Für die Straubing Spiders wurde der Auftritt bei den ifm Razorbacks Ravensburg zur nächsten bitteren Station einer bisher enttäuschenden GFL Saison. Vor 1.548 Zuschauern im TeleData Stadion am Lindenhof unterlagen die Niederbayern mit 8:66 und kassierten damit die siebte Niederlage im siebten Spiel. Es war zugleich der höchste Saisonsieg der Oberschwaben, die ihren ifm Family Gameday powered by ifm electronic mit einer ebenso deutlichen wie eindrucksvollen Vorstellung abrundeten. Für beide Teams war es das erste und einzige Duell der Saison.
Das nackte Ergebnis liest sich wie ein Debakel, und natürlich war es am Ende auch eines. Trotzdem erzählt der Spielverlauf zumindest in der ersten Halbzeit noch eine etwas differenziertere Geschichte. Straubing begann ordentlich, fand zunächst sogar besser in die Partie und bewegte den Ball mit einer brauchbaren Mischung aus Lauf und Pass. Erst ein Sack von Samuel Mindham stoppte den ersten vielversprechenden Drive der Spiders. Auch später war das Spiel bis zur Pause noch nicht völlig entgleist. Nach Rückständen von 0:7, 0:10, 0:16 und 0:24 gelang Straubing noch vor der Halbzeit ein Lebenszeichen, als Raleigh Benjamin Yeldell III Anthony Earl Green Jr. mit einem tiefen Pass über 54 Yards zum einzigen Touchdown des Nachmittags fand. Die erfolgreiche Two Point Conversion brachte die Spiders auf 8:24 heran.
Gerade deshalb dürfte die Niederlage intern doppelt wehtun. Denn in der ersten Hälfte war zumindest noch zu erkennen, dass Straubing den neuen Impuls nach den Trainerwechseln irgendwie aufnehmen wollte. Nach dem Ende der Zusammenarbeit mit Bence Lukács stand mit dem bisherigen Offensive Coordinator Sven Dorfner ein neuer Head Coach an der Seitenlinie, dazu arbeitet Daniel Emmanuel als neuer Defensive Coordinator mit dem Team. "Ja, durch die ganze Änderung coachesmäßig ist natürlich jetzt halt unsere Mannschaft ein bisschen in Schwung gebracht. Wir haben natürlich heute einen relativ starken Gegner gleich mal als Auftakt gekriegt. Die erste Halbzeit fand ich gar nicht so übel, wenn wir doch viele Fehler selber machen. Aber ich glaube immer noch an das Ziel. Also ich sehe uns immer noch nicht in der vierten Liga. Es gibt noch eine Chance, die Liga zu halten und da glaube ich weiterhin daran", erklärte der neue Head Coach nach dem Spiel.
Diese Zuversicht musste allerdings einem Spiel standhalten, das spätestens nach der Pause komplett aus dem Ruder lief. Straubing kam durchaus engagiert aus der Kabine und arbeitete sich noch einmal nach vorne, ehe Ben Rashid mit einem Sack samt erzwungenem Fumble den nächsten Nackenschlag setzte und Samuel Mindham den freien Ball sicherte. Kurz darauf fing Nils Wulf bereits seine zweite Interception des Tages und legte damit den nächsten Ravensburger Touchdown praktisch auf. Von diesem Moment an wurde aus einer klaren Niederlage eine Demontage. Die Razorbacks punkteten im dritten Viertel weiter und machten im Schlussabschnitt endgültig ernst. Adrian Terwart, William Enneking, Tim Müller, erneut Enneking und schließlich Anthony Harris Jr. sorgten dafür, dass Ravensburg am Ende bei 66 Punkten landete.
Die Zahlen zeigen, wie deutlich die Kräfteverhältnisse am Ende wirklich waren. Ravensburg kam auf 613 Yards Total Offense, davon 554 Yards durch die Luft. Quarterback Broghean McGovern warf sieben Touchdown Pässe bei nur einer Interception. Gleich drei Receiver der Razorbacks knackten die Marke von 100 Receiving Yards, William Enneking, Adrian Terwart und Tim Müller. Dazu kamen drei Interceptions und drei Sacks der Ravensburger Defense. Besonders bemerkenswert war auch, dass die Oberschwaben im gesamten vierten Viertel kein einziges First Down der Spiders zuließen. Wenn ein Spiel auf diese Weise auseinanderfällt, dann ist das mehr als nur ein schlechter Tag. Es ist ein klarer Hinweis darauf, wie labil diese Mannschaft in schwierigen Phasen derzeit ist.
Für Straubing blieb offensiv neben dem Touchdown Pass auf Green vor allem Jvonte Kareem Davis auffällig, der mit 90 Rushing Yards immerhin am Boden Akzente setzte. Quarterback Yeldell brachte jedoch nur zehn seiner 28 Pässe an und warf drei Interceptions. Dazu kam ein verlorener Fumble. Insgesamt leisteten sich die Spiders vier Turnover, ein Wert, mit dem man auswärts gegen ein heimstarkes Team wie Ravensburg praktisch keine Chance hat. Dass die Mannschaft trotz fast 30 Minuten Ballbesitz nur acht Punkte zustande brachte, passt ins Bild dieser Saison.
Für Dorfner beginnt die Aufgabe damit brutal ehrlich. Sein erstes Spiel als Head Coach hat ihm schonungslos gezeigt, wie groß die Probleme sind. Die erste Halbzeit konnte noch als Ansatz dienen, die zweite war ein Totalschaden. Trotzdem wollte der neue Cheftrainer den Glauben an den Klassenverbleib nicht aufgeben. Und genau das ist im Moment wohl die einzige Haltung, die den Spiders bleibt. Denn schönreden lässt sich an diesem 8:66 nichts. Aber noch ist die Saison für Straubing zumindest rechnerisch nicht vorbei.
PassionPress - 20.07.2026

Raleigh-Benjamin Yeldell (© Foot Bowl/Sebastian Just)
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