Er hatte gerade die wichtigste Entscheidung seines Lebens getroffen. Millionen von Dollar, der Startschuss für eine NFL-Karriere und womöglich ein Platz bei den New York Jets – all das schlug er aus, um noch einmal die Chance auf den Gewinn der College Football Meisterschaft zu ergreifen. Und das Erste, was Dante Moore tat, nachdem er seine Rückkehr nach Oregon für ein weiteres Jahr verkündet hatte, war, seine Golfschläger zu schnappen. "Sobald das erledigt war, schaltete ich mein Handy aus und ging Golf spielen", sagte Moore diese Woche grinsend bei den "Big Ten Media Days" in Chicago. "Das war wahrscheinlich das Beste, was ich an diesem Tag getan habe." Nur Moore würde mit dem Verzicht auf einen potenziellen NFL-Vertrag über 55 Millionen Dollar genauso umgehen, wie die meisten Menschen mit einer schlechten Arbeitswoche. Falls Sie sich fragen: Es lief nicht alles glatt. Er spielte an jenem Nachmittag Mitte Januar miserabel Golf. Sechs Monate später steht der 20-jährige Quarterback im Mittelpunkt der Ambitionen Oregons, 2026 die National Championship zu gewinnen. Die Ducks gehen als eines der gefährlichsten Teams der Liga in die Saison, wobei 14 Stammspieler zurückkehren (was den zweithöchsten Wert landesweit darstellt) und 66 Prozent der Offensivleistung der Vorsaison erhalten bleiben. Alles beginnt bei Moore. Er brachte fast 72 Prozent seiner Pässe für 3.565 Yards und 30 Touchdowns (bei 10 Interceptions) an den Mann und führte Oregon in das Halbfinale der College Football Playoffs, wo das Team jedoch eine herbe 34 Punkte Niederlage gegen den späteren Meister Indiana hinnehmen musste. Moore warf gleich im ersten Spielzug der Offense einen "Pick Six" und verlor zudem zweimal den Ball durch einen Fumble in der ersten Halbzeit, sodass die Ducks zur Pause mit 7:35 im Rückstand lagen.
Nach Spielende kehrte Moore nach Hause zurück und dachte intensiv über seine Zukunft nach. Draft-Experten sahen ihn weit oben – bis hin zum zweiten Pick insgesamt, direkt hinter Indianas Quarterback Fernando Mendoza. Sicherlich kam ihm der Gedanke, dass sein letztes Spiel als "Duck" nicht so katastrophal enden sollte. "Ja, es gab Tage, an denen ich definitiv zurückgeblickt habe", sagte Moore diese Woche. "Als ich diese Entscheidung ursprünglich traf, fragte ich mich durchaus, ob das der richtige Weg sei. Aber das liegt nun hinter mir. Ich achte jetzt darauf, voll Gas zu geben und im kommenden Jahr richtig Druck zu machen." Er fügte hinzu: "Danach kommt nichts mehr, also kann man es auch gleich richtig angehen." Als Oregons Head Coach Dan Lanning erfuhr, dass Moore bleiben würde, schickte er weder eine SMS noch griff er zum Hörer. Schließlich befand er sich im selben Gebäude und verfolgte gerade im Fernsehen, wo Moore seine Entscheidung bekannt gab. Also kam er kurzerhand persönlich zur Tür herein. "Ich hatte es eigentlich niemandem verraten", sagte Moore. "Nur mein Berater und mein Vater wussten Bescheid. Als ich es dann öffentlich machte, stürmte Coach Lanning zur Tür herein, sprang auf den Schreibtisch und fing an zu jubeln." Er hielt inne und lächelte. "Ich glaube also, er hat sich riesig gefreut." Was sich für Moore seither vor allem verändert hat, ist körperlicher Natur. In der Off-Season legte er fast 17 Pfund an Muskelmasse zu; sein Gewicht stieg von 203 Pfund nach dem Spiel gegen Indiana auf 220 Pfund. Er schreibt diesen Fortschritt vor allem dem leitenden Krafttrainer Wilson Love und der Ernährungsberaterin Jessie Dart zu.
