Das fünfte Jahr

LB Jaylen Sneed im Notre Dame Fall Camp 2026Für Notre Dame Linebacker Jaylen Sneed beginnt nun das fünfte Jahr in South Bend. Der aus South Carolina stammende Spieler hat die Höhen und Tiefen des College Footballs erlebt, doch dieses Jahr könnte sein bisher bestes werden. Tatsächlich strahlt der 1,85 Meter große und rund 103 Kilogramm schwere Athlet eine Ruhe und Reife aus, die während seiner bisherigen Zeit bei Notre Dame nicht immer vorhanden war. "Es fühlt sich gar nicht wie mein fünftes Jahr an, aber genau das ist es", sagte Sneed. "Ich habe das Gefühl, dass ich enorm an Reife, Konstanz und Fokus gewonnen habe. Coach Freeman hat viel über Fokus gesprochen. Für mich ist das in diesem Jahr ein zentrales Thema: mich auf das zu konzentrieren, was ich gerade tue, anstatt zu versuchen, mich auf alles andere zu fokussieren." Es wäre leicht, sich von den hohen Erwartungen an das Team von Notre Dame unter Druck setzen zu lassen oder sich Sorgen darüber zu machen, welchen Platz man in der Rangfolge einnimmt – oder eben nicht. Solche Sorgen gehören für Sneed der Vergangenheit an. Stattdessen ist seine Priorität klar: ein besserer Footballspieler werden. Ein wesentlicher Teil davon ist es, mehr Ballverluste beim Gegner zu erzwingen. "Ich möchte einfach allen zeigen, dass ich den Ball erobern kann", sagte Sneed. "Ich will für Ballverluste sorgen, den Ball aus den Händen des Gegners schlagen und Interceptions holen. Ich möchte zeigen, dass ich ein Teamplayer bin und meine Mitspieler besser machen kann. Darauf kommt es letztlich an."

Der neue Linebacker Coach Brian Jean-Mary kennt Sneed bestens. Tatsächlich war Jean-Mary während des Rekrutierungsprozesses ein ziemlicher Störfaktor für Marcus Freeman; er hätte Sneed beinahe dazu gebracht, Tennessee zu besuchen, obwohl dieser sich bereits für die "Fighting Irish" entschieden hatte. Durch diese Vertrautheit hat Jean-Mary einen besonderen Blick auf Sneed und die Fortschritte, die dieser in den letzten acht Monaten gemacht hat. "Ich denke, er hat ein gutes Trainingslager absolviert", erklärte Jean-Mary. "Jaylen kann sich manchmal selbst im Weg stehen, aber ich glaube, das Beste, was er gezeigt hat, ist Gelassenheit. Er hat es geschafft, unkontrollierte Aktionen zu vermeiden." Das ist ein Verdienst des Coachings – und genau das, was sich jeder Trainer von einem Spieler wünscht. Sneeds Athletik, Schnelligkeit und seine Bereitschaft, mit extremer Härte zu spielen, lassen sich nicht antrainieren; diese Eigenschaften waren schon immer Teil seines Spiels. Was sich hingegen schulen lässt, ist Disziplin. Ebenso kann man den Blick eines Spielers darauf trainieren, sich auf die entscheidenden Signale zu konzentrieren und zum richtigen Zeitpunkt die richtige Entscheidung zu treffen. Jean-Mary betonte, dass Sneeds Fortschritte vor allem darauf beruhen, dass er nun versteht, wo er sich innerhalb der Defensive aufhalten muss.

"Wenn ich eigentlich im B-Gap stehen sollte, aber quasi mit Scheuklappen agiere, übersehe ich das Gesamtbild und lande am Ende im C-Gap", erklärte Jean-Mary. "Solche Spielzüge gilt es zu vermeiden. Letztlich geht es um Konstanz und Effizienz. Es wirkt alles wie aus einem Guss, fast schon choreografiert. Man möchte sehen, dass er dieses Niveau erreicht, denn mental hat er das Spiel bereits durchschaut. Er findet die richtige Lücke und versteht, wie seine Mitspieler agieren. Er ist auf einem sehr guten Weg."

