Der Traum von einem Auftritt im ehrwürdigen Lambeau Field als Kicker der Green Bay Packers dauerte für den deutschen Kicker Lenny Krieg nur zwei Tage: Um einen Rosterplatz zu kreieren, wurde der gebürtige Berliner kurz nach seiner Verpflichtung schon wieder entlassen.
"Schuld" ist eine Verletzung von Longsnapper Matthew Orzech, der mit einer Wadenverletzung ausfällt. Für ihn wurde Longsnapper Cal Adomitis unter Vertrag genommen, der aber wiederum einen Rosterplatz benötigte.
Den gaben die Packers frei, indem sie Lenny Krieg gleich wieder gehen ließen. Eigentlich hätte Krieg mit SechstrundenpickTrey Smack um die Position des starting Kickers konkurrieren sollen. Der vorherige Starter, Lucas Havrisik, war entlassen worden. Das Duell um diesen Platz fällt jetzt erst einmal aus.
Noch im Januar hatten die New York Jets Krieg mit einem Reserve / Future Vertrag ausgestattet und so seinen NFL-Traum am Leben gehalten. Zuvor stand er bei den Atlanta Falcons unter Vertrag, doch dort war sein Vertrag ohne neues Arbeitspapier mit Saisonende ausgelaufen.
Krieg war über das International Player Pathway Program (IPP) in die USA gelangt und hatte nach einem Tryout mehrerer Kicker im Frühjahr 2025 einen Vertrag bei den Falcons erhalten.
Nicht ganz überraschend hatten die Lenny Krieg im Rahmen der Roster Cuts vor Saisonbeginn 2025 wieder entlassen. Allerdings gab es bis dahin durchaus noch einiges an Hoffnung: Zum Einen hatte er durch ein verwandeltes Field Goal aus 57 Yards in der Preseason überregionale Beachtung erlangt, zum anderen hallte sein perfekter Auftritt im Scouting Combine noch nach, als er mit einer perfekten Leistung auf dem Platz aufgewartet hatte: Er hatte alle 14 Field Goal-Versuche (aus 25-30-35-40-45-50-55 Yards, jeweils von links und rechts) ohne einen einzigen Fehlschuss - als einziger von 12 Kickern (zwei weitere verwandelten 13 von 14) - verwandelt.
Das alles hatte zunächst jedoch nicht gereicht, um am langjährigen Stammkicker Younghoe Koo im Kader vorbeizuziehen, der seit 2019 für die Falcons gegen den Ball trat - und das zum Teil sehr erfolgreich. Da Koo 2024 aber sein schlechtestes Jahr für die Falcons absolviert hatte (Trefferquote nur 73,5 Prozent - 25 von 34 Versuchen, das längste aus 58 Yards), schien eine Wachablösung möglich.
Er landete nach seiner Entlassung zunächst automatisch auf der Waiver-Liste, so dass ihn auch die anderen Teams unter Vertrag hätten nehmen dürfen. Das passierte nicht, so dass die Falcons Krieg für ihre Practice Squad unter Vertrag nehmen konnten.
Als Koo schließlich tatsächlich entlassen wurde, schien die Chance für Lenny Krieg zu kommen. Allerdings wurden dann zunächst Parker Romo und anschließend Zane Gonzalez geholt, Krieg verblieb in der Practice Squad und konnte von den erfahreneren Veteranen lernen – wenn man es positiv sehen will. Zudem konnte er mit Atlanta in seine Heimatstadt Berlin für die Partie gegen die Colts reisen, auch wenn er selbst nicht spielen durfte.
In den beiden Jahren zuvor war Krieg für Stuttgart Surge auf dem Feld gestanden und hatte sich für ein höheres Level empfohlen. Er durfte nach einer starken Leistung beim NFL Scouting Combine in Indianapolis nach Florida reisen und dort an der IMG Academy für ein mögliches NFL-Engagement trainieren.
2024 hatte Stuttgart Surge den Vertrag mit Lenny Krieg um ein zweites Jahr verlängert, der bereits in der Spielzeit 2023 als Kicker im Einsatz gewesen war und dabei auch den Weg von Berlin nach Stuttgart (!) auf sich genommen hatte.
"Kick it like Lenny" stand lange Zeit in der ELF für Kicken mit hoher Präzision.
2024 konnte er nicht mehr ganz an die Zahlen aus der ersten Saison anknüpfen: In 12 Partien verwandelte er 11 von 16 Versuchen, einer wurde geblockt. Bei den Extrapunkten lag seine Trefferquote bei 66 von 75 Versuchen. Insgesamt erzielte er also 99 Punkte.
Jetzt geht die Suche nach einem NFL-Team also weiter. Aber vielleicht tut sich in den kommenden Tagen auch bei den Packers wieder ein Platz im Offseason-Kader auf, so dass Krieg zeigen kann, was er kann.
Carsten Keller - 31.07.2026

Lenny Krieg im vergangenen November beim Training der Falcons in Berlin (© Carsten Keller)
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