Panthers Wroclaw stürzen ungeschlagene Vikings

Vikings verlieren beim heimischen Salute to Service GamedayDie perfekte Saison der Vienna Vikings ist beendet. Ausgerechnet vor heimischer Kulisse im Wiener Sport Club Stadion kassierte der bislang ungeschlagene Tabellenführer gegen die Panthers Wroclaw seine erste Niederlage der AFLE Saison. Dabei deutete nach dem ersten Viertel kaum etwas auf eine Überraschung hin. Wien führte bereits mit 21:7 und kontrollierte weite Teile der Partie, doch die Panthers kämpften sich eindrucksvoll zurück und drehten das Spiel in der Schlussphase noch zu einem 34:31 Auswärtserfolg. Vor 4.215 Zuschauern entwickelte sich damit eines der spektakulärsten Spiele der bisherigen Saison. Besonders bemerkenswert war, dass Wroclaw trotz deutlicher statistischer Nachteile gewann. Die Vikings produzierten 498 Netto Yards und damit mehr als 200 Yards mehr als die Panthers, hielten den Ball über 36 Minuten und liefen allein für 320 Yards. Wroclaw kam dagegen auf lediglich 294 Netto Yards und gerade einmal 37 Rushing Yards. Auf der Anzeigetafel standen am Ende trotzdem die Panthers vorne.

Wien erwischte zunächst einen nahezu perfekten Start. Quarterback Ben Holmes bediente Karri Pajarinen über 19 Yards zum ersten Touchdown und fand wenig später Darrell Stewart Jr. aus neun Yards zum 14:0. Wroclaw antwortete durch einen sieben Yards langen Touchdown Pass von Jameson Wang auf Juan Flores Calderon, doch nur 107 Sekunden später stellte Pajarinen den alten Abstand wieder her. Der Running Back brach über 57 Yards durch und erhöhte auf 21:7. Die Panthers ließen sich davon allerdings nicht abschütteln. Wang fand Mike Harley Jr. über 27 Yards und führte sein Team anschließend ausgerechnet nach einem Wiener Turnover on Downs an der eigenen Zwei Yard Linie über 98 Yards über das Feld. Flores Calderon vollendete mit seinem zweiten Touchdown zum 20:21. Kurz vor der Pause schlugen die Vikings noch einmal zurück. Holmes fand Stewart Jr. 14 Sekunden vor der Halbzeit zum 28:20. Der Favorit hatte sich wieder etwas Luft verschafft, doch Wroclaw war längst zurück im Spiel.

Nach der Pause änderte sich das Bild deutlich. Die Panthers Defense fand immer bessere Antworten auf die zuvor kaum zu stoppende Wiener Offense. Besonders wichtig wurde Karlis Brauns. Nachdem die Vikings bereits zuvor bei einem vierten Versuch an der Mittellinie gestoppt worden waren, fing Brauns Ende des dritten Viertels einen Pass von Holmes ab und brachte den Ball bis an die Wiener 39 Yard Linie zurück. Wroclaw benötigte anschließend nur vier Spielzüge, ehe Wang zum zweiten Mal Harley Jr. fand. Der 27 Yard Touchdown brachte die Panthers auf 26:28 heran. Während Wien am Boden weiterhin enorme Zahlen produzierte, gelang es den Gastgebern nicht mehr, ihre Drives konsequent mit Touchdowns abzuschließen. Zu Beginn des Schlussviertels marschierten die Vikings zwar in einem 14 Play Drive bis tief in die Hälfte der Panthers, mussten sich aber mit einem 33-Yard-Field-Goal von Dennis Tasic zum 31:26 begnügen. Gerade diese vergebenen Möglichkeiten sollten sich rächen. Wien erreichte bei fünf Red Zone Besuchen lediglich drei Touchdowns, während Wroclaw alle drei eigenen Red Zone Möglichkeiten in Touchdowns verwandelte.

Die Entscheidung fiel in den letzten viereinhalb Minuten. Nachdem die Panthers Defense Wien erneut zum Punt gezwungen hatte, übernahm Wroclaw an der eigenen Elf Yard Linie. Wang musste sein Team 89 Yards über das Feld führen und stand dabei mehrfach unmittelbar vor dem Aus. Bei einem vierten Versuch und zehn Yards an der Wiener 49 fand er Kacper Jaszewski für 32 Yards. Wenig später brachte eine Pass Interference die Panthers bis unmittelbar vor die Endzone. Bartosz Woch wurde beim ersten Versuch noch gestoppt, drückte den Ball beim nächsten Spielzug aber aus einem Yard über die Linie. Plötzlich führte Wroclaw 32:31. Wang setzte anschließend noch einen drauf und bediente Dylan St. Pierre bei der Two Point Conversion zum 34:31. Wien blieben 71 Sekunden. Holmes brachte die Vikings noch bis an die eigene 49 Yard Linie, doch bei einem vierten Versuch und vier Yards fand sein letzter Pass Philipp Haun nicht. Die Panthers übernahmen sechs Sekunden vor Schluss und konnten ihren überraschenden Auswärtssieg feiern.

