Völlig absurd

Head Coach Dan Lanning (Oregon Ducks) möchte, wie die allermeisten Coaches, keine NFL Profis in den College Football zurück holen.Die Big Ten haben den Integritätstest im Umgang mit Ex-NFL-Spielern bestanden – und die SEC damit unter Zugzwang gesetzt. Während die SEC noch darüber grübelte, wie sie mit dem Versuch von LSU umgehen sollte, ehemalige NFL-Spieler ins Team zu holen, beendete das schnelle Handeln der Big Ten die jüngste Debatte um eine Regelungslücke bei der Spielberechtigung im College Football.

Wer es für völlig absurd hält, dass ein Footballspieler einen NFL-Vertrag unterschreiben – oder sogar an regulären Vorbereitungsspielen teilnimmt und anschließend ans College zurückkehren kann, der sei getröstet: Damit steht man nicht allein da. In einer Welt, in der man ständig überprüfen muss, ob einst Selbstverständliches noch Bestand hat, gefällt es im College Football eigentlich niemandem, dass so etwas geschieht. Oregon Head Coach Dan Lanning äußerte sich sehr deutlich zu diesem Thema. Er ist bei Weitem nicht der einzige Trainer mit dieser Meinung, doch seine Worte bringen die Haltung der überwiegenden Mehrheit auf den Punkt: "Sobald man sich für den Draft anmeldet, ist man Profi", erklärte Lanning gegenüber Reportern. "Diesen Spielern also die Rückkehr zu gestatten – ob fair oder unfair ihnen gegenüber – ist unfair gegenüber dem Sport. Und ich halte es auch für unfair gegenüber den Spielern der aktuellen Teams, wenn diese Jungs zurückkommen."

Sogar Lane Kiffin äußerte sich ähnlich: "Ich bin nicht der Meinung, dass Profis in den College Sport und den College Football zurückkehren sollten." Doch er sprach weiter, und seine Erläuterung trifft den Kern der Sache. "Warum geschieht das überhaupt, und warum gerade jetzt? In diesem speziellen Fall handelt es sich jedoch nicht um Spieler, die bereits Profi-Saisons absolviert oder einfach willkürlich eine einstweilige Verfügung erwirkt haben", fuhr Kiffin fort. "Sie gehören zu einer bestimmten Gruppe von Spielern, bei denen die NCAA eine Fehlentscheidung getroffen hat; eigentlich hätte für sie die ‚Five-for-Five‘-Regel gelten sollen."

Tatsächlich berichten US-Medien übereinstimmend, dass Kiffin und die Tigers die Spieler aktiv dazu ermutigten, die NCAA zu verklagen. Kiffin verweist – ebenso wie die Anwälte, deren Argumentation er teilt – auf die "Five-for-Five"-Regel. Dabei handelt es sich um eine neue Vorschrift der NCAA, die besagt, dass ein Spieler fünf Jahre Zeit hat, um fünf Saisons zu absolvieren. Spieler des High-School-Jahrgangs 2022 steckten gewissermaßen zwischen zwei Regelungen zur Spielberechtigung fest: Sie profitierten weder von der zusätzlichen Spielberechtigung aufgrund der Covid-19-saison noch von einer Übergangsregelung für die aktuelle Regeländerung der NCAA. Manche Experten vermuten, dass dies Absicht war.

Was Kiffins jüngsten "heldenhaften" Schachzug betrifft: Er versuchte, den Tight End Dae'Quan Wright zu verpflichten, nachdem die Eagles ihn entlassen hatten, ebenso wie den Defensive Tackle der New Orleans Saints, Zxavian Harris und den Safety der Arizona Cardinals, Wydett Williams. Kiffin war nicht der Einzige, der um diese Spieler warb, die zunächst per Gerichtsbeschluss die Erlaubnis zur Rückkehr in den College Football erhalten hatten. Sie gehörten zu jener Gruppe, die auf Spielberechtigung geklagt hatte, da sie nicht unter die Übergangsregelung zur "Five-for-Five"-Regel der NCAA fielen. Kiffin argumentiert zwar, es handele sich um eine einmalige Ausnahme, doch solche "einmaligen" Fälle tauchen immer wieder auf. Das ist der Kreislauf der Anarchie im College Sport: Man versucht, eine Gesetzeslücke zu nutzen; es folgen Klagen; der Trainer rechtfertigt sein Handeln mit Wettbewerbsgründen; die Conferences versuchen bisweilen, dem Einhalt zu gebieten; weitere Klagen folgen – und dann geht es mit dem nächsten Fall weiter.

Warum ausgerechnet jetzt, kurz vor Saisonbeginn? Nun, der offizielle Stichtag für die Kaderverkleinerung in der NFL ist der Sonntag. Die Situation wirkt geradezu absurd, wenn man sie genauer betrachtet: Angenommen, ein Spieler wird am Sonntag entlassen, erscheint am Montag und absolviert die vorgeschriebene fünftägige Eingewöhnungsphase – dann wäre er am nächsten Tag bereits für den ersten Spieltag im College Football einsatzbereit. Das mag weit hergeholt klingen, ist es aber nicht, wenn man die heutige Welt des College Footballs betrachtet. Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: das Signal, das dies an die Mannschaft sendet. Man kann sich im gesamten Trainingslager um Spielzeit bemühen, doch kurz vor Saisonbeginn holt die Universität einfach einen Profi aus der NFL, den man bereits kennt – und schon rutscht man in der Rangordnung der Spieler nach hinten. Doch Kiffin und alle anderen Trainer, die versuchen, einen aus der NFL zurückkehrenden Profi zu verpflichten, scheinen sich darum kaum zu scheren.

