Die Potsdam Royals setzen ihren beeindruckenden Lauf in der effect® Energy GFL fort. Vor knapp 2.000 Zuschauern im Braunschweiger Eintracht-Stadion gewann der amtierende Deutsche Meister mit 61:0 gegen die Braunschweig Lions und feierte damit bereits den dritten Shutout in Folge. Nach dem 61:0 gegen die Hildesheim Invaders und dem 49:0 bei den Düsseldorf Panther blieb die Potsdamer Defense nun auch beim deutschen Rekordmeister ohne einen einzigen Gegenpunkt. Seit zwölf Quartern wartet ein Gegner damit auf Punkte gegen die Royals. Gleichzeitig dominierte Potsdam offensiv vor allem über den Boden. 501 Yards Raumgewinn, davon 380 Rushing Yards, neun Touchdowns und kein einziger Turnover standen am Ende für die Gäste zu Buche. Mit nun neun Siegen bei nur einer Niederlage gehen die Royals mit viel Rückenwind in die entscheidenden Wochen der Regular Season.
Wie dominant der Nachmittag werden sollte, deutete Chrisman Kyei bereits mit dem ersten offensiven Spielzug an. Von der eigenen 21-Yard-Linie explodierte der Running Back für 68 Yards durch die Braunschweiger Defense und stand plötzlich unmittelbar vor der Endzone. Einen Spielzug später vollendete er selbst aus elf Yards zum 6:0. Auch die Defense brauchte nicht lange für ihr erstes Ausrufezeichen. Devin Hembry fing einen Pass von Lions-Quarterback Ryon Thomas ab und trug die Interception noch zwölf Yards zurück. Die Offense übernahm an der Mittellinie und Heiko Bals beendete den folgenden Drive mit einem Vier-Yard-Lauf zum 12:0. Doch damit war Kyei im ersten Viertel noch lange nicht fertig. Beim nächsten Ballbesitz benötigten die Royals genau einen Spielzug. Kyei nahm den Ball an der eigenen 22-Yard-Linie und ließ sich erst 78 Yards später in der gegnerischen Endzone wieder stoppen. Joost Bohnhorst fing die anschließende Two-Point-Conversion und nach nicht einmal einem Viertel führte Potsdam bereits mit 20:0. Es war der Auftakt zu einem außergewöhnlichen Nachmittag für Kyei, der bei nur zehn Läufen unglaubliche 254 Yards und vier Touchdowns produzierte. Im Durchschnitt bedeutete das 25,4 Yards pro Lauf.
Dabei musste Potsdam auf Bay Harvey verzichten, der wie bereits bei seiner Verpflichtung vereinbart für die Schweizer Flag-Football-Nationalmannschaft im Einsatz war. Die Verantwortung für die Offense übernahm deshalb Moritz Pharrell-Richter, der bereits seit der Vorwoche wusste, dass er in Braunschweig starten würde. Eine kurzfristige Umstellung war es für die Royals also nicht. Entsprechend klar war auch der Plan, mit dem Potsdam in die Begegnung ging. "Der Plan war schon letzte Woche, dass ich dieses Spiel für ihn übernehmen werde. Wir wollten den Gameplan simpel halten, zu unseren Basics gehen und uns auf unser wirklich starkes Run-Game verlassen, was ja auch sehr gut funktioniert hat", erklärte Richter nach der Partie. Tatsächlich musste der deutsche Quarterback angesichts des dominanten Laufspiels zunächst kaum Risiko eingehen. Neben Kyei fanden auch Bals und Bohnhorst früh immer wieder Lücken. Bohnhorst erhöhte im zweiten Viertel mit einem 12-Yard-Lauf auf 28:0, ehe Bals kurz vor der Pause seinen zweiten Touchdown erzielte und den 34:0-Halbzeitstand herstellte. Insgesamt erliefen die Royals bei nur 32 Versuchen 380 Yards und damit durchschnittlich 11,9 Yards pro Carry. 22 ihrer 29 First Downs entstanden über den Boden.
Mit zunehmender Spieldauer bekam Richter aber auch mehr Möglichkeiten durch die Luft. Unter anderem fand er Milan Spiller, Key’Shawn Smith und Peter Martin und brachte insgesamt elf seiner 17 Pässe für 111 Yards an. Sieben verschiedene Potsdamer Spieler verbuchten mindestens einen Catch. "Ich habe mich ziemlich gut gefühlt. Richtung Ende des zweiten Quarters und in der zweiten Halbzeit konnten wir das Playbook dann auch ein bisschen öffnen. Natürlich lief bei dem einen oder anderen Pass noch nicht alles perfekt, aber das ist Praxis und Spielerfahrung, die man sehr, sehr gerne mitnimmt. Von daher war das Ganze für mich ein ziemlich gelungenes Spiel", meinte Richter. Für den Quarterback war die Partie gleichzeitig die Bestätigung, dass die Vorbereitung auch dann stimmen muss, wenn normalerweise ein anderer Spieler die Offense anführt. "Ich bereite mich eigentlich jede Woche ziemlich intensiv vor. Klar, als QB2 bekommst du nicht all die Reps, aber du bist immer nur ein Play davon entfernt, auf dem Platz zu stehen. Wenn das schlechtere Szenario eintritt und der Quarterback ausfällt, möchte man nicht der Grund sein, warum man verliert, sondern im besten Fall dem Team helfen zu gewinnen. Deshalb war meine Vorbereitung genauso intensiv wie jede Woche, mit den Standards, die wir hier bei den Royals haben", so Richter. Ohne Interception und ohne eigenen Ballverlust erfüllte er genau diese Aufgabe.
