Die Vienna Vikings haben nach der ersten Saisonniederlage gegen die Panthers Wroclaw die passende Antwort gegeben. Beim kurzfristig nach Winterthur verlegten Auswärtsspiel gegen die Alpine Rams setzte sich der österreichische Meister mit 47:24 durch und feierte damit den zehnten Sieg der laufenden AFLE-Saison. Nur 534 Zuschauer verfolgten die Partie im Stadion Deutweg, das kurzfristig als Heimspielstätte der Rams einspringen musste, weil das ursprünglich vorgesehene Stadion in Biel durch ein Fußballspiel belegt war. Sportlich bekamen die Zuschauer dennoch einiges geboten. Beide Mannschaften produzierten zusammen 994 Yards Raumgewinn, wobei vor allem die Vikings mit 564 Yards und durchschnittlich neun Yards pro Spielzug offensiv nahezu nach Belieben agierten.
Dabei begannen die Rams keineswegs wie eine Mannschaft, die am Ende deutlich verlieren sollte. Hank Bachmeier führte die Gastgeber im ersten Drive bis in die Hälfte der Vikings, unter anderem mit einem 33 Yard Pass auf Aaron David. Doch genau dort zeigte sich erstmals das Problem, das sich durch den Abend ziehen sollte. Zwei Sacks warfen Alpine zurück und der Drive endete mit einem Punt. Wien machte es auf der anderen Seite wesentlich konsequenter. Ben Holmes fand Yannick Mayr mehrfach für wichtige Raumgewinne, Karri Pajarinen brachte die Ketten am Boden in Bewegung und schließlich lief Albert Wiesigstrauch aus 15 Yards zum 7:0 in die Endzone. Die Rams antworteten erneut mit einem starken Drive. Lou De Boe fing einen Pass für 36 Yards, Kevin Kaya und Aaron David brachten Alpine bis tief in die Red Zone. Doch statt des möglichen Ausgleichs folgte der erste große Wendepunkt. Bachmeiers Pass wurde von Amani Dennis abgefangen, der die Interception auch noch 23 Yards zurücktrug. Wieder hatte Alpine viele Yards produziert, wieder standen am Ende keine Punkte auf dem Scoreboard.
Die Vikings bestraften diese fehlende Effizienz mit einer Konsequenz, die den Unterschied zwischen beiden Teams ausmachte. Ausgehend von der eigenen 18 Yard Linie marschierte Wien über 82 Yards, wobei Mayr mit einem 25 Yard Catch und Wiesigstrauch mit mehreren Läufen entscheidenden Anteil hatten. Zu Beginn des zweiten Viertels drückte Holmes den Ball aus einem Yard selbst zum 14:0 über die Goal Line. Alpine antwortete mit einem 69 Yard Drive, profitierte dabei allerdings auch von zwei Strafen gegen Wien und stand schließlich an der gegnerischen Drei Yard Linie. Doch auch diesmal gelang kein Touchdown. Adrian Saliu musste mit einem 22-Yard-Field-Goal die ersten Punkte zum 3:14 erzielen. Die Vikings benötigten anschließend keine drei Minuten für die nächste Antwort. Johannes Schuetz brach einen Lauf über 20 Yards heraus, ehe Holmes Darrell Stewart Jr. aus 19 Yards zum 21:3 fand. Als Alpine seinen folgenden Drive bei einem ausgespielten vierten Versuch an der Wiener 28 verlor, schlugen die Vikings erneut zu. Gerade einmal 71 Sekunden brauchten sie für 72 Yards. Den Abschluss bildete einer der schönsten Spielzüge des Abends, als Holmes Yannick Mayr über 40 Yards zum 28:3 fand.
Dass die Rams offensiv durchaus mithalten konnten, zeigte sich auch unmittelbar vor der Pause. Bachmeier brachte in nur 87 Sekunden mehrere Pässe an, lief selbst über 20 Yards und führte Alpine noch einmal tief in die Wiener Hälfte. Doch wieder fehlte der letzte Schritt. Genau diese Diskrepanz zeigte sich später besonders deutlich in den Statistiken. Die Rams produzierten 430 Net Yards und 26 First Downs. Sie kamen fünfmal in die Red Zone, erzielten daraus aber nur einmal Punkte. Wien war bei fünf Red Zone Besuchen dagegen fünfmal erfolgreich. Auch bei Third Downs war der Unterschied erheblich. Die Vikings verwandelten sechs von acht Versuchen, Alpine lediglich drei von neun. Dass Wien trotz 13 Strafen für enorme 187 Yards derart klar gewinnen konnte, verdeutlicht gleichzeitig, wie effizient die Offense an diesem Abend arbeitete.