Auch taktisch hat sich einiges getan. Der neue Offensive Coordinator Drew Mehringer – der intern befördert wurde, nachdem Will Stein zu Kentucky gewechselt war – setzte sich im Frühjahr mit Moore zusammen und fragte ihn, was ihm gefalle und was nicht. Anschließend gingen die beiden das gesamte Playbook durch und nahmen Anpassungen vor. "Wenn mir ein Spielzug nicht gefällt: Wie können wir ihn ändern?", so Moore. "Wie können wir unsere Sichtweise darauf anpassen?" Lanning beschreibt Moores Entwicklung einfacher. "Früher hat er ständig Unmengen an Apfelsaft getrunken", sagte Lanning. "Das sehe ich heute kaum noch. Nein – er ist einfach reifer geworden. Er war schon immer ein Spieler mit Selbstvertrauen, aber er geht mittlerweile unglaublich gut mit diesem Selbstvertrauen um." Was macht Moore zu einer guten Führungspersönlichkeit? "Es beginnt mit der Selbstwahrnehmung", sagte Lanning. "Sich seiner Stärken und Schwächen bewusst sein. Zu wissen, dass es in Ordnung ist, sich vor dem Team verletzlich zu zeigen. Keiner, der sich auf seinen Lorbeeren ausruht." Im März sprach Moore offen über seine eigenen Probleme mit der psychischen Gesundheit und schrieb einen Brief an Oregons Gouverneurin Tina Kotek, in dem er sich für ein breiteres Angebot an virtuellen Diensten zur psychischen Gesundheitsfürsorge einsetzte. Moore berichtete, dass er im Alter von 18 Jahren mit Depressionen zu kämpfen hatte – eine Folge des enormen Drucks im College Football und der Brustkrebsdiagnose seiner Mutter. Als Moore sich öffnete, öffnete sich auch das Team aus Oregon. Seine Mitspieler initiierten regelmäßige Treffen, die von den Spielern selbst geleitet wurden. Bei diesen Zusammenkünften sprachen 25 Teamkollegen offen über ihr Leben sowie ihre psychischen und körperlichen Probleme; dabei stellten die Anführer in der Runde Fragen, auf die Trainer womöglich nie Antworten erhalten hätten. "Wir können wirklich lernen und tiefgründig verstehen, wer jeder einzelne Teamkollege ist", sagte Teitum Tuioti, Linebacker bei Oregon, der sich ebenfalls entschied, an der Universität zu bleiben, anstatt eine NFL-Karriere anzustreben. "Wenn man erst einmal ihr ‚Warum‘ und ihre Persönlichkeit kennt, spielt man mit mehr Einsatz für sie." Der Karriereweg von Moore verlief nicht geradlinig. Das tut er nie bei jungen Menschen, die in Detroit mit einem Football in der Hand und einer schweren Last auf den Schultern aufwachsen. Moore besuchte die Martin Luther King High School in Detroit und führte das Team 2021 und 2022 zu zwei aufeinanderfolgenden Staatsmeisterschaften in der Michigan Division 3. Er beendete seine High School Karriere mit fast 10.000 Pass Yards und 130 Touchdowns und galt als das landesweit viertbeste Nachwuchstalent. Schon als Kind verfolgte er, wie der Receiver Donovan Peoples-Jones den Sprung aus Detroit als hochkarätiges Football Talent schaffte und glaubte fest daran, dass ihm das ebenfalls gelingen könnte. "Er hat mir Hoffnung gegeben", sagte Moore über Peoples-Jones, der später an der University of Michigan als Freshman zum All-American gewählt und im NFL-Draft ausgewählt wurde. "Er gab mir das Gefühl: ‚Ich kann es aus Detroit heraus schaffen.‘ Wenn man sieht, wie ein solches Talent den Sprung aus Detroit schafft, glaubt man, dass man es selbst auch schaffen kann."