Zum Gesicht des Erfolgs wurde Jameson Wang. Der Quarterback komplettierte 28 seiner 46 Pässe für 294 Yards, warf vier Touchdowns und blieb ohne Interception. Weil Wroclaws Laufspiel praktisch nicht existierte, musste der Spielmacher einen großen Teil der offensiven Verantwortung übernehmen. Mike Harley Jr. fing sieben Pässe für 112 Yards und zwei Touchdowns, Flores Calderon kam auf acht Receptions für 55 Yards und ebenfalls zwei Scores. Jaszewski steuerte vier Catches für 83 Yards bei und lieferte mit seinem 32 Yard Catch beim entscheidenden vierten Versuch eines der wichtigsten Plays des gesamten Abends. Auch die Defense machte in den entscheidenden Momenten den Unterschied. Brauns verbuchte neben seiner Interception auch einen Sack, während Krzystof Wis mit zwölf Tackles die meisten Stops der Panthers sammelte. Head Coach Dave Likins hob anschließend insbesondere die Bedeutung des Erfolgs für seine Mannschaft hervor. "Ich habe großen Respekt vor Wien, vor all ihren Coaches, vor Coach Calaycay und Coach Jordan. Aber wie ich schon gesagt habe, freue ich mich vor allem für diese Jungs hier. Besonders für die polnischen Spieler, die hierhergekommen sind und dieses Spiel gewonnen haben. Ich könnte nicht glücklicher und stolzer sein. Das war eine großartige Auswärtsfahrt und ein großer Sieg", erklärte Likins nach der Partie. Auch Harley Jr. zeigte sich emotional und lobte besonders seinen Quarterback: "Dieses Spiel hat uns in gewisser Weise definiert. Wir sind ein Team, das sich verbiegt, aber nicht bricht. Jetzt müssen wir konstant bleiben und von hier an jedes weitere Spiel gewinnen. Ein großes Lob geht an Jameson Wang. Er ist ein echter Kämpfer und ohne ihn wäre das heute nicht möglich gewesen", so der Wide Receiver.

Für Wien war die Niederlage umso bitterer, weil die Vikings offensiv über lange Phasen enorme Zahlen auflegten. Pajarinen war mit 142 Rushing Yards bei 16 Läufen und insgesamt zwei Touchdowns kaum zu kontrollieren. Johannes Schuetz steuerte weitere 61 Yards bei, Albert Wiesigstrauch kam auf 59 und selbst Holmes erlief 58 Yards. Der Quarterback brachte außerdem 19 von 32 Pässen für 184 Yards und drei Touchdowns an, leistete sich allerdings die entscheidende Interception. Stewart Jr. fing sechs Pässe für 77 Yards und zwei Scores. Gleichzeitig schadeten sich die Vikings immer wieder selbst. Zwölf Strafen kosteten die Gastgeber 125 Yards, Wroclaw wurde dagegen lediglich einmal für fünf Yards bestraft. Besonders in einem Spiel, das erst in der letzten Minute entschieden wurde, erwies sich diese fehlende Disziplin als schwerwiegend.

Für die Panthers war der Erfolg zudem bemerkenswert, weil der Kader unmittelbar vor dem Spiel noch einmal deutlich verändert worden war. Unter anderem kamen Running Back Krystian Stepczak, mehrere neue Offensive und Defensive Linemen sowie Defensive Back Jakeen Harris hinzu. Gleichzeitig trennte sich Wroclaw unter anderem von Wiktor Zieba, Lukasz Gembara und Torey Richardson. Auch bei Wien hatte es vor der Partie Veränderungen gegeben. Die Vikings verpflichteten unter anderem Wide Receiver Niklas Lechner, Defensive Lineman Max Hradecny, Linebacker Pius Fellner und Defensive Back Philipp Pennekamp. Trotz dieser Veränderungen bleiben die Vikings nach ihrer ersten Niederlage in einer starken Ausgangsposition und haben ihr Playoff Ticket bereits sicher. In der kommenden Woche geht es auswärts zu den Alpine Rams, ehe zum Abschluss der Regular Season die Firenze Red Lions nach Wien kommen. Für Wroclaw wartet dagegen direkt das nächste wichtige Spiel. Am 16. August empfangen die Panthers die London Warriors im Olympiastadion. Nach diesem 34:31 in Wien dürfte endgültig niemand mehr daran zweifeln, dass mit den Panthers in der entscheidenden Phase der Saison zu rechnen ist.

PassionPress - 09.08.2026

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Vikings verlieren beim heimischen Salute to Service Gameday (© Hannes Jirgal/Vienna Vikings)

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