Wenn es einmal funktioniert hat, kann es wieder funktionieren. Darauf setzt Clemson Head Coach Dabo Swinney zu Beginn seiner 18. Saison als Leiter des Clemson Programms – eines Programms, das er zwar zu zwei nationalen Titeln geführt hat, das aber in sechs der letzten sieben Spielzeiten schlechter abschnitt, als es die Rangliste vor Saisonbeginn vermuten ließ. Nach einer Saison 2025 mit einer Bilanz von 7-6 – der schlechtesten seit anderthalb Jahrzehnten – die man auf Platz 4 der Rangliste begonnen hatte, erlebt Swinney nun ein Déjà-vu Erlebnis.
"Schauen Sie sich die Schlagzeilen aus dem Frühjahr 2011 an", sagte er im Mai. "Ich war seit zwei Jahren Cheftrainer und ohnehin nicht besonders beliebt; wir kamen gerade von sechs Siegen, und dann engagierte man einen High School Trainer namens Chad Morris. Die Reaktion war: ‚Oh mein Gott! Gott sei Dank werden wir ihn nach diesem Jahr wieder los!‘" Nun, dazu kam es nicht. Morris, der eine neue, auf weite Pässe und viel Raumspiel ausgerichtete Offensive (Wide-Open Offense) einführte, verhalf Clemson zu einer Saison mit zehn Siegen und dem ersten ACC Titel seit 20 Jahren. Dies war der Startschuss für den beispiellosen Erfolgslauf des Programms in den 2010er und frühen 2020er Jahren: zwölf Saisons in Folge mit mindestens zehn Siegen, sechs ACC Meisterschaften in Serie, zwei nationale Titel und sechs Platzierungen unter den besten vier Teams im AP-Ranking.
Fünfzehn Jahre später setzt Swinney auf denselben Spielzug. Nach der vergangenen Saison entließ er Offensive Coordinator Garrett Riley. Als die Fragen nach seiner Relevanz immer lauter wurden und nicht mehr zu ignorieren waren, griff Swinney auf Bewährtes zurück, anstatt etwas Neues zu wagen: Er holte Morris zurück nach Clemson.
Auch wenn Swinney die Saisonvorbereitung von vor 15 Jahren oft mit der heutigen vergleicht, sind die Umstände ganz andere. Im vergangenen Herbst galt Clemson als heißer Anwärter auf den nationalen Titel und belegte in der AP-Rangliste vor Saisonbeginn den vierten Platz. Quarterback Cade Klubnik galt als Kandidat für die Heisman Trophy. Die Medien sagten den Tigers voraus, sie würden ihren ACC Meistertitel verteidigen. Doch die Tigers starteten mit einer Bilanz von 1-3, fanden nie richtig in die Spur und beendeten die Saison mühsam mit sieben Siegen und sechs Niederlagen – die schlechteste Bilanz des Programms, seit Swinney 2010 eine Bilanz von 6-7 erreicht hatte. "Wenn man bei Clemson sieben Spiele gewinnt – klar, dann muss man verdammt noch mal eine gewisse Dringlichkeit an den Tag legen", sagte Swinney. "Dieses Gefühl der Dringlichkeit ist definitiv vorhanden." Die Offense erzielte durchschnittlich 27,2 Punkte pro Spiel und belegte damit den elften Platz in der ACC. Die Passverteidigung ließ im Schnitt 251,2 Yards pro Spiel zu – landesweit Platz 120. Swinney entließ Riley und trennte sich von Mickey Conn, dem langjährigen Coach für die Safeties. Dennoch wurden neun Spieler gedraftet, und sieben weitere erhielten Verträge als "Undrafted Free Agents".
"Ich blicke auf das letzte Jahr zurück", sagte Swinney. "Hören Sie, diese Jungs waren großartig. Sie waren eine engagierte Gruppe. Sie haben getan, was nötig war. Ich habe es für sie nicht geschafft. Und das ist der entscheidende Punkt." Swinney tat zudem etwas, dem er sich während seiner gesamten Karriere widersetzt hatte: Er durchforstete das Transfer-Portal. Er verpflichtete elf Spieler – ein Rekord für das Programm, der die Gesamtzahl der Transfers aus den Jahren 2019 bis 2024 in einer einzigen Offseason übertraf. Dennoch deckte die schiere Menge nicht alle Bedarfspositionen ab. Clemson holte zwar drei Defensive Backs – eine Position, auf der Verstärkung nötig war – doch unter den verpflichteten Transfers befanden sich weder Quarterbacks noch Offensive Linemen. Auch wenn die Zahlen den Eindruck erwecken mochten, Swinney habe sich verändert, war dies nicht der Fall. Er blieb bei seiner Linie und vertraute lieber auf das vorhandene Personal, anstatt eine Lösung über das Transferportal zu suchen. Dies ist der entscheidende Beweis für Swinneys Vertrauen in sein System – und womöglich auch das folgenreichste Wagnis seiner Karriere. "Nicht das Transferportal hat uns zu Fall gebracht", sagte Swinney. "Neun unserer Spieler wurden gedraftet, sieben weitere erhielten Angebote als Free Agents. Wir müssen uns einfach sportlich verbessern. Darauf liegt unser Fokus."
Morris kam 2011 mit einer auf hohem Tempo basierenden "Spread Offense" nach Clemson – einer Spielweise, wie sie die ACC bei den Tigers noch nie zuvor gesehen hatte. In den folgenden vier Jahren verwandelte er das "Death Valley" in einen der explosivsten Schauplätze des College Footballs. Clemson erzielte eine Bilanz von 41 Siegen bei 11 Niederlagen, gewann viermal in Folge die ACC-Meisterschaft, erzielte in jeder Saison durchschnittlich mehr als 30 Punkte pro Spiel und entwickelte Tajh Boyd zu einem All-ACC-Quarterback sowie Deshaun Watson zu einem Spieler, der später als Nummer 1 im Draft ausgewählt wurde. Nachdem Morris gegangen war, um den Posten des Cheftrainers an der SMU zu übernehmen, konnte das Programm das von ihm Geschaffene nicht nur bewahren, sondern sogar noch übertreffen. So sehr Alabama das Jahrzehnt auch dominierte: Auch Clemson entwickelte sich zu einer Dynastie und gewann zwei nationale Titel im direkten Duell mit den Crimson Tides – darunter die perfekte Saison 2018 ohne eine einzige Niederlage. Doch dann veränderten die NIL-Regelungen und die größere Freiheit der Spieler im Transferportal die Rahmenbedingungen. Swinney blieb jedoch bei seiner Haltung und ignorierte das Transferportal.
Schlüter - 20.07.2026

Offensive Coordinator Chad Morris wurde erneut von Clemson engagiert. (© Getty Images)
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