den Spielbetrieb für den Saisonabschluss abzusichern. Gleichzeitig hat die Liga gegenüber Football-Aktuell klargemacht, dass sie Berlin als Football Standort nicht aufgeben möchte, allerdings nicht in der bisherigen Struktur. Nur wenige Kilometer entfernt verfolgt man diese Entwicklung besonders aufmerksam. Die Potsdam Royals sind nicht irgendein GFL Team, sondern als dreimaliger deutscher Meister in Serie momentan der erfolgreichste Verein des Landes. Royals Verantwortlicher Eberhard von Lobenstein will aus der Thunder Insolvenz allerdings keinen Aktionismus ableiten. "Ganz ehrlich, im Moment kümmern wir uns hauptsächlich um unsere eigenen Themen. Wir beobachten die Entwicklung und schauen durchaus mit Sorge darauf", erklärte von Lobenstein gegenüber Football-Aktuell. Ein unmittelbarer Recruiting Feldzug mit Blick auf 2027 steht demnach nicht auf der Tagesordnung. Potsdam konzentriert sich zunächst auf das Ende der regulären Saison und die Playoffs. Gleichzeitig sieht von Lobenstein die Schwierigkeiten in Berlin nicht als isoliertes Problem eines Konkurrenten. "Natürlich hat das Ganze in Summe einen schlechten Einfluss auf den Sport. Es zeigt in der Gesamtgemengelage die Schwierigkeiten, die wir haben und auch weiterhin haben werden, wenn es so viele unterschiedliche Formate gibt."

Gerade seine wirtschaftliche Einordnung zeigt, warum sich die GFL über Schwierigkeiten anderer Wettbewerbe kaum freuen kann, selbst wenn dadurch Spieler auf den Markt kommen oder direkte Konkurrenz in einzelnen Regionen verschwindet. "Am Ende des Tages ist es ein wirtschaftliches Thema für uns alle. Das nagt an der GFL und am Ende auch an den anderen Ligen. Es geht um Geld", sagt von Lobenstein. Genau deshalb wäre es zu einfach, die aktuelle Situation als Sieg der GFL über die europäischen Wettbewerbe zu erzählen. Wenn ein Football Standort wirtschaftlich scheitert oder Zuschauer und Geschäftspartner Vertrauen in ein Produkt verlieren, betrifft die Außenwirkung nicht ausschließlich die jeweilige Liga. Auf der anderen Seite zeigt die Entwicklung aber auch, welchen Wert Stabilität inzwischen für die effect® Energy GFL besitzt. Dill glaubt, dass es der Liga guttut, mittlerweile als ruhig, stabil und solide geführt wahrgenommen zu werden. Dass dadurch weniger spektakuläre Schlagzeilen entstehen, nimmt er gerne in Kauf. "Dass wir nicht so viele Negativschlagzeilen produzieren, ist eine gute Nachricht. Wir werden sicherlich nicht bewusst negative Nachrichten produzieren, nur um den Algorithmus besser zu triggern."

Das vielleicht sichtbarste Symbol für die Entwicklung der Liga ist inzwischen der GFL Bowl. Noch bevor die Playoffs begonnen haben, bewegt sich der Ticketverkauf bereits auf eine Marke zu, die im europäischen Football alles andere als selbstverständlich ist. Zuletzt hatte die Liga 13.000 verkaufte Tickets öffentlich kommuniziert. Zum Zeitpunkt des Gesprächs mit Football-Aktuell lag die tatsächliche Zahl laut Dill bereits knapp unter 15.000. "Vielleicht haben wir die 15.000 geknackt, bis das Interview erscheint. Und das, obwohl die Playoffs noch gar nicht angefangen haben", sagte der Geschäftsführer. Damit nähert sich das Endspiel bereits frühzeitig einer Zuschauerzahl, die zeigt, dass der Bowl zunehmend über die reine Bedeutung eines Meisterschaftsfinales hinauswächst. Sollte sich der Ticketverkauf in den kommenden Wochen entsprechend fortsetzen, dürfte der Blick zwangsläufig weiter nach oben gehen. Für Dill ist schon der aktuelle Stand ein Beleg dafür, dass die Aufwertung funktioniert. "Wir merken, dass das Event GFL Bowl funktioniert und dass das Produkt aufgewertet wurde. Da wurde sehr viel richtig gemacht." Der Anspruch ist entsprechend groß. Der GFL Bowl soll langfristig als das Football Event in Deutschland wahrgenommen werden. Dill bezeichnet ihn bereits heute als Großveranstaltung und als Event für die ganze Familie.