Die SEC versuchte durchaus an ihrer Regel festzuhalten, die Wechsel zwischen verschiedenen Conferences untersagt (Wright, Harris und Williams hatten bereits unter Kiffin bei Ole Miss gespielt), solange es sich um ein reines Football-Problem handelte. Doch dann erreichte Will Wade, den Basketballtrainer der Herren in Baton Rouge, eine gute Nachricht: Ein Gericht hatte RJ Luis von St. Johns per einstweiliger Verfügung gestattet, in dieser Saison für ihn zu spielen. Luis hatte im Sommer einen sogenannten "Two-Way-Contract" bei den Utah Jazz unterzeichnet. Die SEC steckte also in der Klemme – und wurde ausmanövriert. Das erklärt weitgehend, warum die Stellungnahme der Conference zu diesem Thema am Montag recht vage und ausweichend ausfiel. Auch wenn die überwiegende Mehrheit der zugehörigen Hochschulen (möglicherweise 15 von 16, wenn man die Zeichen richtig deutet) nach denselben Grundsätzen verfährt – nach dem Motto: College Athleten sind eben College Athleten – weigert sich mindestens eine Hochschule offen, dies zu tun. Die SEC zog sich daher aus der Affäre, indem sie den US-Kongress um Hilfe bei der Lösung dieses Schlamassels bat, ohne selbst eine formelle Regelung zu verabschieden.

"College Athleten standen stets im Mittelpunkt der Southeastern Conference", schrieb die SEC am Montagabend in einer Erklärung. "Personen, die sich entscheiden, den College Sport zu verlassen, Profiverträge zu unterzeichnen und als Profis anzutreten, sollte es anschließend nicht gestattet sein, in den College Wettbewerb zurückzukehren. Dies zuzulassen, würde die Grenze zwischen College- und Profisport verwischen, erhebliche Bedenken hinsichtlich der Wettbewerbsgerechtigkeit aufwerfen und die Chancen für High School und aktuelle College Athleten schmälern. College Sport ist für College Athleten gedacht. Die derzeitige Verwirrung um die nationalen Spielberechtigungsstandards unterstreicht die Notwendigkeit, den ‚Protect College Sports Act‘ voranzutreiben." Am Dienstag änderte sich die Lage für jene Conference, deren Motto lautet: "It just means more". Die Big Ten verabschiedete einstimmig eine Regel, die im Wesentlichen besagt: Wer einen Profivertrag unterschrieben hat, ist nicht mehr spielberechtigt – ebenso wenig wie jüngere Studenten, die sich offiziell für den Draft angemeldet und ihre Kandidatur nicht zurückgezogen haben. Mit anderen Worten: Die Big Ten legte ihren Standpunkt zur Integrität des College Sports rasch schriftlich fest, während die SEC sich lediglich mit Lippenbekenntnissen begnügte.

Nur Stunden später verabschiedete auch die SEC eine eigene Regelung und verschärfte diese, indem sie den Basketball mit einbezog (und damit den Fall Luis abdeckte). Es ist bezeichnend, wie der Vorstoß eines Konkurrenten die Präsidenten der SEC wie durch Zauberhand dazu bewegte, einzugreifen und so zu handeln, als säßen dort tatsächlich vernünftige Erwachsene am Tisch. Es ist zu erwarten, dass auch die ACC und die Big 12 bald nachziehen werden, sodass schließlich alle Conferences der "Power Four" ähnliche Regeln verabschieden. Was die Ansicht betrifft, die NCAA habe es versäumt, eine Übergangsregelung ("Grandfathering") für bestehende Fälle zu schaffen: Die Organisation wird zweifellos weiterhin beim US-Kongress auf gesetzliche Unterstützung drängen, um Regeln – einschließlich der Spielberechtigungsvorschriften – auf nationaler Ebene durchzusetzen. Diese Bemühungen ruhen, bis der US-Kongress nächsten Monat aus der Sitzungspause zurückkehrt. Doch sobald dies geschieht, können Lobbyisten und Interessenvertreter auf dieses Chaos verweisen (das die NCAA teilweise selbst verursacht hat, indem sie für Spieler des Jahres 2022 keine Ausnahmeregelung schuf) und – gemeinsam mit der SEC und anderen – argumentieren: "Helft uns bei den Regeln, wir sind hier völlig überfordert."

Wer sich fragt, wann dieser Wahnsinn ein Ende hat: Das wird er nicht. Zweifellos wird es auch Klagen gegen diese Conference-Regeln geben – sofern die bewährte Tradition Bestand hat, dass die Abrechnung von Anwaltsstunden am Ende immer gewinnt. Es handelt sich um ein wettbewerbsorientiertes Geschäft; die Suche nach Schlupflöchern wird also auch nach Verabschiedung von Gesetzen weitergehen. Doch wann immer man glaubt, eine Grenze des Zumutbaren sei überschritten, sollte man sich vor Augen führen: Es geht um College Football – und da gibt es eigentlich keine Grenzen.

Schlüter - 27.08.2026

Head Coach Dan Lanning (Oregon Ducks) möchte, wie die allermeisten Coaches, keine NFL Profis in den College Football zurück holen.

Head Coach Dan Lanning (Oregon Ducks) möchte, wie die allermeisten Coaches, keine NFL Profis in den College Football zurück holen. (© Getty Images)

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