Frankfurt Galaxy hat im entscheidenden Moment der Regular Season zurück in die Erfolgsspur gefunden. Nach drei Niederlagen in Serie gewannen die Hessen ihr letztes Hauptrundenspiel bei den Prague Lions mit 37:34 und sicherten sich damit aus eigener Kraft die Teilnahme am BIG4 Playoff Weekend der European Football Alliance. Dabei war die Qualifikation aufgrund der Ausgangslage zwar bereits sehr wahrscheinlich und selbst eine knappe Niederlage hätte unter bestimmten Umständen gereicht, doch nach den schwierigen vergangenen Wochen dürfte vor allem die Art des Erfolgs wichtig gewesen sein. Die Galaxy spielte offensiv wesentlich stabiler, leistete sich keinen Turnover, ließ keinen Sack zu und brachte den Vorsprung in der entscheidenden Schlussphase selbst über die Zeit. Damit steht auch das erste Halbfinale fest: Am kommenden Samstag empfängt Frankfurt die Munich Ravens im Stadion am Bornheimer Hang.
Dabei hätte der Start aus Sicht der Galaxy kaum besser verlaufen können. Ahsan Moore nahm den Opening Kickoff an der eigenen Endzone auf und trug den Ball über 100 Yards zum Touchdown zurück. Gerade einmal 17 Sekunden waren gespielt, als Frankfurt bereits mit 7:0 führte. Prague antwortete durch ein 35-Yard-Field-Goal von Marek Hrubon, doch auch die Galaxy-Offense benötigte nicht lange für ihre ersten Punkte. Der erst während der Bye Week verpflichtete Quarterback Zach Calzada fand Brevin Easton über 33 Yards zum Touchdown und stellte auf 14:3. Die Lions ließen sich davon allerdings nicht abschütteln. Quarterback Jaylon Henderson zeigte früh, welche Gefahr von seiner Mobilität ausgeht, und verkürzte mit einem 30-Yard-Lauf auf 10:14. Im zweiten Viertel brachte Hrubon Prague mit einem Field Goal aus 43 Yards sogar bis auf einen Punkt heran. Das spektakulärste Highlight vor der Pause gehörte dann aber erneut Frankfurt. Nachdem Jaylen Clay elf Sekunden vor dem Ende der ersten Hälfte eine Interception gefangen hatte, bekam Ryan Rimmler noch seine Gelegenheit. Der Galaxy-Kicker verwandelte ein Field Goal aus beeindruckenden 62 Yards und sorgte mit auslaufender Uhr für die 17:13-Halbzeitführung.
Nach dem Seitenwechsel zeigte die Frankfurter Offense ihre wohl stärkste Phase. Über 92 Yards und mehr als sechs Minuten bewegte Galaxy den Ball über das Feld, ehe Gerald Ameln den Drive mit einem 38-Yard-Touchdown-Lauf abschloss. Prague antwortete allerdings sofort. Henderson fand Keyon Lesane Sr. über 46 Yards zum Touchdown und verkürzte auf 20:23. Wieder drohte die Begegnung zu kippen, doch erneut hatte Frankfurt die passende Antwort. Calzada suchte den tiefen Pass und fand Easton für einen 56-Yard-Touchdown. Der Wide Receiver entwickelte sich mit fünf Receptions für 110 Yards und zwei Touchdowns zum wichtigsten Passempfänger der Hessen. Gleichzeitig funktionierte auch das Laufspiel deutlich besser als zuletzt. Antony Marvyn Bouembe erlief bei 18 Versuchen 113 Yards, Ameln steuerte 60 Yards und einen Touchdown bei. Insgesamt brachte es die Galaxy auf 182 Rushing Yards und starke 6,3 Yards pro Lauf.
Besonders ermutigend mit Blick auf die Playoffs dürfte die Entwicklung von Calzada gewesen sein. Nach seinem schwierigen Debüt bei der deutlichen 9:47-Niederlage gegen Nordic Storm zeigte sich der neue Quarterback in seinem zweiten Spiel wesentlich besser mit der Offense abgestimmt. Calzada brachte 14 seiner 19 Pässe für 183 Yards und drei Touchdowns an, warf keine Interception und wurde kein einziges Mal gesackt. Insgesamt produzierte Frankfurt 365 Yards Raumgewinn. Besonders auffällig war die Effizienz nach der Halbzeit: Alle sechs Third Downs der Galaxy in der zweiten Hälfte wurden erfolgreich ausgespielt. Nach dem Quarterback-Wechsel und den drei Niederlagen in Folge war es genau jene Stabilität, die Frankfurt unmittelbar vor Beginn der K.o.-Phase dringend benötigte. Ahsan Moore beschrieb nach der Partie zudem die neu gewonnene Energie innerhalb der Mannschaft mit den Worten: "Die Offense pusht die Defense, die Defense pusht die Offense", so der Returner.
