Rhein Fire lieferte im Stade Vélodrome Jacques Anquetil eine Machtdemonstration ab. Die Duisburger gewannen bei den Paris Lights mit 62:6 und machten damit einen weiteren großen Schritt in Richtung Playoffs. Vom ersten Drive an war zu erkennen, dass Fire die Niederlage gegen die Vienna Vikings aus der Vorwoche beantworten wollte. Jonathan Scott erzielte bereits im ersten Viertel zwei Rushing Touchdowns und brachte die Gäste früh mit 14:0 in Führung. Paris kam durch Armand Soulerot zu Beginn des zweiten Viertels zwar noch einmal auf 6:14 heran, doch mehr als ein kurzes Aufflackern war dieser Touchdown nicht.
Rhein Fire antwortete sofort. Nach einem auffälligen Reverse Flea Flicker auf Harlan Kwofie lief Kaylon Geiger zum nächsten Touchdown. Kurz darauf verlor Soulerot den Ball, Nazir Streater reagierte am schnellsten und brachte Fire erneut in perfekte Feldposition. Jonathan Scott vollendete wenig später mit seinem dritten Touchdown zum 28:6. Paris schaffte es danach zwar mit einem Fake Punt von Boris Bede noch einmal zu einem First Down, doch auch dieser Hoffnungsschimmer verpuffte sofort. Remy Feltes schlug Stephanos Sela den Ball aus den Händen, Streater nahm ihn auf und trug ihn über 42 Yards zum Defensive Touchdown zurück. Kurz vor der Pause fand Kenji Bahar dann auch noch Kwofie in der Endzone. Selbst mit zwölf Spielern auf dem Feld gelang es Paris in dieser Phase weder, Druck auf Bahar auszuüben, noch alle Anspielstationen zu decken. Mit 41:6 war die Partie zur Halbzeit längst entschieden.
Auch disziplinarisch hinterließen die Lights ein schwaches Bild. Nach dem einzigen Pariser Touchdown verlor Matthew Henry offenbar die Kontrolle, schlug mehrfach zu und wurde disqualifiziert. Es blieb nicht die einzige hitzige Szene eines Nachmittags, an dem die Gastgeber zunehmend frustriert wirkten. Sportlich war der Abstand ohnehin gewaltig. Fire sammelte 414 Total Yards, Paris lediglich 115. Die Lights erzielten nur sieben First Downs, verwandelten keinen ihrer acht dritten Versuche und kamen im offiziellen Team Boxscore auf keinen einzigen Netto Passing Yard. Rhein Fire war bei sechs von neun dritten Versuchen erfolgreich und erzielte bei allen sechs Aufenthalten in der Red Zone einen Touchdown.
Nach der Pause wechselte Paris auf der Quarterback-Position. Dequan Finn, der erst wenige Tage zuvor als Ersatz für den verletzten Evan Hillock verpflichtet worden war, blieb draußen. Für ihn kam Marouane Dardour, dessen erster Pass jedoch direkt bei Lino Schröter landete. Der Fire Linebacker trug die Interception über 39 Yards zum nächsten Touchdown zurück. Wenig später durfte auch Tom Wolf für Rhein Fire übernehmen. Sein erster Pass wurde zu einem einfachen Screen auf Joshua Scott, der die gesamte Pariser Defense hinter sich ließ und über 37 Yards zum Touchdown lief. Für Wolf war es der erste Touchdown-Pass seiner Karriere.
Spätestens beim Stand von 55:6 war die Begegnung nur noch eine Frage der Höhe. Die Stammspieler von Fire konnten an der Seitenlinie feiern, während Backups wie Dereck Onyia und Elias Jassey zusätzliche Einsatzzeit erhielten. Paris brachte offensiv kaum noch etwas zustande, während Giacomo De Pauli im Schlussviertel den Großteil der Arbeit im Laufspiel übernahm. Er beendete die Partie mit 86 Rushing Yards und erzielte den letzten Touchdown des Spiels. Den finalen Drive ließ Rhein Fire anschließend in der Victory Formation auslaufen. Es war tatsächlich der einzige vollständige Ballbesitz der Gäste, der nicht mit Punkten endete.
Jonathan Scott kam bei zehn Läufen auf 67 Yards und drei Touchdowns. Kenji Bahar brachte 16 seiner 21 Pässe für 198 Yards und einen Touchdown an. Harlan Kwofie war mit 78 Receiving Yards und einem Score der beste Passempfänger. Auf der anderen Seite blieb Paris im Passspiel praktisch wirkungslos. Dequan Finn kam auf 38 Brutto Passing Yards, Dardour auf zehn und eine Interception. Die Fire Defense erzielte mehrere Sacks, erzwang drei Turnover und steuerte selbst zwei Touchdowns bei. Die offizielle AFLE-Nachbetrachtung sprach folgerichtig von einer einseitig gewonnenen Schlacht an der Line of Scrimmage und einem Ergebnis, das zu keinem Zeitpunkt ernsthaft in Gefahr war.
Für Rhein Fire war es die gewünschte Reaktion auf die Niederlage gegen Vienna. Gegen Paris funktionierten Laufspiel, Passspiel, Defense und Special Teams nahezu fehlerfrei. Für die Lights wird die Lage dagegen immer aussichtsloser. Bei noch vier ausstehenden Spielen müssten sie nach Einschätzung der Liga praktisch jede Partie gewinnen, um ihre minimale Playoff-Hoffnung zu erhalten. Als Nächstes wartet das Auswärtsspiel bei den ebenfalls sieglosen Firenze Red Lions. Rhein Fire empfängt dagegen die Alpine Rams und dürfte nach dieser Vorstellung als klarer Favorit in die Partie gehen.
Kritisch bleibt jedoch erneut die Außendarstellung der AFLE. Sowohl in Paris als auch beim Parallelspiel zwischen den Vienna Vikings und den Firenze Red Lions, das mit 68:6 endete, wurde in der zweiten Hälfte die Spieluhr nicht mehr angezeigt. Offiziell gibt es keine Mercy Rule. Dennoch hält sich hartnäckig die Vermutung, dass die Uhr bei deutlichen Spielständen einfach weiterläuft und nicht mehr regulär angehalten wird. Belegt ist das bislang nicht, auffällig ist es trotzdem. AFLE COO Moritz Heisler hatte vor der Saison noch erklärt, die Liga brauche keine Mercy Rule, weil man keine High Schoolspiele zeige und keine extremen Blowouts wie in der ELF zu erwarten seien. Inzwischen produziert die AFLE genau diese Spiele Woche für Woche. Sollte die Liga tatsächlich mit einer inoffiziellen Running Clock arbeiten, wäre das keine sportliche Lösung, sondern lediglich der Versuch, die nächste Demontage schneller zu Ende zu bringen.
PassionPress - 26.07.2026

Harlan Kwofie (© Foot Bowl/Mijo)
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