Gerade der GFL Bowl zeigt, dass die alte Vorstellung einer grundsätzlich moderneren Franchise Welt und einer automatisch dahinterliegenden Vereinsliga nicht mehr ohne Weiteres funktioniert. Das bedeutet nicht, dass EFA oder AFLE keine starken Standorte besitzen. Im Gegenteil, auch dort gibt es Organisationen mit professionellen Strukturen, attraktiven Gamedays und großen sportlichen Ambitionen. Ebenso wenig bedeutet ein gut laufender GFL Bowl, dass sämtliche GFL Vereine wirtschaftlich und organisatorisch auf demselben Niveau arbeiten. Die Unterschiede innerhalb der Liga bleiben teilweise groß. Aber die effect® Energy GFL kann mittlerweile eigene Argumente vorweisen. Spieler kommen zurück, Sponsoren entscheiden sich bewusst für die nationale Liga, Reichweiten und Zuschauerzahlen wachsen, die TV Präsenz ist gestiegen und das Endspiel entwickelt sich zu einer der größten Football Veranstaltungen des Landes. Vor allem aber scheint sich das Selbstverständnis verändert zu haben. Die GFL betrachtet europäische Franchise Wettbewerbe nicht mehr automatisch als Benchmark, der sie hinterherlaufen muss.

Das heißt nicht, dass die Arbeit erledigt wäre. Gerade bei der öffentlichen Wahrnehmung sieht Dill noch erhebliches Potenzial. Die Liga müsse ihre Medienformate weiterentwickeln und neue Zielgruppen erreichen. Dabei setzt er auch auf die bestehende Community, die Inhalte teilen und kommentieren und damit helfen könne, die Grenzen der bisherigen Zielgruppe zu überwinden. "Wir müssen weiter Medienformate schaffen, die konsumiert werden und dafür sorgen, dass die Liga die Football Bubble verlässt." Auf die Frage, ob die GFL bereits genügend Aufmerksamkeit bekomme, fällt seine Antwort eindeutig aus: "Nein, natürlich nicht." Als Randsportart wünsche man sich immer mehr Aufmerksamkeit. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob die effect® Energy GFL 2026 plötzlich alle Probleme gelöst hat. Entscheidend ist vielmehr, ob die Richtung stimmt. Und vieles deutet darauf hin, dass die Liga heute an einem anderen Punkt steht als noch vor wenigen Jahren.

Dill selbst wünscht sich deshalb vor allem einen veränderten Blick auf die GFL. "Wenn ich mir eine Sache wünschen dürfte, dann wäre es, dass die GFL nicht aufgrund der vergangenen 30 Jahre bewertet wird, sondern aufgrund der letzten fünf." In Diskussionen würden immer wieder Probleme aufgegriffen, die zehn oder 20 Jahre zurückliegen. Die Arbeitsweise der Liga habe sich seitdem jedoch deutlich verändert. "Vor 20 Jahren wurde in der GFL ganz anders gearbeitet, auch vor zehn Jahren wurde noch anders gearbeitet. Ich glaube aber, dass wir in den vergangenen fünf Jahren einen ganz guten Job gemacht haben." Genau darin liegt vielleicht die spannendste Geschichte der effect® Energy GFL im Jahr 2026. Sie ist nicht plötzlich zur perfekten Liga geworden und muss auch nicht auf Schwierigkeiten anderer Wettbewerbe hoffen, um selbst besser dazustehen. EFA und AFLE gehen ihren eigenen Weg und können mit starken Standorten weiterhin wichtige Impulse für den europäischen Football setzen. Doch die Zeiten, in denen die GFL im Vergleich mit paneuropäischen Wettbewerben automatisch als das ältere und weniger attraktive Produkt galt, scheinen vorbei zu sein. In vielen Bereichen hat sie aufgeholt, in manchen sieht sie sich inzwischen selbst vorne und mit einem GFL Bowl, der bereits vor den Playoffs an der Marke von 15.000 verkauften Tickets kratzt, liefert sie dafür auch ein ziemlich sichtbares Argument.

Vielleicht ist deshalb ausgerechnet die derzeitige Ruhe eine der interessantesten Entwicklungen. Während sich die europäische Football Landschaft neu sortiert, versucht die effect® Energy GFL nicht, jede Schlagzeile der Konkurrenz zu kommentieren oder jede Veränderung mitzugehen. Sie arbeitet am eigenen Produkt, versucht erfolgreiche Konzepte innerhalb der Vereine zu verbreiten und will ihre Reichweite Schritt für Schritt ausbauen. Das klingt weniger spektakulär als die Gründung einer neuen Liga oder die nächste große Strukturreform. Im Moment könnte genau diese Kontinuität aber das sein, was die GFL stärker macht. Und spätestens wenn sich im Herbst in Dresden die Football Community zum GFL Bowl trifft, wird sich zeigen, wie weit dieser Weg inzwischen tatsächlich geführt hat. Dill jedenfalls formuliert das Ziel klar: "Ich freue mich, wenn die komplette Football Community, die dieses Jahr so viel GFL konsumieren konnte wie noch nie, sich dort trifft und Dresden zur Football Hauptstadt macht."

PassionPress - 28.08.2026

GFL Geschäftsführer Torben Dill sieht die GFL gut positioniert

GFL Geschäftsführer Torben Dill sieht die GFL gut positioniert (© Olaf Kraus/Thomas Sobotzki)

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