Alex Golesh will es richten

Head Coach Alex Golesh trainiert nun Auburn. Wie lange dauert es, Alabama zu schlagen? Diese Frage zielte darauf ab, Auburns neuen Cheftrainer Alex Golesh auf die Probe zu stellen – und ihn womöglich auf dem falschen Fuß zu erwischen. Doch er ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. "Ich denke, 60 Minuten", antwortete er prompt. Sein Trainerstab hatte ihn darauf vorbereitet. Der legendäre Auburn Trainer Pat Dye hatte diesen Satz bereits 1981 geprägt – noch bevor er sein erstes Spiel für Auburn bestritten hatte, ein Programm, das zuvor acht Niederlagen in Folge gegen die "Tide" kassiert hatte. Der Spruch entwickelte sich zu einem der prägenden Zitate der "Iron Bowl"-Rivalität und zum Maßstab für jeden Trainer in Auburn. Golesh hatte die Antwort schon vor dem Frühjahrstraining verinnerlicht. Das ist schon mal ein Anfang.

Seit Gus Malzahns letztem Jahr 2020 haben die Tigers keine Saison mehr mit einer positiven Bilanz abgeschlossen – die längste Durststrecke des Programms seit den späten 1940er Jahren. Zwei Trainer wurden eingestellt und wieder entlassen, Hunderte von Spielern kamen und gingen, und die Niederlagen auf den "Plains" häuften sich – darunter sechs Pleiten in Folge im "Iron Bowl", die schlimmste Serie seit einer Phase von neun Niederlagen, die erst in Dyes zweitem Jahr als Cheftrainer endete.

Auburn erreichte zwischen 2010 und 2017 – auf dem Höhepunkt von Nick Sabans Alabama-Dynastie – dreimal das SEC Meisterschaftsspiel und gewann es zweimal, musste in den darauffolgenden Jahren mitansehen, wie Vanderbilt die Crimson Tide besiegte und Ole Miss sowie Tennessee in die College Football Playoffs einzogen. Gleichzeitig verschwand man selbst von der nationalen College Football Bühne, während mit Oklahoma und Texas sogar zwei Conference Neulinge in den CFP auftauchten.

Nun liegt die Aufgabe bei dem 42-jährigen Golesh. Er wurde von der University of South Florida abgeworben, nachdem er dort innerhalb von drei Spielzeiten ein Programm transformiert hatte: von einem Team mit nur einem einzigen FBS-Sieg im Jahr 2022 hin zu einer Mannschaft, die im vergangenen Herbst an der Marke von zehn Siegen kratzte. Auburns Sportdirektor John Cohen verpflichtete ihn im Dezember und setzte dabei auf einen Trainer, dessen offensive Philosophie auf das "Air-Raid"-System von Art Briles zurückgeht und dessen taktische DNA – vor seinem Engagement als Cheftrainer bei der USF – durch die Zusammenarbeit mit Josh Heupel bei Tennessee und UCF geprägt wurde.

"Er strahlt enorm viel Energie aus", sagte Cohen. "Einer von Alex’ Leitsätzen lautet: ‚Sei der, der du vorgibst zu sein.‘" "Und ich spüre einen Aufbruch. Ich spüre eine neue Stimmung im Gebäude." Die letzten vier Trainer von Auburn – angefangen im Jahr 2013 – kamen aus dem Offensivbereich. Nur einer war bislang erfolgreich – Malzahn –, während Harsins bodenständiger Ansatz nach nur 21 Spielen krachend scheiterte und Freeze nicht an seine früheren Erfolge bei Ole Miss anknüpfen konnte. Cohen analysierte Goleshs Spielkonzepte und war überzeugt, dass sie in einer Conference funktionieren könnten, in der sich seine beiden Vorgänger selbst im Weg standen und eine gemeinsame SEC-Bilanz von elf Siegen bei 29 Niederlagen anhäuften.

"Er schafft es, Spieler freizuspielen", sagte Cohen. "Im Passspiel hat er einfach eine Erfolgsbilanz darin, seine Spieler in freie Positionen zu bringen. Und offen gesagt: Das war bei uns zuletzt nicht der Fall." Golesh krempelte den Kader von Auburn nach seiner Ankunft nicht komplett um, doch die Ausrichtung ist eine völlig neue. Dreizehn Spieler von USF folgten ihm aus Tampa, darunter der erfahrene Quarterback Byrum Brown – einer von nur zwölf FBS-Spielern, die in einer einzigen Saison sowohl 3.000 Pass- als auch 1.000 Lauf Yards erzielt haben. Hinter den Kulissen präsentiert sich Auburn völlig verändert. Es gibt 42 neue Mitarbeiter, so Golesh, und nur ein Motto: Sei der, der du vorgibst zu sein.

