Die Philadelphia Eagles probieren es wieder mit einem "internationalen Projekt": Die Franchise, die mit Jordan Mailata mit den größten Erfolg mit einem International Player Pathway Program (IPP) hatte, will dieses Kunststück auch mit dem nigerianischen Defensive Tackle Uar Bernard schaffen. Kein kleines Vorhaben – bisher spielte der 21-jährige (oder 22-jährige) nämlich überhaupt noch keinen organisierten Football.
Eigentlich wollte Bernard damals mit Basketball durchstarten, bevor sich die Chance zunächst im NFL Nigeria Camp und dann in der afrikanischen Version gab. Hintergrund sind natürlich seine athletischen Maße: Bei 1,96m bringt er knapp 140 Kilo auf die Waage.
Die Eagles hatten genug gesehen und sicherten sich seine Dienste in der siebten Runde des Drafts Ende April.
Keinen kleinen Anteil daran hatte Clint Hurtt, langjährig erfolgreicher Coach der Defensive Tackles bei den Eagles, der bei General Manager Howie Roseman für einen Draft des Nigerianers geworben hatte.
Bisher ist er von den Leistungen Bernards auch nicht enttäuscht worden, wie er Dave Spadaro verriet: "Weißt du, auf diesem Niveau wirst du demütig werden, weil du einige der besten Spieler der Welt in unser Team bekommst. Man muss ihm also ein gutes Gefühl geben, sodass er auch sehen kann: Ja, ich habe Talent, aber ich kann mir auch vorstellen, dass ich aufsteige, und ich will ihn nicht in eine Situation bringen, in der er sich fragt, ob er wirklich dazugehöret?
Wie schnell hat er gelernt? Er hat bisher alles gut aufgenommen. Weißt du, jetzt musst du verstehen, dass er Zeit brauchen wird. Es wird Zeit brauchen. Wer denkt, das passiert über Nacht, der täuscht sich. Aber er macht gute Fortschritte. Er arbeitet hart und die Gruppe hat ihn auch sehr gut aufgenommen."
Dass es Zeit brauchen wird, steht außer Frage. Aber die Anlagen in Größe und Athletik, die man nicht lernen kann, sind bei Berard vorhanden. Jetzt fehlt "nur noch" der Feinschliff vom Rohdiamant zum NFL-Spieler. Aber wenn das eine Franchise kann, dann die Eagles.
Der perfekte Beweis dafür steht in der Offensive Line und hat als Beschützer von Jalen Hurts für Furore gesorgt – und ausgesorgt: Denn auch Jordan Mailata hatte einen ungewöhnlichen Weg hinter sich, bevor ihn die Eagles im April 2024 endgültig zum bestbezahlten ehemaligen International Pathway Program Player (IPP) der Liga gemacht hatten. Der ehemalige australische Rugbyspieler wurde da zum zweiten Mal in seiner Karriere mit einem hochdotierten Mehr-Jahres-Vertrag ausgestattet.
Im September 2021 hatte er kurz vor Saisonbeginn erstmals den sprichwörtlichen Jackpot gewonnen und für eine Verlängerung um vier Jahre insgesamt 64 Millionen Dollar offeriert bekommen. Im Frühjahr 2024 folgte eine weitere Verlängerung um drei Jahre und (bis zu) 66 Millionen Dollar.
Der samoanisch-australische Offensive Tackle, mit 2,05 m / 159 Kilo von gewaltigem Ausmaß, war 2018 in der siebten Runde gedraftet worden, nachdem er zuvor fast nur Rugby gespielt hatte.
Er stand vorer nie bei einem "richtigen" Footballspiel – sei es College oder Profi – auf dem Feld. Darüber hinaus wusste er nach eigenen Angaben nichts über den Sport.
Allerdings überzeugte er bei seinem Pro Day, nachdem er überhaupt nur einen Monat vor dem Draft mit dem Training begonnen hatte, die anwesenden NFL-Scouts mit seiner Geschwindigkeit. Nach mehreren Teambesuchen – unter anderem bei den Eagles – hatte er Blut geleckt und offensichtlich auch die Eagles, bei denen er ebenfalls zu Gast war.
Natürlich war dann erst einmal heillos überfordert: "Ich kann es nicht auf eine Skala packen. So überwältigend ist das alles. Es gibt keine Skala dafür. Es gibt so viele Sachen, die man beachten muss. Überwältigend ... kannst Du eigentlich in die Tonne treten. Es gibt kein Wort, das es ausdrückt, also sage ich doch überwältigend."
Mailata nutzte jedoch jede freie Minute, um von seinen Teamkollegen zu lernen und das Playbook zu studieren. Das zahlte sich aus und es muss sich zeigen, ob das auch bei Bernard klappt.
Carsten Keller - 11.07.2026

Uar Bernard bei seinem Draft auf der Bühne in Pittsburgh (© Carsten Keller)
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