Ein vielleicht unterschätzter Faktor für Sneeds Entwicklung lag im Frühjahr. Da die Linebacker Gruppe von Notre Dame durch Verletzungen geschwächt war, mussten Sneed und Jaiden Ausberry viel Zeit damit verbringen, die "Mike"-Position zu erlernen. Dies bot Sneed die Gelegenheit, die Defensive aus einer anderen Perspektive zu betrachten und zu steuern – ein Vorteil, von dem er vier Monate später profitierte.
"Es hat mir sehr geholfen, vor allem weil ‚Aus‘ und ich normalerweise nicht beide Positionen gleichzeitig spielen", erklärte Sneed. "Ich hatte das Gefühl, dass wir dadurch viel mehr kommunizieren mussten. Wir haben uns intensiver mit der Defensive auseinandergesetzt und jedes einzelne Puzzleteil verstanden, anstatt nur unsere eigene Position zu kennen. "Wir haben uns auf beiden Positionen abgewechselt, und auch Madden (Faraimo) hat sehr gut gespielt. Dass wir drei dort agierten, hat uns alle weitergebracht – auch im Hinblick auf Kyngstonn (Viliamu-Asa) und Drayk Bowen, die wir als Anführer des Teams anerkennen. Ich glaube, es hat uns alle auf unsere ganz eigene Weise wachsen lassen."

Auch die Aufgabe von Sneed wurde dadurch erleichtert, dass sich Notre Dame im Zentrum der Defensive Line verbessert und dort gezielt investiert hat. Die "Irish" scheinen über eine der besten Defensive Lines des Landes zu verfügen, und die größere Physis an der Frontlinie hat den Linebackern mehr Freiheit gegeben, auf Jagd zu gehen. "Hinter all unseren neuen, massigen Defensive Tackles – Jason Onye, Tionne Gray, Francis Brewu, Armel Mukam – zu spielen, ist wie ein wahr gewordener Traum", sagte Sneed lächelnd. "Sie haben sich vom Frühjahr bis jetzt enorm verbessert. Man merkt das einfach daran, wie hart sie arbeiten und wie konsequent sie uns den Rücken freihalten. Wir haben alle einen guten Draht zueinander. Wir verbringen auch außerhalb des Trainings Zeit miteinander, und ich glaube, das macht uns viel stärker und besser." Senior Defensive Tackle Armel Mukam ist womöglich die Überraschung der Gruppe. Der 1,90 Meter große und rund 136 Kilogramm schwere Spieler kam vor einem Jahr kaum zum Einsatz, hat sich aber mittlerweile ins Rennen um einen Stammplatz gebracht. "Er kommt zusätzlich zum Training und leistet Extraarbeit", sagte Sneed. "Er hat sich einfach enorm verbessert. Er und Coach Charlie Partridge haben ein tolles Verhältnis, und ich glaube einfach: Wenn man ein gutes Verhältnis zu seinem Trainer hat, kann man sich nur weiterentwickeln. Ich glaube, das ist einer der wichtigsten Faktoren. Er geht es Tag für Tag an. Er versucht nicht, alles auf einmal zu bewältigen. Er arbeitet Schritt für Schritt daran, besser zu werden. Ich glaube, genau das zeichnet ihn besonders aus."

Geduld ist eine der vielen Eigenschaften, die Sneed während seiner Zeit an der Notre Dame verinnerlicht hat. Der nächste Schritt besteht darin, die sich ihm bietende Chance ein letztes Mal zu ergreifen. "Wenn ich an Notre Dame denke, fällt mir sofort ein Wort ein: Chance", sagte Sneed. "Seit ich hier bin, haben sich mir immer wieder Gelegenheiten geboten – sei es im Hörsaal, auf dem Footballfeld oder im Leben allgemein. Es gab Menschen, die mir gezeigt haben, wie die Dinge laufen und was zu tun ist. Ich finde, gerade diese Chancen und die Menschen sind es, die Notre Dame für mich so besonders machen."

Schlüter - 18.08.2026

LB Jaylen Sneed im Notre Dame Fall Camp 2026

LB Jaylen Sneed im Notre Dame Fall Camp 2026 (© Matt Freeman/ ND press release)

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