Deion Sanders ist wieder der Alte. Nach einer Erkrankung an Blasenkrebs, die ihn in der vergangenen Offseason monatelang von seinem Team fernhielt – und selbst als er bei den "Buffs" war, wirkte er wie ein anderer Mensch – ist er nun zu seiner alten Form zurückgekehrt. "Dir fehlt dieses gewisse Etwas, dieses besondere Etwas, das dich ausmacht", sagte Sanders am Dienstag bei den "Big 12 Media Days". "Wenn man krank ist, muss man sich trotzdem aufraffen und seine Aufgaben erledigen, oder? Man ist zwar körperlich anwesend, aber man ist nicht ganz man selbst – weder in der Denkweise noch in der Schnelligkeit oder der geistigen Wendigkeit. Genau darum ging es. Das schreibe ich mir selbst zu."
Sanders will mehr erreichen, als nur zu seiner alten Energie zurückzufinden. Es liegt an ihm, einen Weg zu finden, wie Colorado wieder an die Erfolge von 2024 anknüpfen kann – jenes Jahr, in dem das Team bis in den November hinein im Rennen um die Big-12-Meisterschaft mitmischte. In der ersten Saison ohne Travis Hunter und Shedeur Sanders kam Colorado auf eine Bilanz von drei Siegen und neun Niederlagen. Das Team setzte verschiedene Quarterbacks ein (Ryan Staub, Kaidon Salter und Julian Lewis) und tat sich schwer, einen echten Spielmacher zu finden. Nun übernimmt Lewis die Rolle des Starters, und Sanders verfolgt einen neuen Ansatz, um den Druck von seinem jungen Spielmacher zu nehmen.
"Was ich nicht erwarte – und das mag verrückt klingen, ist aber Realität, weil er noch ein junger Kerl ist. Ich erwarte von meinem Quarterback, dass er das tut, was wir von ihm verlangen. Er ist 18 Jahre alt und wir muten einem 18-jährigen Jungen zu, eine Kabine voller Männer anzuführen; das ist ihm gegenüber nicht fair. Aber worum es mir geht, ist Folgendes: Er soll die Spielzüge erfolgreich abschließen, die machbar sind, und das Nötige tun. Er muss sich aber nicht vor die Mannschaft stellen und große Motivationsreden schwingen oder als Erster aus dem Spielertunnel laufen. Er muss auch niemanden zur Schnecke machen – er soll einfach nur seinen Job machen, Mann. Das ist alles."
Lewis ist jung. In einer Sportart, in der die Dynamik des Transfer-Portals dazu geführt hat, dass viele Stammspieler bereits in ihrem fünften oder sechsten College-Jahr (oder noch länger) sind, wird Lewis erst Ende September 19 Jahre alt. Er ließ sich vorzeitig in den Rekrutierungsjahrgang 2025 hochstufen und entschied sich während seiner High-School-Saison 2024 kurzfristig um: Statt zu USC wechselte er zu Colorado. Sanders räumte ein, dass die Situation für ihn eine völlig andere sei, als damals mit Travis Hunter und Shedeur Sanders – Spieler, die er als absolute Ausnahmetalente bezeichnete. Es sei unfair, von anderen Spielern dieselben Denkweisen und Trainingsgewohnheiten zu erwarten. Lewis übernimmt nun die Rolle des Quarterbacks in einer Offensive mit neuer Identität unter dem neuen Koordinator Brennan Marion. Marion ist der Architekt der sogenannten "GoGo-Offense", die durch Positionswechsel, ungewöhnliche Formationen und den Einsatz mehrerer Running Backs taktische Vorteile bei der Aufstellung schaffen will. Der Schutz des Quarterbacks war während Sanders’ Amtszeit in Colorado stets ein Problem; in jedem seiner ersten drei Jahre gehörte das Team landesweit zu den Mannschaften, die die meisten Sacks hinnehmen mussten. Der Schutz von Lewis wird entscheidend sein, damit sich der junge Quarterback optimal entwickeln kann. Sanders sieht neun Offensive Linemen im Kader, die das Zeug zum Stammspieler haben. Zudem steht Lewis mit Danny Scudero eine neue, verlässliche Anspielstation zur Verfügung: Der Receiver, der an der San Jose State zu den produktivsten Spielern des Landes zählte, spielt nun für die Buffaloes – und Sanders ist voll des Lobes für ihn. "Die Frage sollte eher lauten: Was bringt er nicht mit? Er geht jeden Tag mit einer enormen Arbeitsmoral ans Werk. Er hat kein einziges Training verpasst. Eine Führungspersönlichkeit, ein Kämpfertyp, ein toller junger Mann, ein Profi. Ich habe Julian Edelman angerufen und gesagt: ‚Hör zu, Mann, dieser Junge liebt dich. Er ist für mich wie du. Er hat denselben Biss wie Jules‘ – und ich hasse eigentlich Vergleiche, aber ich musste ihn einfach anrufen und sagen: ‚Hör zu, ich will, dass du mit diesem Jungen redest, denn er kommt – du weißt schon – aus derselben Gegend in Kalifornien wie du.‘"
Scudero ist es, der Führungsqualitäten in die Offense einbringt – eine Rolle, die Lewis nicht unbedingt ausfüllen muss – und er tut dies auf seine ganz eigene Art. "Er schreit nicht herum", sagte Sanders. "Er liefert starke Spielzüge ab, er arbeitet bis zur Erschöpfung und das ganze Team denkt sich: ‚Wahnsinn, er ist der Erste bei den Sprints, der Erste hier, der Erste dort; er gönnt sich keine Pause, lässt keinen Spielzug schleifen – so ist er einfach.‘ Er wird vielleicht nicht die ganze Kabine mitreißen – so ein Typ ist er nicht –, aber wehe, ein Quarterback steht nicht bereit, um den Pass zu werfen. Dann bekommt man das zu hören, denn das ärgert ihn, und das wirkt sich letztlich auf uns alle aus." Wie Scudero selbst die Offense beeinflusst, wird maßgeblich darüber entscheiden, ob Colorado wieder in die Spur findet. Im vergangenen Jahr hatte die Offense große Schwierigkeiten, eine Identität zu finden. Scudero, eine verlässliche Größe mit fast 1300 Receiving Yards in der letzten Saison, könnte gemeinsam mit dem von Texas gewechselten DeAndre Moore Jr. für jene Explosivität sorgen, die seit dem Weggang des Trios Hunter, Lejohntay Wester und Jimmy Horn nach der Saison 2024 gefehlt hat.
Schlüter - 09.07.2026

Head Coach Deion Sanders (Colorado Buffaloes) (© Getty Images)
Leser-Bewertung dieses Beitrags: