Extrem harte Qualifikation

Michael SchwarzerMichael Schwarzer ist der Geschäftsführer des AFVD und gab dem DOSB Mitteilungsorgan "Spotlight" wenige Tage vor dem Start der Flag Football WM in Düsseldorf ein Interview.

Schwarzer betonte, dass das Turnier noch nie mit der Aussicht auf eine Qualifikation für die Olympischen Spiele ausgetragen wurde und das Tempo, mit dem Flag Football gewachsen ist, als enorm zu bezeichnen ist: "Vor der Aufnahme ins olympische Programm hatten wir 780 Mitglieder in 52 Mannschaften, laut der aktuellen Erhebung von Mai 2026 sind wir nun bei 8784 Mitgliedern in 601 Mannschaften. Um diesem Ansturm gerecht zu werden, haben wir uns mit den Landesverbänden zusammengetan, um zu ergründen, welche Schritte wir gemeinsam gehen konnten. Zum Beispiel musste eine komplette Trainerausbildung implementiert werden, denn es gab schlicht keine Trainerinnen und Trainer, die auf Flag Football spezialisiert waren. Man muss aber die Tackle-Variante und Flag Football unbedingt differenziert betrachten. Das ist der Grund dafür, dass es bislang noch keine A-Lizenz-Inhaber in Deutschland gibt. Strukturell sind wir an manchen Stellen noch nicht so weit, wie wir sein müssten und sein wollten, so ehrlich müssen wir sein."

Über die Chancen der beiden deutschen Flag Football Nationalmannschaften äußerte er sich wie folgt: "Alle, die für das deutsche Flag-Football-Programm in diese WM gehen, müssen das Ziel haben, sich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren, sonst bräuchten wir den ganzen Aufwand nicht auf uns zu nehmen. Neben Topfavorit USA, der als Gastgeber gesetzt ist, qualifizieren sich bei der WM zwei weitere Mannschaften pro Geschlecht für Los Angeles 2028. Wir sind realistisch genug, um zu wissen, dass das angesichts der Konkurrenz aus Mexiko und Kanada sehr schwierig wird. Unser klares Ziel für beide Teams ist es, die Gruppenphase zu überstehen und damit zu den besten acht der Welt zu gehören. Wenn man das erreicht hat, ist der Weg gar nicht mehr so weit. Über die WM hinaus erhoffe ich mir, dass wir unseren Sport noch bekannter machen und dadurch interessanter für neue Mitglieder, aber auch für neue Partner werden. Wir wollen mit unserem Sport die Menschen begeistern ...... Die Qualifikation ist extrem hart, das ist uns bewusst. Wer es über die WM nicht schafft, muss im kommenden Jahr bei den Kontinentalturnieren unter die besten zwei kommen, um sich einen Platz für das finale Qualifikationsturnier Anfang 2028 zu sichern. Und ich glaube, dass es realistisch für uns ist, mit einem Team in Los Angeles dabei zu sein. Damit es beide werden, muss wirklich alles passen und zusätzlich ein Wunder geschehen .... Bei den Frauen ist die Chance höher, weil der Markt kontrollierbarer und deshalb besser planbar ist. Bei den Männern dürfen vom kommenden Jahr an die Profis aus der NFL im Flag Football trainieren und 2028 auch an Spielen teilnehmen. Ob das schon das finale Qualifikationsturnier einschließt, ist noch unklar. Aber dadurch wird das gesamte System extrem in Bewegung kommen. Ich hoffe sehr, dass Amon-Ra St. Brown Lust hat, für Deutschland Flag Football zu spielen. Er ist einer der besten Receiver der NFL, so jemanden hätte jedes Team gern im Kader. Aber ob das realistisch ist und welche Bewegung durch die Einbindung der NFL-Profis in das Thema kommt, bleibt abzuwarten.

Über die Chancen von Flag Football nach den Olympischen Spielen 2028 weiterhin im olympischen Programm zu bleiben, äußerte sich Schwarzer wie folgt: "Ich fürchte, dass wir in Los Angeles leider eine einmalige Chance haben werden. Ohne die NFL wäre Flag Football auch dort nicht im Programm, unser Weltverband hätte das allein niemals geschafft. Und angesichts der Neuausrichtung im IOC, das das Wettkampfprogramm deutlich reduzieren möchte, scheint es mir sehr fraglich, dass wir in Brisbane 2032 noch dazugehören. Aber wir sind 2029 im Programm der World Games in Karlsruhe gesetzt – und als Gastgeber auch qualifiziert. Das ist ein schöner Anreiz, auch weiterhin mit voller Motivation am Ball zu bleiben. Meine Hoffnung ist, dass der Hype nicht nur kurz für die Olympischen Spiele anhält, sondern sich verstetigt und wir eine nachhaltige Entwicklung nehmen. Mein größter Wunsch ist, dass die, die heute in Deutschland Flag Football auf internationalem Niveau spielen, dem Sport auch in Zukunft erhalten bleiben und zum Beispiel Trainerinnen und Trainer werden, denn das brauchen wir, um nachhaltig erfolgreich zu sein."

Schlüter - 12.08.2026

Michael Schwarzer

Michael Schwarzer (© Joachim Storch / AFVD)

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