Golesh spricht nicht von Siegen, auch wenn er glaubt, dass Erfolg schon in der ersten Saison absolut möglich ist. Er spricht von Identität. "Das Schlimmste, was nach dem ersten Jahr passieren kann, ist, dass man keine Identität hat", sagte Golesh. "Keine Identität in Bezug auf Spielsysteme, Offensive oder Defensive. Keine kulturelle Identität. Keine Identität im Recruiting. Genau dafür kämpfe ich täglich: sicherzustellen, dass eine Identität etabliert wird – und dass man sie dann mit allem, was man hat, verteidigt." Die Identität, die er vorfand, war ein Trümmerhaufen. Unter Freeze zählte die Offense drei Jahre lang in fast allen wichtigen Kategorien zu den schlechtesten der SEC. Die Receiver waren zwar enorm talentiert, konnten sich aber gegen die gegnerische Defensive nicht freilaufen. Die Offensive Line hielt der Pass-Protection nicht stand, und das Quarterback-Karussell drehte sich völlig außer Kontrolle.

Er behielt D.J. Er holte Durkin aus Freezes Trainerstab, um die Defensive zu leiten – ein Schritt, der auf Kontinuität im Spielsystem setzt, nachdem die Einheit in der vergangenen Saison unter den besten 35 Teams gelandet war. Zudem verpflichtete er Jacob Bronowski, der zuvor im Stab von Pat Narduzzi in Pittsburgh tätig war, für die Special Teams. Und er holte Kodi Burns zurück.

Burns spielte von 2007 bis 2010 als Quarterback und Receiver für Auburn und gewann an der Seite von Cam Newton die nationale Meisterschaft; nun kehrt er für seine zweite Amtszeit als Assistenztrainer nach Auburn zurück. Er ist – wie man auf den "Plains" gerne sagt – ein echter "Auburn-Mann". Er hatte bereits an der USF und in Tennessee mit Golesh zusammengearbeitet. "Wir haben den richtigen Cheftrainer. Ich glaube an Golesh", betonte Burns. "Er ist ein herausragender Offensiv-Stratege, eine großartige Führungspersönlichkeit und ein wunderbarer Mensch. Ich freue mich riesig, wieder hier zu sein. Ich glaube, der Erfolg wird sich schon bald einstellen. Wir bauen hier etwas Besonderes auf. Auburn ist einer dieser Orte, an denen man alles erreichen kann, was man sich vornimmt." Golesh erklärt Spielern, Geldgebern, Reportern und allen anderen, die es hören wollen, dass Auburn nicht von Grund auf neu aufgebaut werden muss. Das Fundament ist intakt, über das NIL-System fließen Gelder, und die Fans – ob nun erschöpft oder nicht – kommen weiterhin ins Stadion.

"Wie viele andere Orte können von sich behaupten, dass trotz all dem jede Woche immer noch 88.000 Zuschauer ins Stadion kommen?", sagte Golesh. "Wie viele Orte können sagen, dass nach all dem 40.000 Leute zu einem Frühjahrsspiel kommen? Sind die Fans müde? Ja, sie sind müde. Ich habe mich in den letzten sechs Monaten mit allen Großspendern getroffen, und Mann, sie sind müde. Sie haben es satt. Aber sie sind immer noch bereit zu helfen. Sie wollen sich weiterhin engagieren – genau deshalb habe ich diesen Job angenommen: weil ich das Gefühl hatte, dass man es hier wirklich schaffen kann." Er ist der Meinung, dass Auburn einer von vielleicht neun oder zehn Standorten im Land ist, an denen man – wie er es ausdrückt – tatsächlich um die nationale Meisterschaft mitspielen kann. Er zählt den Titel der Tigers von 2010 dazu. Er zählt das Team von 2013 mit, das das BCS-Meisterschaftsspiel gegen Florida State durch einen Touchdown von Jameis Winston 13 Sekunden vor Schluss verlor. Er zählt das Jahr 2004 dazu – eine ungeschlagene Mannschaft, die durch die Eigenheiten der damaligen BCS-Computer-Ranglisten vom Titelspiel ausgeschlossen wurde.

