Es ist die wohl überraschendste Personalentscheidung der bisherigen EFA-Saison. Frankfurt Galaxy hat sich zwei Spieltage vor Ende der regulären Saison von Quarterback Ethan Garbers getrennt. Ausgerechnet von jenem Spieler also, den Head Coach Thomas Kösling vor Saisonbeginn gegenüber football-aktuell noch als absolute Wunschlösung bezeichnet hatte. Damals herrschte große Vorfreude auf die Zusammenarbeit. Wenige Monate später endet dieses Kapitel überraschend und hinterlässt mehr Fragen als Antworten.
Offiziell begründet Frankfurt Galaxy die Entscheidung mit dem Wunsch nach einem neuen Impuls. Gegenüber hr-sport erklärte Head Coach Thomas Kösling: "Wir sind zu dem Entschluss gekommen, dem Team für den Endspurt einen neuen Impuls zu geben, um unser gestecktes Ziel, das Erreichen der BIG 4 zu realisieren."
Bemerkenswert ist dabei vor allem der Zeitpunkt. Noch wenige Tage zuvor hatte Kösling nach der deutlichen 41:61-Heimniederlage gegen die Raiders Tirol auf der Pressekonferenz ausdrücklich betont, dass es personell keine Veränderungen geben werde und man weiterhin Vertrauen in das bestehende Team habe. Nur kurze Zeit später ist ausgerechnet der Quarterback nicht mehr Teil der Franchise.
Dabei sprechen die nackten Zahlen nur bedingt gegen Garbers. Im Gegenteil. Der US-Amerikaner warf in acht Spielen für 1.786 Yards und 17 Touchdowns bei lediglich fünf Interceptions. Ligaweit bedeutete das Platz drei bei den Passing Yards. Auch gegen Tirol, dem vorerst letzten Spiel im Galaxy-Trikot, erzielte Frankfurt 41 Punkte. Die Offense funktionierte zumindest phasenweise durchaus, während vor allem die Defense den Raiders kaum etwas entgegensetzen konnte. Dazu kommt, dass Garbers gleichzeitig der zweitbeste Rusher seines Teams war. Mit 183 Rushing Yards lag er nur knapp hinter Antony Marvyn Bou und deutlich vor allen anderen Ballträgern. Ein ungewöhnlicher Wert, der allerdings weniger für die Stärke des Laufspiels als vielmehr für die Probleme der Offensive Line spricht.
Genau dort sehen auch viele Fans die eigentliche Ursache der sportlichen Krise. Seit der Bekanntgabe der Entlassung überschlagen sich die Reaktionen in den sozialen Netzwerken. Kaum jemand macht Garbers persönlich für die aktuelle Situation verantwortlich.
Ein Fan schreibt: "Das Problem ist die Offensive Line, damit steht und fällt alles. Wieviel Sacks hat Garbers einstecken müssen? Wie war das mit dem Rungame bei schlechtem Blocking?"
Ein anderer kommentiert deutlich schärfer: "Bevor man den QB rausschmeißt, sollte man den Trainer vor die Tür setzen. Und übrigens, wenn man 41:61 verliert, lag die Niederlage eher weniger am QB."
Auch international fällt die Kritik ähnlich aus. Ein englischsprachiger Nutzer bringt die Meinung vieler Fans auf den Punkt: "Galaxy fixed the toothache but did nothing about the real issues: the coaching staff."
Nach Informationen von hr-sport liegt der Hintergrund der Trennung ohnehin nicht in erster Linie auf dem Spielfeld. Dem Bericht zufolge sollen die Probleme zwischen Garbers und Offensive Coordinator Brandon Corbin bereits seit längerer Zeit bestanden haben. Corbin verließ die Galaxy bereits Ende Mai. Laut hr seien die Spannungen zwischen beiden ein wesentlicher Bestandteil dieser Personalie gewesen. Doch selbst nach Corbins Abschied sollen die internen Probleme rund um Garbers bestehen geblieben sein. Zudem habe es laut hr Zweifel an den Führungsqualitäten des Kaliforniers gegeben.
Dennoch bleibt die Entscheidung sportlich diskutabel. Wer die Saison aufmerksam verfolgt hat, erkennt schnell, dass Frankfurt weit größere Baustellen besitzt als die Quarterback-Position. Die Offensive Line gehört statistisch zu den schwächeren der Liga, das Laufspiel brachte es in acht Spielen lediglich auf 610 Yards und durchschnittlich nur 76,2 Yards pro Partie. Gleichzeitig ließ die Defense über 2.000 Passing Yards und mehr als 1.000 Rushing Yards zu. Die Probleme verteilen sich auf nahezu alle Mannschaftsteile.
Gerade deshalb fällt vielen Fans schwer nachzuvollziehen, warum nun ausgerechnet Garbers gehen muss. Noch im Frühjahr wurde er als Wunschkandidat präsentiert, sollte das Gesicht der neuen Galaxy werden und die Franchise zurück an die Spitze führen. Jetzt verlässt er das Team als Sündenbock einer Saison, in der deutlich mehr schiefgelaufen ist als nur das Quarterbackspiel.
Frankfurt steht nun unter enormem Druck. Ein Nachfolger soll bereits gefunden sein, offiziell vorgestellt wurde er bislang jedoch noch nicht. Die Galaxy muss nicht nur beweisen, dass die Entscheidung sportlich richtig war. Sie muss vor allem zeigen, dass tatsächlich Garbers das Problem war und nicht die zahlreichen strukturellen Baustellen, die Fans seit Wochen immer lauter ansprechen. Sollte auch der neue Quarterback hinter einer wackeligen Offensive Line leiden und die Mannschaft ihre grundsätzlichen Probleme nicht lösen, dürfte die Diskussion um den Trainerstab und die sportliche Führung der Galaxy erst richtig beginnen.
PassionPress - 24.07.2026

Handshake zwischen Ethan Garbers (Frankfurt Galaxy, #12) und Head Coach Thomas Kösling (© Foot Bowl/Bjoern Kecker)
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