Von einer schwierigen Kindheit über Obdachlosigkeit, den späten Einstieg in den American Football und eine lange NFL-Karriere bis hin zum Botschafter eines neuen EFA-Franchises in London – das ist die Geschichte von Efe Obada. Der 34-Jährige wurde am 13. April 1992 in Lagos geboren und verbrachte einen Teil seiner Kindheit zunächst in den Niederlanden, bevor er im Alter von zehn Jahren gemeinsam mit seiner Schwester nach London kam. Dort waren beide zunächst auf sich allein gestellt und zeitweise obdachlos. Sie schliefen unter anderem in einem Bürogebäude, ehe Obada in insgesamt zehn verschiedenen Pflegefamilien lebte. Lange deutete nichts darauf hin, dass American Football einmal eine entscheidende Rolle in seinem Leben spielen würde.
Umso außergewöhnlicher ist, wie spät seine Football-Karriere überhaupt begann. Obada war bereits 22 Jahre alt, als er sich 2014 den London Warriors anschloss. Während andere Spieler in diesem Alter bereits viele Jahre Jugend-, High-School- oder College-Football hinter sich haben, begann Obada praktisch bei null. Bei den Warriors wurde er als Tight End und Defensive End eingesetzt und absolvierte gerade einmal fünf Spiele. Doch sein körperliches Potenzial fiel schnell auf. Eine entscheidende Rolle spielte Defensive Coordinator Aden Durde, der zuvor bereits als Intern Coach bei den Dallas Cowboys gearbeitet hatte. Über Durde bekam Obada die Möglichkeit, sich bei den Cowboys zu präsentieren – und plötzlich öffnete sich für den damals völlig unerfahrenen Briten die Tür zur NFL.
Im April 2015 nahmen die Dallas Cowboys Obada unter Vertrag. Im Rookie Minicamp wurde er zunächst noch als Tight End getestet, bevor Dallas ihn auf Defensive End umstellte. Der direkte Durchbruch blieb zunächst aus. Obada wurde entlassen, kehrte in den Practice Squad zurück und musste immer wieder um seine nächste Chance kämpfen. Es folgten weitere kurze Stationen bei den Kansas City Chiefs und den Atlanta Falcons. Der entscheidende Wendepunkt seiner Karriere kam schließlich 2017, als er über das International Player Pathway Program bei den Carolina Panthers landete.
Ein Jahr später schrieb Obada NFL-Geschichte. Nach einer starken Vorbereitung wurde er als erster Spieler aus dem International Player Pathway überhaupt in einen regulären 53-Mann-Kader aufgenommen. Schon sein erstes Regular-Season-Spiel gegen die Cincinnati Bengals wurde zu einem der größten Momente seiner Karriere. Obada gelangen ein Sack und eine Interception, er bekam anschließend den Game Ball und wurde zum NFC Defensive Player of the Week gewählt. Innerhalb von nur vier Jahren war aus einem 22-jährigen Football-Anfänger bei einem britischen Verein ein Spieler geworden, der sich auf der größten Football-Bühne der Welt behaupten konnte.
Bis 2020 spielte Obada für Carolina, 2021 folgte der Wechsel zu den Buffalo Bills, für die er in zehn Spielen 3,5 Sacks verbuchte. Anschließend schloss er sich den Washington Commanders an. Gerade die letzten Jahre seiner Karriere wurden allerdings zunehmend von Verletzungen geprägt. Im November 2023 erlitt er mehrere Beinbrüche und musste operiert werden. Trotzdem kämpfte sich Obada noch einmal zurück und unterschrieb auch 2024 wieder in Washington. Im November desselben Jahres wurde er von den Commanders entlassen. Nachdem er während der Saison 2025 ohne Team geblieben war, erklärte Obada am 12. August 2026 offiziell seinen Rücktritt vom aktiven Football. Damit endete eine außergewöhnliche Laufbahn mit insgesamt 15 Sacks in der NFL.
Doch nur wenige Tage nach seinem Karriereende steht bereits fest, wie zumindest ein Teil seiner Zukunft im Football aussehen wird. Obada kehrt zu seinen sportlichen Wurzeln nach London zurück – allerdings nicht zu den London Warriors. Die neu gegründeten London Guard haben den ehemaligen NFL-Profi als Club Ambassador vorgestellt. Das neue Londoner Franchise wird in der European Football Alliance antreten und bekommt damit zum Start eines der bekanntesten Gesichter des britischen American Football an seine Seite.
Gerade diese Entscheidung besitzt eine besondere Note. Schließlich waren es die London Warriors, die Obada 2014 seine erste Chance im American Football gaben und damit indirekt den Grundstein für seine spätere NFL-Karriere legten. Die Warriors spielen inzwischen selbst auf europäischer Ebene in der AFLE. Obada entschied sich nun jedoch nicht für eine Rolle bei seinem ehemaligen Club, sondern schließt sich dem neuen Londoner EFA-Projekt an. Welche konkreten Beweggründe hinter seiner Entscheidung stehen, ist bislang nicht bekannt. Die Personalie ist dennoch ein starkes Signal der Guard: Eine der prominentesten Persönlichkeiten des britischen Footballs stellt sich hinter das neu entstehende Franchise.
Dabei könnte Obadas Bedeutung weit über eine repräsentative Rolle hinausgehen. Seine Geschichte und seine enge Verbindung zu London machen ihn zu einem glaubwürdigen Gesicht für ein Team, das sich in der britischen Hauptstadt erst eine eigene Fanbasis aufbauen muss. Obada gehört zu den bekanntesten britischen Spielern, die den Sprung in die NFL geschafft haben. Dadurch kennt man seinen Namen auch über die klassische britische Football-Szene hinaus. Als Club Ambassador kann er Aufmerksamkeit erzeugen, Menschen für das neue Franchise interessieren und möglicherweise auch Fans erreichen, die bislang wenig Berührung mit europäischem American Football hatten.
Vor allem aber verkörpert Obada genau die Geschichte, die ein neues professionelles Football-Franchise jungen britischen Spielern erzählen möchte. Er spielte keinen College Football, hatte keine jahrelange Ausbildung in den USA und begann erst mit 22 Jahren mit diesem Sport. Fünf Spiele bei den London Warriors reichten aus, um eine Entwicklung anzustoßen, die ihn letztlich bis in einen NFL-Kader führte. Vom britischen Football über das International Player Pathway bis in die NFL – und nun zurück nach London.
Für die London Guard ist Efe Obada deshalb weit mehr als nur ein prominenter Name für Marketingzwecke. Er bringt NFL-Erfahrung, Bekanntheit, eine außergewöhnliche Lebensgeschichte und eine authentische Verbindung zur Stadt mit. Dass ausgerechnet ein ehemaliger London Warrior nun zum Botschafter des neuen Londoner EFA-Franchises wird, verleiht der Personalie zusätzliche Brisanz. Für die Guard dürfte die Verpflichtung eines der bekanntesten britischen NFL-Profis jedenfalls kaum ein besseres Signal für den eigenen Start sein.
PassionPress - 20.08.2026

Efe Ombada - Vorstellungsgrafik (© London Guard )
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