Das erste Halbfinale der European Football Alliance zwischen den Munich Ravens und Frankfurt Galaxy hatte nicht nur sportlich einiges zu bieten. Mit 52:33 setzten sich die Ravens im Frankfurter Stadion am Bornheimer Hang durch und lösten damit das Ticket für das Endspiel. Nach der Partie rückte allerdings eine Szene aus dem Schlussviertel in den Mittelpunkt. Galaxy-Quarterback Zach Calzada wurde nach einer Auseinandersetzung mit einem Spieler der Munich Ravens disqualifiziert. Inzwischen hat auch die EFA reagiert und eine offizielle Untersuchung des Vorfalls angekündigt.
Schon zuvor war die Begegnung von zahlreichen Emotionen geprägt. Auf dem Feld kam es wiederholt zu Provokationen, dabei fiel unter anderem Ravens-Receiver Malik Stanley auf. Für zusätzliche Brisanz sorgte ein harter Hit gegen Calzada bereits im ersten Drive. Der Frankfurter Quarterback musste anschließend vom Feld und wurde auf eine mögliche Gehirnerschütterung untersucht, konnte später jedoch in die Begegnung zurückkehren.
Rund sechs Minuten vor dem Ende eskalierte die Situation schließlich. Calzada ließ sich nach einer weiteren Auseinandersetzung mit einem Defensive End der Ravens provozieren und riss seinem Gegenspieler den Helm vom Kopf. Daraufhin entwickelte sich ein größerer Auflauf auf dem Spielfeld. Mehrere Flaggen flogen, Calzada wurde von den Schiedsrichtern disqualifiziert und musste die Partie vorzeitig verlassen. Die Aktion des Quarterbacks war unabhängig von der Vorgeschichte nicht zu rechtfertigen. Gleichzeitig hatte sich die Stimmung zwischen beiden Mannschaften bereits über einen längeren Zeitraum aufgeheizt.
Galaxy-Head-Coach Thomas Kösling ordnete die Ereignisse unmittelbar ein. Dabei verwies er auch auf die vorausgegangenen Situationen und die aus seiner Sicht nicht immer konsequente Linie der Unparteiischen. Nach der Begegnung meinte er im BR-Interview auf Nachfrage von Spielfeldreporter Philipp Hofmeister: "Es war ein hochemotionales Game von zwei Mannschaften, die sich nichts schenken. Es gab ein, zwei Situationen – auf unserer Seite das Taunting, dann den Hit gegen unseren Quarterback. Da muss man als Schiedsrichter eine klare Linie fahren, damit das nicht ausartet. Es wurde ein bisschen laufen gelassen beziehungsweise akzeptiert. Natürlich ist dann auch nicht gut, was wir machen. Aber noch mal: Das sind zwei hochemotionale Teams, und Football ist ein physischer Sport. Ich glaube, das hat ein bisschen dazu geführt. Aber jetzt ist alles gut, die geben sich die Hand. Das ist auch Football, und das darf man nicht überdramatisieren."
Kösling spielte die Auseinandersetzungen damit nach Spielende eher herunter, machte zugleich aber deutlich, dass aus seiner Sicht schon früher konsequenter hätte eingegriffen werden müssen. Insbesondere das Taunting sowie der harte Hit gegen Calzada hätten demnach zu einer Entwicklung beigetragen, bei der die Emotionen zunehmend hochkochten. Gleichzeitig stellte der Head Coach ausdrücklich fest, dass auch das spätere Verhalten auf Seiten der Galaxy nicht in Ordnung gewesen sei.
Für die European Football Alliance ist die Angelegenheit mit dem Schlusspfiff allerdings noch nicht beendet. Die Liga veröffentlichte am Sonntag ein Statement zu den Geschehnissen beim Halbfinale. Namen nennt die EFA darin zwar nicht, spricht jedoch ausdrücklich von einem "schwerwiegenden Vorfall unter Beteiligung eines Spielers". In der Mitteilung erklärte die Liga: "Die European Football Alliance hat Kenntnis von einem schwerwiegenden Vorfall unter Beteiligung eines Spielers während des gestrigen Spiels zwischen den Munich Ravens und Frankfurt Galaxy. Der Vorfall wird gemäß den Ligaregeln und unter Einhaltung des vorgesehenen Verfahrens untersucht."
Bis zum Abschluss dieser Prüfung will sich die Liga nicht weiter zu dem Geschehen äußern. "Während diese Untersuchung läuft, werden wir uns nicht weiter dazu äußern. Eine Entscheidung wird bekannt gegeben, sobald das Verfahren abgeschlossen ist. Die EFA verpflichtet sich der Sicherheit, Integrität und den Verhaltensstandards, die wir in unserer gesamten Liga erwarten", teilte die European Football Alliance weiter mit.
Welche Konsequenzen aus der Untersuchung entstehen könnten, ließ die EFA offen. Auch über eine mögliche Sperre oder andere Sanktionen machte die Liga bislang keine Angaben. Damit bleibt zunächst abzuwarten, wie die Verantwortlichen die Szenen bewerten und ob neben Calzadas Disqualifikation während des Spiels weitere sportrechtliche Konsequenzen folgen.
Sportlich war die Saison für Frankfurt bereits mit dem Schlusspfiff beendet. Die Ravens brachten ihren Vorsprung über die Zeit und gewannen mit 52:33. Damit steht München als erster Finalist fest. Für Calzada könnte die Begegnung dennoch ein Nachspiel haben. Bemerkenswert ist dabei der unterschiedliche Ton nach der Partie. Während Kösling die Geschehnisse in den Kontext eines hochemotionalen und physischen Footballspiels stellte und davor warnte, sie zu überdramatisieren, bezeichnet die Liga den Vorfall ausdrücklich als schwerwiegend und hat eine Untersuchung eingeleitet.
Wann die EFA ihre Entscheidung bekanntgeben wird und ob daraus Sanktionen gegen Calzada oder möglicherweise weitere Beteiligte entstehen, ist derzeit offen.
PassionPress - 16.08.2026

Galaxy Head Coach Thomas Kösling (© Foto: PFA/Bjoern Kecker)
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