Ein Selbstläufer war der Sieg trotzdem nicht. Prague war bereits vor dem letzten Spieltag praktisch aus dem BIG4-Rennen ausgeschieden, verabschiedete sich aber mit erheblicher Gegenwehr aus der Saison. Vor allem Henderson bereitete der Frankfurter Defense große Probleme. Der Quarterback warf für 331 Yards und zwei Touchdowns und sorgte zusätzlich am Boden immer wieder für Gefahr. Mit seinen Scrambles und Quarterback Runs hielt er Drives am Leben und erzielte selbst zwei Rushing Touchdowns. Insgesamt kamen die Lions auf 436 Yards und 26 First Downs. Besonders häufig suchte Henderson Lesane, der zwölf Pässe für 148 Yards und einen Touchdown fing. Martin Havelka steuerte 52 Receiving Yards bei und sorgte zu Beginn des vierten Viertels mit seinem 33-Yard-Touchdown dafür, dass Prague beim Stand von 27:30 wieder bis auf drei Punkte herankam. Aus Galaxy-Sicht dürfte gerade die Anfälligkeit gegen einen mobilen Quarterback ein Thema für die kommende Trainingswoche sein. Mit Russell Tabor wartet im Halbfinale schließlich der nächste Spielmacher, der einer Defense auch mit seinen Beinen Probleme bereiten kann.
Gerade in dieser kritischen Phase zeigte Frankfurt allerdings eine Qualität, die in den vergangenen Wochen zu häufig gefehlt hatte. Statt nach dem Anschlusstouchdown die Kontrolle zu verlieren, antwortete die Galaxy mit einem strukturierten Drive über 58 Yards. Calzada fand zunächst Adria Botella Moreno für 20 Yards und später Tyler Foster bei einem wichtigen Third Down. Nach acht Spielzügen bediente der Quarterback Normen Schumm aus acht Yards zum Touchdown und stellte auf 37:27. Entschieden war die Partie damit noch immer nicht. Prague marschierte in einem mehr als sechs Minuten langen Drive über 88 Yards und Henderson brachte den Ball schließlich selbst aus einem Yard in die Endzone. Plötzlich stand es 37:34 und noch 3:31 Minuten waren zu spielen. Anders als bei einigen engen Situationen zuvor gab Frankfurt den Ball jedoch nicht mehr aus der Hand. Bouembe erlief gleich mehrere neue First Downs, zwang die Lions zum Verbrauch ihrer verbliebenen Timeouts und ermöglichte Calzada schließlich, die Partie abzuknien.
Damit beendet Frankfurt die Regular Season mit vier Siegen und sechs Niederlagen. Diese Bilanz zeigt auch, wie wechselhaft die erste Saison der neuen Galaxy in der EFA verlaufen ist. Nach drei Niederlagen in Folge war der Druck vor dem letzten Spieltag erheblich gestiegen. Umso wichtiger dürfte sein, dass die Mannschaft unmittelbar vor dem BIG4 offensiv eine ihrer ausgeglicheneren Vorstellungen zeigte. Kein Turnover, kein zugelassener Sack, 182 Rushing Yards, drei Touchdown-Pässe von Calzada und eine perfekte Third-Down-Ausbeute nach der Pause sind Werte, auf denen sich aufbauen lässt. Gleichzeitig zeigten die 34 zugelassenen Punkte und die Probleme mit Hendersons Mobilität, dass längst nicht alle Baustellen verschwunden sind. Von einer Glanzvorstellung zu sprechen, wäre deshalb zu viel. Es war jedoch genau der Sieg, den Frankfurt nach den vergangenen Wochen benötigte.
Viel Zeit zum Genießen bleibt ohnehin nicht. Bereits am Samstag wartet im Stadion am Bornheimer Hang das BIG4-Halbfinale gegen die Munich Ravens. Die Rollen dürften dort deutlich verteilt sein, doch Frankfurt geht zumindest nicht mit einer vierten Niederlage in Folge in das German Derby. Stattdessen kehrt die Galaxy mit einem Playoff-Ticket, einer deutlich verbesserten Offense und neuem Selbstvertrauen aus Prague zurück. Die Regular Season ist damit abgehakt. Ab jetzt zählt für die Hessen nur noch ein Spiel und mit den Ravens wartet die bislang größte Herausforderung.
PassionPress - 11.08.2026

Kicker Ryan Rimmler (© PFA/Klaus Sack)
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