Die ungeschlagenen Munich Ravens (8-0) hatten zwei Wochen vor Ende der Hauptrunde zum Medientermin geladen, um einen kleinen Zwischenstand ihrer EFA-Premierensaison zu geben. Mit General Manager Sean Shelton, Head Coach Kendral Ellison und Quarterback Russell Tabor stellten sich drei Hauptverantwortliche der Franchise geduldig und ausdauernd den Fragen der Medienvertreter.
Sean Shelton eröffnete mit einem Statement, dass man im vierten Jahr des Bestehens der Franchise sportlich den Rhythmus gefunden habe und auch als Organisation auf der Businessseite gereift wäre. "Jedes Jahr ist ein wenig besser geworden und es ist sichtbar vorwärts gegangen. Das ist auch gut so, wenn man an etwas so hart arbeitet. Auch bei den Sachen hinter den Kulissen, die man nicht sieht, gibt es viel, worauf man stolz sein kann."
Das Ziel bleibe natürlich im sportlichen Bereich die Meisterschaft, aber auch das Wachstum der Organisation an sich, die Sichtbarkeit in München und mehr Fans ins Stadion zu locken, bleiben Ankerpunkte der langfristigen Strategie.
Head Coach Ellison wollte nicht zu viel Lob für die makellose Bilanz, denn "es ist nicht meine Arbeit, weil ich nicht spiele." Stattdessen lobte er die Teamzusammenstellung: "Nur Talent zu sammeln, ist nicht genug. Wir haben das jetzt über die drei Jahre, die ich hier bin, zusammengebaut. Sean hat gesagt, dass wir jetzt den Rhythmus finden, aber wir sind immer noch nicht da, wo wir hin wollen. Und wir haben immer noch nicht unseren besten Football gespielt." Konstanz, etwas mehr Disziplin und vor allem verletzungsfrei zu bleiben, würden noch auf der Wunschliste stehen.
"Das ist ein Team, das von den Spielern geführt wird und nicht von den Coaches. 8-0 ist ungefähr das, was wir uns vorgestellt hatten. Wir wussten, dass wir viele Spiele gewinnen werden. Natürlich freue ich mich darüber, aber zufrieden bin ich damit noch nicht. Wir wissen, was das Ziel ist."
Russell Tabor freute sich sehr auf das Homecoming Game, das am Sonntag gegen die Paris Musketeers im Sportpark Unterhaching (Kickoff 13 Uhr) ansteht. Es wird das letzte Heimspiel diese Saison sein, denn das Halbfinale, für das die Ravens seit geraumer Zeit qualifiziert sind, findet in Frankfurt statt, ein potenzielles Finale dann Ende August in Innsbruck.
Die Ansetzung ist sicher kein Vorteil für die ungeschlagenen Münchener, aber die Liga will neue Wege gehen, was aus wirtschaftlicher Sicht absolut nachvollziehbar ist. "Natürlich spielen wir gerne vor unseren Fans und ich glaube, wir sind mit Ausnahme des einen Playoffspiels gegen Stuttgart letztes Jahr in meiner Zeit noch ungeschlagen in Unterhaching. Dieser Heimvorteil ist ein Schlüssel, aber die Jungs lachen immer, wenn ich ihnen sage, dass wir auch auf dem Parkplatz spielen können und es egal ist, gegen wen und wo wir spielen." Auch ein Auswärtsspiel könne die Ravens Crowd in ein Heimspiel verwandeln.
Russell Tabor ergänzte: "Es gibt ein durchaus realistisches Szenario, wo wir Frankfurt in Frankfurt gegenüberstehen, obwohl sie in der Tabelle hinter uns stehen. Wir haben einiges an Widrigkeiten in dieser Saison gehabt und haben diese Challenges mit einem Lächeln bewältigt. Am Ende des Tages wollen wir als Spieler vor möglichst vielen Fans auflaufen."
Seine Spielweise habe Tabor nicht zuletzt aufgrund seines Quarterback-Coaches geändert; Sean Shelton fungiert hier in einer Doppelrolle. Zu Saisonbeginn hatte Shelton im Interview mit football-aktuell erklärt, dass die Ziele für seinen Quarterback wären, weniger zu laufen, eine höhere Completion Rate und gleichzeitig möglichst wenige Turnover zu haben. Tabor erklärte dazu: "Ich spiele jetzt einen anderen Sport als vor zwei Jahren. Manchmal etwas langweilig. Aber langweilig kann auch sexy sein."
Sean Shelton warf ein: "Ich war der langweiligste Quarterback, den man sich vorstellen kann! Manchmal ist langweilig nicht das Schlechteste." Ab und zu breche aber noch seine alte Mentalität durch, wie ein "Linebacker Pässe zu werfen" , fügte Tabor an.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen, wie Tabor zugibt: "Ich habe eine unglaublich talentierte Gruppe an Mitspielern. Aus meiner persönlichen Sicht: Ich war immer in Teams, die der David in der David und Goliath-Story waren. Bis zum letzten und mit allem kämpfen gegen talentiertere Mannschaften, um die mit mehr Willen zu schlagen. Es ist ein großartiges Gefühl, zur Abwechslung auch mal der Goliath zu sein." Das wäre aber das Ergebnis eines Fünfjahresprozesses, der schon gestartet wurde, als er noch gar nicht hier gewesen wäre.
Kendral Ellison lobte in diesem Zusammenhang dieses Ergebnis: "Das ist auch ein Nebenprodukt dessen, was die letzten Jahre investiert worden ist. Die Infrastruktur, die Owner Thomas Krohne geschaffen hat. Wir versuchen so eine kleine College-Atmosphäre zu schaffen, wo die Spieler beisammen sein können – zusammen essen, Kraftraum und so etwas. Am Anfang haben wir im ersten Jahr nur sportliches Talent zusammengesucht. Nicht wirklich auf den Charakter geschaut und wie der womöglich reinpasst. Es braucht nur einen faulen Apfel und der kann eine ganze Menge ruinieren. Wir haben es sehr gut geschafft, die zu vermeiden und die Spieler haben einen herausragenden Job gemacht, diese Kultur und den Standard zu halten. Wenn jetzt Neue dazukommen, müssen sie einen Wert für diese Kultur mitbringen."
Ob diese Kultur, gepaart mit der spielerischen Klasse, dann am Ende auch für den ersten Titel der EFA reicht, wird sich spätestens in ziemlich genau vier Wochen zeigen. Die Richtung stimmt dazu auf jeden Fall.
Carsten Keller - 28.07.2026

QB Russell Tabor, General Manager Sean Shelton und Head Coach Kendral Ellison (© Carsten Keller)
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