"Mann, ich glaube nicht, dass ich den Job angenommen hätte, wenn ich nicht geglaubt hätte, dass man wieder um nationale Meisterschaften mitspielen kann", sagte Golesh. "Ich habe diesen Job angenommen, weil ich das Gefühl hatte, dass dies einer der wenigen Orte ist, an denen das möglich ist." Die 13 Spieler, die von der USF gewechselt sind, haben in Auburn zwar noch keinen einzigen Spielzug absolviert, aber sie gewinnen die Kabine für sich, indem sie kommunizieren und Goleshs Philosophie immer wieder betonen, um seine Kultur zu etablieren. Das Frühjahrstraining und die Einheiten in der Offseason gehörten zu den härtesten seiner Trainerlaufbahn, so Golesh. "Jemand könnte sagen: ‚Mann, dieser A.G. ist verrückt, oder?‘", sagte Golesh. "Oder: ‚Mann, A.G. hat den Verstand verloren.‘ Und dann können die anderen sagen: ‚Mann, das ist einfach Teil des Plans. Mann, vertrau ihm einfach.‘ Oder: ‚Mann, A.G. hat mich gerade richtig zur Sau gemacht. Der Typ ist ein Arschloch.‘" Und sie können sagen: ‚Hey, der Typ mag dich wirklich. Das gehört einfach zum Wachstum dazu. Es ist Teil des Prozesses.‘"

Golesh bezeichnet diese Erfahrung als "unbezahlbar", wenn man ein Programm übernimmt, das 37 Spieler durch Transfers verloren und 60 neue Spieler über das Transferportal sowie aus dem High School Bereich hinzugewonnen hat. Zu den Abgängen zählten zehn hochkarätige Transfer-Spieler ("Blue-Chip-Transfers"), darunter der Fünf Sterne Receiver Cam Coleman (Texas) und der Vier Sterne Spieler Eric Singleton (Florida) – beides Spieler, die in der vergangenen Saison zu den wichtigsten Zielen der Tigers gehörten. Die Tigers gewannen über das Transferportal Spieler mit insgesamt 176 Starts hinzu – der höchste Wert aller SEC-Teams in dieser Offseason. Drei neue Offensive Linemen aus dem Transferportal sind bereits vor Ort, um die Probleme beim Passschutz zu beheben, und fünf Receiver folgten Golesh von USF, um die Abgänge der Top-Talente zu kompensieren.

Diese Erfahrung sowie die Vertrautheit unter den elf USF-Spielern in der Offense sorgen für Zuversicht, dass die Tigers erstmals seit 2020 eine positive Saisonbilanz erzielen können. "Ich bin sehr vorsichtig mit Prognosen darüber, wie Erfolg genau aussieht", sagte Golesh. "Ich werde an Siegen und Niederlagen gemessen – das verstehe ich und damit kann ich gut umgehen. Aber wie sieht es intern aus, wenn man das Fundament für ein langfristig erfolgreiches Programm legt? Kann man schon im ersten Jahr Erfolg haben? Absolut. Wie das genau aussieht? Keine Ahnung. Ich weiß nur, dass wir vor allem anderen erst einmal eine Identität entwickeln müssen."

Golesh betonte, er sei niemand, der sich aktiv an einer Football-Welt voller "geschmackloser, kitschiger" Mottos, Akronyme und Motivationssprüche beteilige; dennoch hebt er einen Punkt immer wieder hervor. "Es geht nicht um erfundene Mottos oder Zitate", sagte er. "Sondern um echtes, authentisches Selbstvertrauen." "Wirkliches Selbstvertrauen lässt sich nur durch Vorbereitung aufbauen." Das Ziel ist es, das Elend der jüngsten Vergangenheit hinter sich zu lassen und gleichzeitig jene Titel ins Visier zu nehmen, die Auburn einst gewonnen hat. "Man darf sich nicht in der Vergangenheit vergraben", sagte Cohen. "Aber ich bin begeistert von der Aufbruchstimmung, die Coach Golesh meiner Meinung nach erzeugt hat." Diese neue Ära beginnt am 5. September in Atlanta mit dem Spiel gegen Baylor. Golesh weiß, was für einen Sieg nötig ist.

Schlüter - 08.07.2026

Head Coach Alex Golesh trainiert nun Auburn.

Head Coach Alex Golesh trainiert nun Auburn. (© Getty Images)

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