So gut wie jeder College Football Spieler geht in das Trainingslager mit der Aussage, er habe sich noch nie besser gefühlt und befindet sich in der Form seines Lebens. Im Fall von Oklahoma Quarterback John Mateer muss man es sehen, um es zu glauben.
Mateer sorgte im Sommer – genauer gesagt Ende Juni bei der Manning Passing Academy mit einem deutlich muskulöseren Körperbau für Aufsehen. Er befeuerte die Diskussionen zusätzlich, indem er mehrere Fotos ohne Shirt auf Instagram postete. In sozialen Medien, auf Reddit – kamen Fragen auf, wie: "Ist so viel Muskelmasse gut fürs Werfen?" – und in einigen Podcasts wurde darüber spekuliert, ob Mateers kräftige Statur die Geschmeidigkeit und Beweglichkeit seiner Wurfbewegung beeinträchtigen könnte.
Mateer erlebte eine wechselhafte Saison 2025, die durch eine Handverletzung im Spiel gegen Auburn Ende September beeinträchtigt wurde. Er kehrte rechtzeitig für das "Red River Rivalry"-Duell gegen Texas zurück, agierte jedoch bis kurz vor Saisonende als Passgeber nicht mehr auf seinem gewohnten Niveau. In der Offseason begann er, gemeinsam mit seinen Offensive Linemen zu trainieren und legte dabei etwa fünf bis zehn Pfund an Gewicht zu. Er geht mit einem offiziell gelisteten Gewicht von 224 Pfund (ca. 102 kg) ins Herbst-Trainingslager.
Pat Powers, ein ehemaliger Mitarbeiter für Football-Analytik bei Northern Illinois, Assistenztrainer im High School Football und Sportwissenschaftler für Driveline Baseball sowie die NFL – erklärte vor wenigen Tagen, dass die Vorstellung, Mateers Muskelmasse könnte seine Fähigkeiten als Passgeber einschränken, aus kinematischer Sicht absolut nicht zutrifft. "Nein, das ist falsch", sagte Powers. "Basketball ist ein gutes Beispiel dafür, dass die Behauptung, Krafttraining mache einen weniger beweglich, schlichtweg falsch ist. Das bestätigt sich in der Realität nicht. Zudem berücksichtigt jedes vernünftige Trainingsprogramm diesen Aspekt und arbeitet gezielt an Mobilität, Flexibilität und dieser Art von Fitness." Mateers angegebenes Gewicht ist keineswegs ein Ausreißer. Arch Manning wird mit 222 Pfund geführt, Gunner Stockton mit 215 und Byrum Brown mit 235. Sollte sich Austin Mack bei Alabama als Starting-Quarterback durchsetzen, wäre er mit 237 Pfund der schwerste Starter der SEC. Laut Powers kann eine Gewichtszunahme Mateer sogar zugutekommen. "Jeder Spieler passt sich anders an. Es ist nicht so, dass man automatisch fünf Pfund zunimmt und sich daraufhin die Beugung im Ellbogen oder die Abduktion in der Schulter verschlechtert", erklärte Powers. "Das ist von Spieler zu Spieler unterschiedlich. Hier kommen auch ökologische Dynamiken ins Spiel: Ein Großteil der Anpassung der sportlichen Fertigkeiten besteht darin, zu lernen, wie sich der eigene Körper verändert. Deshalb gibt es Konzepte wie ‚Deloading-Wochen‘ oder spezielle Trainingszyklen, in denen man dem Körper eine Woche Zeit zur Erholung und zur Anpassung an die vollzogenen Veränderungen gibt. Es lässt sich also nicht eins zu eins sagen: ‚Das ist passiert, also folgt jenes.‘ Es ist eher eine Frage der Balance zwischen allgemeinem und spezifischem Training. Das Gewichtheben fällt unter den Begriff der allgemeinen Fitness, während die eigentlichen Wurfübungen als spezifisches Training gelten." "Im Grunde verschafft dir eine Verbesserung deiner allgemeinen Fitness mehr Kapazität, um sowohl mehr zu trainieren als auch über die nötigen körperlichen Voraussetzungen zu verfügen, um spezifische Fertigkeiten zu optimieren."