Nach der Pause machten die Vikings zunächst genau dort weiter. Wiesigstrauch eröffnete mit Läufen über 25 und elf Yards, danach übernahm Holmes wieder durch die Luft. Über Philipp Haun und Mayr ging es bis an die Sechs Yard Linie, ehe Haun seinen ersten Touchdown des Abends fing. Alpine antwortete diesmal sofort. Jared Scott eröffnete den Drive mit einem 28 Yard Catch und nur vier Spielzüge später fand Bachmeier Lucas Davoine über 37 Yards zum 10:34. Wer nun auf eine Aufholjagd hoffte, wurde allerdings innerhalb weniger Minuten eines Besseren belehrt. Wien brauchte nur vier Plays für die nächsten 65 Yards. Holmes bediente Haun zunächst über acht Yards und kurz darauf erneut, diesmal über 35 Yards zum Touchdown. Es war bereits der fünfte Touchdown des Quarterbacks an diesem Abend, nachdem er zuvor einmal selbst gelaufen war und vier Scores durch die Luft produziert hatte.
Die endgültige Entscheidung folgte praktisch unmittelbar danach. Sean Trotter erreichte Bachmeier beim nächsten Rams Spielzug, schlug dem Quarterback den Ball aus der Hand und Marvin Wappl sicherte den Fumble an der Alpine 32. Wien benötigte gerade einmal zwei Spielzüge. Pajarinen lief zunächst 14 Yards, nach einem False Start fand Holmes Tight End Bernhard Seikovits über 23 Yards zum 47:10. Damit hatte Holmes innerhalb von weniger als dreieinhalb Vierteln sechs Touchdowns produziert. Seine Zahlen waren entsprechend außergewöhnlich: 20 von 23 Pässen kamen für 293 Yards und fünf Touchdowns an, dazu erzielte er einen weiteren Touchdown selbst. Keine Interception, kein Sack und eine Completion Rate von 87 Prozent bedeuteten ein nahezu perfektes Spiel mit einem Passer Rating von 158,33. Danach war sein Arbeitstag beendet und Backup Nico Hrouda durfte übernehmen.
Alpine ließ sich vom deutlichen Rückstand allerdings nicht hängen. Gerade Bachmeier war anzumerken, dass er weiter aggressiv nach vorne spielen wollte. Beim vierten Versuch und acht Yards fand er Aaron David tief für einen 38 Yard Touchdown zum 17:47. David entwickelte sich überhaupt zu einem der auffälligsten Rams Akteure und beendete die Begegnung mit sieben Receptions für 121 Yards und einem Touchdown. Im letzten Viertel stellte Bachmeier dann noch einmal einen langen Drive zusammen. Elf Spielzüge über 64 Yards führten schließlich zu einem 17 Yard Touchdown auf Jared Scott. Damit hatte Alpine drei seiner letzten vier längeren Angriffsserien mit Touchdowns abgeschlossen und das Ergebnis zumindest deutlich freundlicher gestaltet. Ein weiterer Drive brachte die Rams später noch einmal bis an die Wiener 18 Yard Linie. Dabei packte Alpine sogar einen Trickspielzug aus, Kevin Kaya warf einen Pass auf seinen eigenen Quarterback Bachmeier. Beim vierten Versuch fand Bachmeier anschließend jedoch Kaya nicht und Wien übernahm den Ball.
Die Statistiken des Rams Quarterbacks zeigen deshalb ziemlich gut, warum das Endergebnis allein die Leistung der Alpine Offense nicht vollständig widerspiegelt. Bachmeier komplettierte 36 seiner 52 Pässe für 419 Yards und drei Touchdowns bei einer Interception. Zusätzlich war er mit 37 Rushing Yards sogar der beste Läufer seines Teams. Allerdings wurde er fünfmal zu Boden gebracht und verlor den entscheidenden Fumble im dritten Viertel. Vor allem fehlte Alpine ein Laufspiel, das die Vikings wirklich respektieren mussten. Gerade einmal acht Läufe standen am Ende für die Rams zu Buche. Dadurch lag ein enormer Teil der Verantwortung auf Bachmeier, der trotzdem vier verschiedene Passempfänger regelmäßig einband. Neben David mit 121 Yards durchbrach auch Jared Scott mit acht Catches für 102 Yards und einem Touchdown die 100 Yard Marke. Kevin Kaya fing elf Pässe für 76 Yards, Lucas Davoine acht für 71 Yards und einen Touchdown.
