Mit der Gründung des Deutsch-Französischen Jugendwerks (DFJW) im Rahmen des von Bundeskanzler Konrad Adenauer und Staatspräsident Charles de Gaulle unterzeichneten Elysée-Vertrags von 1963 wurden auch die sportlichen Beziehungen der beiden Nachbarländer auf eine vertragliche Grundlage gestellt, von der sie bis heute profitieren. 18 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs sollte der Elysée-Vertrag die Aussöhnung der beiden Völker unterstützen und über das Jugendwerk den jungen Menschen das Kennenlernen und Schließen von Freundschaften erleichtern. Heute ist das Ziel zum Glück ein anderes, es geht nicht mehr um Versöhnung, sondern um das Vertiefen der Freund- und Partnerschaft.
So ist ein Ziel die stetige Weiterentwicklung der Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich auf sportlicher Ebene", sagt sie. Angesichts der politischen Lage mit starken rechtsnationalen Strömungen in beiden Ländern sei diese Aufgabe vielleicht wichtiger denn je, weil gespürt wird, wie notwendig es ist, gemeinsame Werte zu vermitteln und zu stärken. Zwar sei der Austausch in den Grenzregionen angesichts der räumlichen Nähe intensiver, aber es werden sowohl bundesweit als auch in ganz Frankreich viele Träger gefördert. Das schließt auch die Übersee-Regionen wie Guadeloupe, Martinique oder La Réunion ein, in denen Frankreich bis heute Einfluss hat."
So kann jedes Sportorgan, vom kleinsten Verein bis zum größten Verband, bei der Deutschen Sportjugend (dsj) einen Antrag auf Förderung eines Freundschaftsprojekts oder Partnerschaftsprogramms stellen. In Frankreich wird die Förderung vom Nationalen Olympischen Komitee finanziert. Vom DFJW erhalten beide Seiten aktuell eine gemeinsame Fördersumme von insgesamt 950.000 Euro pro Jahr. Davon können auf deutscher Seite rund 80 Anträge gefördert werden. Inhaltlich geht es in diesen Anträgen immer um den gegenseitigen Austausch. Es wird gemeinsam trainiert oder es werden gemeinsam Lehrgänge besucht. Oft ist man gegenseitig in Gastfamilien untergebracht, lernt dadurch den Alltag der anderen kennen und erhält neue Perspektiven. Ebenso wichtig sind kulturelle Inhalte. Es sollte aber nicht nur um Sightseeing gehen. Außerdem sind ausschließliche Turnier- oder Wettkampfteilnahmen nicht förderfähig, es braucht Inhalte, die über den reinen sportlichen Wettkampf hinausgehen.
Dass die Sprache, die im Vorhinein oft für Berührungsängste sorgt und als größte Hürde im sportlichen Austausch angesehen wird, ist heute kein entscheidender Faktor mehr. Sport ist eine universelle Sprache, die Verständigung auf dem Spielfeld klappt oft auch ohne viele Worte. Außerdem ist es in Zeiten von Online-Übersetzungstools noch einfacher geworden, sich zu verständigen.
In der Organisation des Sportsystems gibt es zwischen Frankreich und Deutschland Gemeinsamkeiten ebenso wie Unterschiede. "In beiden Ländern ist ehrenamtliches Engagement im Sport die wichtigste Grundlage. Auch die Strukturen im Erwachsenenbereich sind vergleichbar. Dafür gibt es in Deutschland im Jugendsport Strukturen, die Frankreich in der Form nicht hat. Die Leidenschaft für Sport gilt aber für beide Länder.
Neben der geteilten Vollzeitstelle kümmern sich in der dsj ein fest angestellter Sachbearbeiter und eine junge Teilzeitkraft um das deutsch-französische Freundschaftsprogramm. Im rund ein Dutzend Mitarbeitende umfassenden Ressort, das von Julia Frauendorf geleitet wird, gibt es kein anderes Förderprogramm von vergleichbarer Größe. Gefördert werden zwar auch sportliche Austauschprojekte mit zahlreichen anderen Ländern, darunter Polen, Tschechien, Griechenland und Israel, auch zwischen Japan und Deutschland tauschen sich pro Jahr je 100 Jugendliche aus beiden Ländern miteinander aus. "Aber die deutsch-französischen Beziehungen sind die ältesten, sie werden am längsten gelebt und bringen deutlich die meisten Anträge hervor, denn die Leidenschaft für das gemeinsame Sporterleben soll noch viele Jahre dafür sorgen, dass Deutschland und Frankreich Freunde bleiben.
Schlüter - 14.07.2026

Leidenschaft für den Sport ist nicht nur in Frankreich eine Tugend. (© Kratky)
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