Mateer ist ein ehemaliger Baseballspieler. Tatsächlich ließ er als High School-Schüler die "7-on-7"-Football-Camps in der Offseason sausen, um stattdessen auf dem Baseballfeld zu stehen. Man erkennt seinen Baseball-Hintergrund an der Art, wie er einen Football wirft – seine Wurfbewegung erfolgt viel stärker aus der seitlichen Armhaltung, fast so, als würde ein Shortstop ein Double Play einleiten. Doch sich allein auf Mateers Wurfarm zu konzentrieren, könnte in die Irre führen.
Auch wenn man meinen könnte, das Werfen eines Baseballs sei eins zu eins mit dem Werfen eines Footballs vergleichbar, sollte man bedenken, dass es viel mehr Überschneidungen mit dem Schlagvorgang (Hitting) gibt. Dies galt vor Jahren auch für einen anderen Quarterback der OU, Kyler Murray, der von den Oakland As gedraftet wurde, bevor er sich für die NFL entschied. Murray sagte gegenüber *The Oklahoman*: "Ich kann den ganzen Tag Football werfen, ohne dass mein Arm müde wird ... Wenn ich jedoch eine gewisse Zeit lang Baseball werfe, wird er etwas wund."
Der Grund dafür liegt in den genauen Abläufen beim Wurf eines Footballs durch einen Quarterback, wie Quarterback-Experte Yogi Roth erklärt. "Wir verwenden ständig einen bestimmten Spruch: Bodenkraft entspricht Rotationskraft. Wenn ein Baseballspieler zum Schlag ausholt und Kraft mit dem Schläger oder auch beim Wurf erzeugt – das ist es genau dasselbe wie bei einem Quarterback." Viele berühmte Quarterbacks – wie Brett Favre, Aaron Rodgers oder Dan Marino –, leisten eigentlich gar nicht so viel Arbeit mit den Armen. Sie nutzen eher ihre Rumpfmuskulatur, um Rotationskraft aus dem Boden zu generieren und diese im Grunde durch den Körper nach oben zu leiten; der Ball schnellt dabei fast wie ein Nebenprodukt aus ihren Händen. Die rechte Hüfte leistet dabei die meiste Arbeit. Das unterscheidet Mateer auch von einem ähnlichen Beispiel eines muskulösen Passgebers, bei dem es Bedenken gab: Tim Tebow. Bei ihm stand die Wurfkraft außer Frage, doch seine Präzision war aufgrund einer langen, weit ausholenden Wurfbewegung problematisch. Das Manko an Tebows Technik war, dass sie zu sehr auf den Arm fixiert war – er setzte zu stark den Oberkörper ein, anstatt effizient mit dem Unterkörper zu arbeiten. Ein früherer Scouting-Bericht zu Tebow (der rund 235 Pfund wog) wies auf dieses Manko seinerzeit hin: "Die Wurfauslösung ist viel zu langsam, um Bälle gegen NFL-Defensive-Backs präzise zu platzieren. Auslösungspunkt und Mechanik (eine weit ausholende, windmühlenartige Bewegung, bei der der Ball zu tief freigegeben wird) müssen wahrscheinlich angepasst werden."
Was sollte man also von dem oben ohne trainierenden Mateer halten? Eigentlich nicht viel mehr als die Erkenntnis, dass er wahrscheinlich in deutlich besserer körperlicher Verfassung ist als man selbst. Das bedeutet nicht, dass er zu steif sein wird, um tiefe Pässe auf Isaiah Sategna oder Parker Livingstone zu werfen. Da Mateer zudem oft selbst mit dem Ball läuft, könnte ihm seine Physis sogar helfen, der hohen körperlichen Belastung in der SEC standzuhalten. Doch das Training und Coaching eines technisch versierten Passgebers in der SEC ist komplex – und etwa 10 Pfund Muskelmasse werden ihn sicher nicht ruinieren.
Schlüter - 13.08.2026

#10 QB John Mateer (Oklahoma Sooners) (© Getty Images)
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