Die Alpine Rams sorgen derzeit vor allem abseits des Spielfelds für Schlagzeilen. Unbezahlte Gehälter, anhaltende Visa Probleme und mehrere Spieler, die die Organisation inzwischen verlassen haben und in die Konkurrenzliga EFA gewechselt sind, prägen die vergangenen Wochen beim Schweizer Franchise. Sportlich ließ sich das Team davon jedoch kaum etwas anmerken. Im Heimspiel gegen die London Warriors lieferten die Rams einen leidenschaftlichen Kampf, mussten sich nach einer dramatischen Schlussphase aber denkbar knapp mit 26:27 geschlagen geben.
Vor lediglich 400 Zuschauern in der Tissot Arena in Biel entwickelte sich eines der spannendsten Spiele der bisherigen AFLE Saison. Beide Mannschaften benötigten dringend einen Erfolg im Rennen um die Playoff Plätze. Während London mit einem dritten Saisonsieg den Anschluss halten wollte, suchten die Rams nach einem wichtigen Erfolgserlebnis in einer äußerst schwierigen Phase.
Der Start gehörte klar den Gastgebern. Bereits nach zwölf Sekunden sorgte Quarterback Seth Morgan für den ersten Höhepunkt des Nachmittags. Sein Pass über 74 Yards auf Kevin Kaya brachte die Rams früh mit 7:0 in Führung. Morgan bestätigte damit erneut, warum er sich nach seiner Verpflichtung schnell zum Hoffnungsträger der Schweizer entwickelt hat.
London tat sich zunächst schwer. Nach einem frühen Ballverlust der Rams bekamen die Warriors den Ball tief in der gegnerischen Hälfte, doch Kare Lyles warf in der Red Zone eine Interception. Die Gäste fanden offensiv zunächst kaum Lösungen gegen eine aggressive Rams Defense, die immer wieder Druck aufbaute. Erst kurz vor Ende des ersten Viertels gelang London der Ausgleich. Lyles fand Tight End Kevin Laryea, der nach einem 71 Yard Touchdown Catch das Spiel wieder offen gestaltete. Im zweiten Viertel entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Morgan setzte Kevin Kaya erneut perfekt in Szene. Der Receiver fing seinen zweiten Touchdown des Tages und brachte Alpine wieder in Führung. London antwortete jedoch durch Luc Benjamin Mbemba, ehe Jared Scott kurz vor der Pause einen Touchdown Lauf zum 20:14 für die Rams erzielte. Da der Extrapunkt misslang, konnten die Warriors mit einem Field Goal unmittelbar vor der Halbzeit auf 17:20 verkürzen.
Auch nach dem Seitenwechsel präsentierten sich die Rams als mindestens ebenbürtige Mannschaft. Lou De Boe fing einen 18 Yard Touchdown Pass von Morgan und baute den Vorsprung auf 26:17 aus. Der geblockte Extrapunkt sollte sich allerdings später noch als entscheidender Moment herausstellen. Die Defensive der Schweizer spielte über weite Strecken eine starke Partie. Zwei Interceptions, ein erzwungener Fumble und zwei Quarterback Sacks brachten London immer wieder aus dem Rhythmus. Besonders Jean Aubert überzeugte mit einer Interception, während Maliek Cote neun Tackles und zwei Sacks beisteuerte. Trotzdem gelang es den Rams nicht, die Führung über die Zeit zu bringen.
London blieb geduldig und arbeitete sich Schritt für Schritt zurück. Zunächst verkürzte Reiss Ormonde Cunningham mit einem 36-Yard-Field-Goal auf 20:26. Anschließend schien Alpine die Entscheidung auf dem Fuß zu haben, doch ein Field Goal Versuch wurde geblockt und eröffnete den Warriors eine letzte Chance. Diese nutzte London eiskalt. Kare Lyles führte einen zehn Spielzüge langen Drive über 66 Yards an, ehe Running Back Tyrrell Bovelle den Ball 38 Sekunden vor Schluss aus drei Yards in die Endzone trug. Der anschließende Extrapunkt brachte die Warriors erstmals in Führung und entschied die Partie zugunsten der Gäste.
Statistisch hinterließen die Rams trotz der Niederlage einen hervorragenden Eindruck. Sie erzielten 449 Total Yards gegenüber 371 der Warriors, kontrollierten den Ballbesitz mehr als 35 Minuten und kamen auf 26 First Downs. Ausschlaggebend waren letztlich drei Ballverluste sowie die verpassten Zusatzpunkte, die London am Ende den entscheidenden Punkt Vorsprung ermöglichten. Seth Morgan zeigte erneut eine starke Leistung. Der Quarterback brachte 22 seiner 28 Pässe für 333 Yards und drei Touchdowns an. Kevin Kaya fing acht Pässe für 164 Yards und zwei Touchdowns und war erneut die gefährlichste Waffe der Rams Offense. Auf Seiten Londons überzeugte Kare Lyles trotz zweier Interceptions mit 305 Passing Yards und zwei Touchdown Pässen. Kevin Laryea fing sechs Bälle für 181 Yards und einen Touchdown.
Für die Alpine Rams bleibt damit zwar die nächste Niederlage stehen, doch die Leistung dürfte Mut machen. Trotz der anhaltenden Unruhe abseits des Spielfelds, personeller Probleme und zahlreicher negativer Schlagzeilen zeigte die Mannschaft große Moral und war einem wichtigen Sieg gegen einen direkten Konkurrenten lange Zeit näher als London. Die Warriors dagegen feiern ihren dritten Saisonsieg und halten ihre Hoffnungen auf einen Playoff Platz am Leben. Bereits am kommenden Spieltag wartet mit den Paris Lights die nächste richtungsweisende Aufgabe, während die Rams nach Berlin reisen und dort gegen Thunder den ersten Erfolg seit Wochen anpeilen.
PassionPress - 12.07.2026

Otávio Amorim (© Foot Bowl/Rico Doninelli)
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