Während die Offense vor allem am Boden immer wieder für explosive Plays sorgte, setzte die Defense ihre inzwischen bemerkenswerte Serie fort. Braunschweig produzierte lediglich 178 Yards Total Offense und kam bei 31 Laufversuchen auf gerade einmal 24 Yards. Die Lions bewegten den Ball zwar phasenweise über das Feld und erreichten auch mehrfach vielversprechende Positionen, doch spätestens wenn es gefährlich wurde, war die Potsdamer Verteidigung zur Stelle. Im ersten Viertel hatte Hembry mit seiner Interception den ersten Turnover produziert. Später sorgten Hunter Hewitt, Jasper Kropp und Giorgius Tarlas mit Sacks für zusätzlichen Druck. Im dritten Viertel arbeitete sich Braunschweig bis an die Potsdamer 23-Yard-Linie vor, ehe Peter Anderson den Ball verlor und Mika Habermann den Fumble für die Royals sicherte. Wenig später folgte der dritte Takeaway des Tages. Nach einem 47-Yard-Punt von Heiko Bals verlor Returner Brandon Potts den Football, Joost Bohnhorst hatte den Ball herausgeschlagen und Peter Martin sicherte ihn für Potsdam. Dass die Royals diese hervorragende Feldposition ausnahmsweise nicht in Punkte verwandelten, lag auch an der Braunschweiger Defense, die mit zwei aufeinanderfolgenden Sacks noch einmal ein Lebenszeichen setzte. Am grundsätzlichen Kräfteverhältnis änderte das jedoch nichts. Braunschweig verwandelte lediglich drei von 13 Third Downs und blieb über die gesamten vier Quarter ohne Punkte.
Im Schlussabschnitt wurde dann erneut deutlich, wie tief das Potsdamer Laufspiel derzeit besetzt ist. Kyei erzielte aus neun Yards seinen vierten Touchdown und krönte damit seine außergewöhnliche Vorstellung. Doch auch nachdem der herausragende Running Back seine Arbeit weitgehend erledigt hatte, ging es für die Royals am Boden weiter. Elias Güther bekam seine Möglichkeiten und erzielte aus drei Yards das 54:0. Insgesamt kam er auf 45 Rushing Yards. Den letzten Touchdown des Nachmittags erzielte schließlich Peter Martin, der 29 Sekunden vor dem Ende über 14 Yards in die Endzone lief und den 61:0-Endstand herstellte. Heiko Bals steuerte neben seinen beiden Touchdowns 36 Rushing Yards bei, Bohnhorst kam auf 29 Yards und einen Score. Sämtliche neun Potsdamer Touchdowns entstanden durch Läufe. "Am Ende bin ich vor allem damit zufrieden, dass wir als Offense in fast jedem Drive gescored haben, das Spiel gut runterspielen konnten und gezeigt haben, was unsere Offense gerade auch im Laufspiel alles kann", fasste Richter den Auftritt zusammen.
Bemerkenswert war neben der offensiven Produktion erneut die Kontrolle, mit der Potsdam die Begegnung absolvierte. Die Royals leisteten sich keinen Turnover und wurden lediglich zweimal für insgesamt zehn Yards bestraft. Bei 52 offensiven Spielzügen entstanden 501 Yards, also durchschnittlich 9,6 Yards pro Play. Braunschweig benötigte ebenfalls 52 Plays für lediglich 178 Yards. Die Royals erreichten zehnmal die Red Zone und erzielten bei acht dieser Gelegenheiten einen Touchdown. Selbst als die Partie längst entschieden war und auf beiden Seiten Spieler aus der zweiten Reihe Einsatzzeit erhielten, blieb die Intensität hoch genug, um den dritten Shutout hintereinander zu sichern.
Gerade diese Serie dürfte für Potsdam noch wichtiger sein als die Höhe der vergangenen Ergebnisse. 61:0 gegen Hildesheim, 49:0 in Düsseldorf und nun 61:0 in Braunschweig ergeben 171 unbeantwortete Punkte innerhalb von drei Spielen. Seit zwölf vollständigen Quartern hat die Defense keinen gegnerischen Punkt mehr zugelassen. Gleichzeitig hat die Offense gezeigt, dass sie auch ohne Harvey und ohne ein passlastiges Konzept ein Spiel vollständig kontrollieren kann. Gegen Braunschweig waren es Kyei und das Laufspiel, die den Ton vorgaben, Richter führte die Offense fehlerfrei durch die Partie und die Defense ließ erneut nichts auf das Scoreboard.
Mit einer Bilanz von 9:1 kehren die Royals nun nach Potsdam zurück. Die letzten beiden Begegnungen der Regular Season finden im Sportpark Luftschiffhafen statt. Am 22. August kommen die Kiel Baltic Hurricanes nach Potsdam, eine Woche später folgt am 29. August das Duell mit den Munich Cowboys. Beide Partien beginnen um 16 Uhr. Für den amtierenden Deutschen Meister geht es dabei nicht mehr nur darum, die starke Regular Season erfolgreich abzuschließen. Mit den Playoffs vor Augen können die Royals ihre Form weiter schärfen und sich die bestmögliche Ausgangsposition erarbeiten. Nach drei Spielen ohne einen einzigen Gegenpunkt und einer Offense, die in Braunschweig neunmal über den Boden die Endzone fand, könnte die Formkurve vor der entscheidenden Saisonphase kaum deutlicher nach oben zeigen.
PassionPress - 16.08.2026

Moritz Richter war gegen die Lions der Spielmacher (© Philipp Kuhnert/Potsdam Royals)
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