Wien war dagegen wesentlich ausgeglichener. Neben den 377 Passing Yards kamen die Vikings auf 187 Yards am Boden. Wiesigstrauch führte das Laufspiel mit 73 Yards bei neun Versuchen und einem Touchdown an, Johannes Schuetz sammelte 69 Yards bei elf Läufen und Pajarinen weitere 45 Yards bei lediglich fünf Versuchen. Im Passspiel war Yannick Mayr der produktivste Receiver. Sieben Catches für 126 Yards und sein 40 Yard Touchdown machten ihn zu einem der Topperformer der Partie. Philipp Haun fing fünf Bälle für 70 Yards und zwei Touchdowns, Stewart Jr. steuerte vier Receptions für 44 Yards und einen Score bei, während Seikovits mit zwei Catches für 35 Yards ebenfalls die Endzone erreichte. Besonders beeindruckend war dabei die Verteilung. Vier verschiedene Wiener Passempfänger fingen einen Touchdown, während die Offensive Line Holmes keinen einzigen Sack erlaubte.
Auch defensiv gab es bei den Vikings einige herausragende Leistungen. Zoltan Golita führte das Team mit elf Tackles an, Moriz Elmauthaler kam auf neun. Besonders großen Einfluss hatte aber Sean Trotter. Der Defensive End war an drei Sacks beteiligt und erzwang den Fumble von Bachmeier, der unmittelbar zum Touchdown auf Seikovits führte. Amani Dennis steuerte neben sechs Tackles die wichtige Interception im ersten Viertel bei. Auf Seiten der Rams hatte Cameron Bergeron mit 14 Tackles einen arbeitsreichen Abend, Jamal Okeke kam auf zwölf. Dass zwei Defensive Backs zusammen 26 Tackles verbuchten, zeigt allerdings auch, wie häufig die Vikings bereits mit Raumgewinn in die zweite Ebene der Alpine Defense kamen. Kein einziger Sack und lediglich ein Tackle for Loss gelangen der Rams Defense gegen eine Wiener Offense, die über weite Strecken das Tempo diktierte.
Der 47:24 Erfolg war damit weniger eine Demonstration vollständiger Dominanz als vielmehr eine Demonstration offensiver Effizienz. Alpine bewegte den Ball, produzierte explosive Plays und Bachmeier bestätigte nach seinem spektakulären Debüt erneut, welche Qualität er der Rams Offense geben kann. Doch gegen eine Mannschaft wie Wien reichen Yards allein nicht. Die Rams ließen zu viele Chancen liegen, während die Vikings ihre Möglichkeiten beinahe gnadenlos verwerteten. Sieben ihrer ersten sieben Drives endeten mit Touchdowns. Erst nachdem Holmes vom Feld gegangen war und zahlreiche Rotationsspieler ihre Einsatzzeit erhielten, blieb Wien ohne weitere Punkte.
Für die Vikings war es nach der Niederlage gegen Wroclaw vor allem die gewünschte Reaktion. Mit dem zehnten Saisonsieg sicherten sie sich zugleich den Conference Titel und damit den Heimvorteil im Halbfinale. Gleichzeitig konnten sie in der zweiten Hälfte Leistungsträger herausnehmen und Spielern aus der zweiten Reihe wertvolle Snaps geben. Hrouda brachte sechs von elf Pässen für 84 Yards an, Emil Eckerstorfer nutzte seine Einsatzzeit für drei Catches und 52 Yards. Zum Abschluss der Regular Season empfangen die Vikings nun die Firenze Red Lions im Wiener Sport Club Stadion. Die Alpine Rams reisen dagegen zu den Paris Lights und bekommen dort die Gelegenheit zur Revanche für die knappe Niederlage aus Week 5. Nach dem Auftritt gegen Wien ist zumindest eines klar: An offensivem Potenzial mangelt es den Rams mit Bachmeier nicht. Entscheidend wird sein, aus diesem Potenzial künftig auch deutlich häufiger Punkte zu machen.
PassionPress - 16.08.2026

Vienna Vikings at Alpine Rams (© Hannes Jirgal / Vienna Vikings)
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