Moore hatte sich ursprünglich für Oregon entschieden, wechselte dann aber zur UCLA – wo sich der Traum schnell kompliziert gestaltete. Während seines ersten Jahres erhielt er einen Anruf seiner Mutter mit einer niederschmetternden Nachricht: Sie hatte Brustkrebs. In einer harten Phase von drei Spielen gegen Top-15-Gegner warf er drei "Pick-Sixes". In Folge dessen, wurde er nach einer Niederlage gegen Oregon State in Woche 7 auf die Bank versetzt. Er beendete die Saison mit neun Interceptions. Im Dezember ließ er sich in das Transfer-Portal eintragen. Moore hatte sich ursprünglich Oregon verpflichtet, bevor er spät im Rekrutierungszyklus umschwenkte und zu einer der prominentesten Neuverpflichtungen in der Geschichte des UCLA-Programms wurde. Ein Wechsel nach Oregon hätte diesmal jedoch einen Haken gehabt: Die Ducks hatten Dillon Gabriel verpflichtet – einen der erfahrensten Quarterbacks in der Geschichte der FBS mit mehr als 14.000 Pass Yards in seiner Karriere. Gabriel hatte die Position als Starter sicher. Moore sah darin eine Chance. Er setzte ein Jahr aus, lernte und wartete ab. "Es hat mir sehr geholfen, ein Jahr lang aussetzen zu können", sagte Moore. "Man lernt so viel dazu. Man absolviert alle Trainingswiederholungen. Man kann von einem Routinier lernen. Man kann alle Fragen stellen, die nötig sind und wenn der Spieler vor einem Fehler macht, lernt man daraus. Es ist, als wäre man der kleine Bruder eines großen Bruders, weißt du?" "Wenn der große Bruder da draußen etwas Dummes anstellt, lernt man daraus."
Seine Passquote stieg um fast 20 Prozent – von seiner Zeit bei UCLA bis zu dem Moment, als er 2025 bei Oregon die Rolle des Stamm-Quarterbacks übernahm. Gleichzeitig sank seine Interception-Rate drastisch. Ein Jahr später folgte Nebraska-Quarterback Dylan Raiola – selbst einst ein Fünf Sterne Talent – Moores neuem Vorbild: Er gab seinen Stammplatz in der Big Ten auf, um bei Oregon als Backup zu fungieren. Dort will er sich weiterentwickeln und lernen, bevor er 2027 selbst als Starter übernimmt. Moore ist ein Trendsetter, ob man ihm das nun anrechnet oder nicht. Er hat womöglich ein neues Modell für Top-Talente entworfen: Als Spieler, der für den Draft hoch gehandelt wurde (unter den besten zwei), entschied er sich stattdessen für die Rückkehr an die Universität, um den Titel zu holen – unterstützt durch NIL-Einnahmen. "Ich glaube, das wird ein weiterer Trend", sagte Moore.
Lanning fügte hinzu: "Ich glaube, es ist bereits ein Trend."
Bald beginnt in Eugene das Trainingslager vor der Saison; damit gilt seine volle Aufmerksamkeit wieder dem Spielfeld, nachdem er die letzten Monate vor allem auf dem Golfplatz verbracht hat. Er scheint schnell zu lernen: Er begann erst im Juni 2025 mit dem Golfen und spielt inzwischen mit einem Handicap von 16. Er spielt auf den Plätzen von Bandon und Pacific und hat Augusta im Visier. Oft steht er gemeinsam mit seinem Offensive Coordinator auf dem Grün – eine Praxis, die die Bindung zwischen Trainer und Spieler stärkt, in der Hoffnung, dass sich dies im Januar in einem Titel auszahlt. Noch ein Jahr, eine letzte Chance, den ersten nationalen Titel für Oregon zu gewinnen. "Man bekommt nie die Gelegenheit, die Zeit zurückzudrehen", sagte Lanning. "Man kann nicht an die High School zurückkehren, sobald man sie verlassen hat. Im College hat man eine Wahl, man kann sich entscheiden; man muss nicht gehen. Das spricht Bände." Er sagte: "Hey, ich möchte die Gelegenheit nutzen, die sich mir bietet, und sie wahrnehmen."
Schlüter - 31.07.2026

#5 QB Dante Moore bleibt noch eine Saison bei den Oregon Ducks. (© Getty Images)
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