Berlin Thunder hat in sportlich wie wirtschaftlich turbulenten Tagen ein deutliches Ausrufezeichen gesetzt. Die Berliner gewannen ihr Auswärtsspiel bei den Paris Lights mit 47:8 und zeigten dabei eine ihrer stärksten Vorstellungen der laufenden AFLE-Saison. Quarterback Jakeb Sullivan überragte mit sieben Touchdown-Pässen und stellte damit einen neuen Liga-Rekord auf. Vor dem Spiel hatte Thunder allerdings weniger mit sportlichen als mit wirtschaftlichen Nachrichten für Schlagzeilen gesorgt. Das Amtsgericht Charlottenburg widerrief mit Wirkung zum 12. August 2026 die Eigenverwaltung der Berliner Franchise und bestellte Rechtsanwalt Prof. Dr. Torsten Martini zum Insolvenzverwalter. Am 9. September soll zudem eine Gläubigerversammlung stattfinden.
Auf dem Feld ließ sich die Mannschaft die Unruhe nicht anmerken. Thunder übernahm in Paris früh die Kontrolle und ging durch einen 15-Yard-Touchdown-Pass von Sullivan auf Bais Kouanda mit 6:0 in Führung. Im zweiten Viertel legte das Duo spektakulär nach. Sullivan fand Kouanda zu einem 91-Yard-Touchdown und erhöhte damit auf 12:0. Anschließend rückte Jon Cole in den Mittelpunkt. Der Receiver fing noch vor der Pause zwei Touchdown-Pässe seines Quarterbacks über zwei und 18 Yards. Berlin ging mit einer komfortablen 24:0-Führung in die Kabine, während die Lights offensiv kaum Lösungen gegen die Thunder-Defense fanden.
Nach dem Seitenwechsel setzte sich das Bild fort. Sullivan bediente erneut Cole zum Touchdown und Nils Schauerte erhöhte mit einem Field Goal auf 34:0. Im Schlussviertel schrieb der Berliner Quarterback schließlich AFLE-Geschichte. Zunächst fand er Kouanda über sechs Yards zu seinem sechsten Touchdown-Pass, anschließend bediente er Cole über acht Yards. Es war Sullivans siebter Touchdown-Pass der Partie und damit ein neuer Single-Game-Rekord in der AFLE. Erst rund vier Minuten vor dem Ende gelang Paris durch einen 50-Yard-Lauf von Armand Soulerot der einzige Touchdown des Nachmittags. Nach erfolgreicher Two-Point-Conversion stand der 47:8-Endstand fest.
Sullivans Statistiken unterstreichen die außergewöhnliche Vorstellung. Der US-Amerikaner brachte 37 seiner 45 Passversuche für 461 Yards und sieben Touchdowns an, ohne eine Interception zu werfen. Seine beiden wichtigsten Anspielstationen waren dabei kaum zu stoppen. Kouanda fing zehn Pässe für 212 Yards und drei Touchdowns, Cole kam auf 14 Receptions für 104 Yards und vier Scores. Alle sieben Touchdown-Pässe Sullivans gingen damit an das Duo. Insgesamt produzierte Berlin 568 Yards Raumgewinn und verbuchte 32 First Downs. Paris kam dagegen auf lediglich zehn First Downs und verwandelte nur zwei von elf Third Downs.
Ganz ohne Schwächen verlief der Nachmittag für Thunder allerdings nicht. Berlin leistete sich zehn Strafen für insgesamt 97 Yards und verlor einen von drei eigenen Fumbles. Zudem ließ die Defense trotz der ansonsten dominanten Vorstellung 187 Rushing Yards zu. Gegen die offensiv schwachen Lights blieb dies ohne größere Folgen, vor den kommenden Aufgaben dürfte es dennoch genügend Ansatzpunkte für den Trainerstab geben. Gleichzeitig zeigte die Partie, welches Potenzial in der Berliner Mannschaft steckt, wenn Sullivan und seine Receiver ihren Rhythmus finden.
Damit könnten die Gegensätze rund um Berlin Thunder derzeit kaum größer sein. Während die Mannschaft in Paris sportlich einen ihrer überzeugendsten Auftritte zeigte und Sullivan einen Ligarekord aufstellte, bleibt die wirtschaftliche Zukunft der Franchise ein bestimmendes Thema. Durch den Widerruf der Eigenverwaltung hat sich die Situation noch einmal verändert. Verpflichtungen gegenüber der Schuldnerin sollen nach dem Gerichtsbeschluss nicht mehr gegenüber dieser, sondern gegenüber dem eingesetzten Insolvenzverwalter erfüllt werden. Die Gläubigerversammlung am 9. September dürfte deshalb zu einem wichtigen Termin für den weiteren Verlauf des Verfahrens werden.
Zunächst geht es für Thunder aber noch einmal um Football. Zum Abschluss der Regular Season wartet das erneute Duell mit den Panthers Wroclaw. Nach dem 47:8 in Paris können die Berliner zumindest sportlich mit reichlich Rückenwind in die Partie gehen. Die wirtschaftlichen Fragen werden damit nicht verschwinden, doch für einige Stunden gelang es Thunder in Paris, die Aufmerksamkeit wieder auf das Spielfeld zu lenken. Dort lieferte ausgerechnet in einer schwierigen Phase vor allem Sullivan eine Vorstellung, die in der Premierensaison der AFLE in Erinnerung bleiben dürfte.
PassionPress - 16.08.2026

Quarterback Jakeb Sullivan gibt letzte Anweisungen vorm Spielzug (© Foto: Foot Bowl/Rico Doninelli)
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