1920er Jahre: Notre Dame (83-11-3)
Es ist ein guter Startpunkt für diesen Rückblick, dass er mit einem der bekanntesten Trainer und Programme in der Geschichte des College Footballs beginnt: Knute Rockne, der in den 1920er Jahren Notre Dame anführte, war ein strahlender Star dieses Sports. Zwei von Rocknes drei nationalen Meistertiteln fielen in dieses Jahrzehnt (1924, 1929), der dritte folgte kurz darauf im Jahr 1930. Die Beschreibungen des "Four Horsemen"-Backfields von 1924 und Rocknes überlebensgroße Persönlichkeit – einschließlich seiner legendären Halbzeitansprachen – haben bis heute nichts an Bedeutung verloren; doch es ist die Konstanz über die gesamten 1920er Jahre hinweg, die Notre Dame die Auszeichnung für dieses Jahrzehnt einbringt. In acht der zehn Spielzeiten gab es höchstens eine Niederlage, und in neun davon betrug die durchschnittliche Punktedifferenz pro Spiel einen zweistelligen Wert. Betrachtet man die 97 Spiele von Notre Dame in den 1920er Jahren, so gewannen die "Fighting Irish" im Schnitt mit 18,0 Punkten Vorsprung. Der Sport war – ebenso wie das Land – stark regional geprägt, und in verschiedenen Teilen des Landes entstanden Dynastien. Cal und USC kämpften im Westen um die Vorherrschaft, Wallace Wade legte im Süden den Grundstein für Alabamas Erfolgsserie, und Cornell holte drei seiner fünf nationalen Titel in den 1920er Jahren; doch wenn es um das eine Programm geht, das dieses Jahrzehnt prägte, steht außer Frage, dass Notre Dame und Knute Rockne die Nase vorn hatten.
1930er Jahre: Alabama (79-11-5)
Wallace Wades Arbeit in den 1920er Jahren zahlte sich durch eine anhaltende Erfolgsserie im darauffolgenden Jahrzehnt aus, beginnend mit einer perfekten Saison (10-0) und dem Gewinn der nationalen Meisterschaft 1930 – seinem letzten Jahr bei der "Crimson Tide". Frank Thomas übernahm das Ruder von Wade und festigte den hohen Standard in kürzester Zeit noch weiter. Alabama gewann 1933 den Titel in der neu gegründeten SEC, gefolgt von einer weiteren perfekten Saison (10-0) und der nationalen Meisterschaft 1934, die in einem Rose Bowl Sieg über Stanford gipfelte. Auch wenn das Jahrzehnt "nur" zwei nationale Titel und zwei Conference Meisterschaften hervorbrachte, war es erneut die Konstanz, die den entscheidenden Unterschied ausmachte. Alabama gewann drei der ersten fünf SEC-Titel und verlor im gesamten Jahrzehnt nur ein einziges Mal mehr als zwei Spiele. Wir sind noch gar nicht bei den Ären von Bear Bryant oder Nick Saban angelangt, doch es ist offensichtlich, warum die Erwartungshaltung in Tuscaloosa über Generationen hinweg so hoch war.
USC erhält die erste lobende Erwähnung nach einem Jahrzehnt, das drei beanspruchte nationale Meisterschaften (1931, 1932, 1939) mit sich brachte, aber auch eine Schwächephase Mitte des Jahrzehnts unter Howard Jones. Die Trojans belegten in der Pacific Coast Conference fünfmal den dritten oder einen schlechteren Platz und verzeichneten 1934 sowie 1935 zwei Spielzeiten in Folge mit mehr Niederlagen als Siegen. Jones zählt zu den ganz großen Trainern der Geschichte; bereits vor seiner Ankunft in Los Angeles hatte er Titel mit Yale (1906) und Iowa (1921) errungen. Seine Arbeit in den 1930er Jahren bildete den krönenden Abschluss seiner Hall-of-Fame-Karriere. Was Tennessee betrifft, so muss angemerkt werden, dass die "Vols" gewissermaßen Opfer der Methodik dieses Vergleichs sind, da die willkürliche Festlegung der Jahrzehnte einige der grundlegenden Erfolge des Programms im 20. Jahrhundert auseinanderreißt. Die Mannschaften von General Robert Neyland aus den Jahren 1938 und 1939 verdienen es durchaus, zu den besten Teams gezählt zu werden, die für ihre defensive Dominanz in Erinnerung blieben; Tennessee war jedoch zu Beginn und am Ende des Jahrzehnts am stärksten und erlebte – genau wie USC – ein Tief in der Mitte des Jahrzehnts, das in dieser Debatte den Ausschlag gibt.
1940er Jahre: Notre Dame (82-9-6)
Der Zweite Weltkrieg beeinträchtigte alle Bereiche des amerikanischen Lebens, und der College Football bildete da keine Ausnahme, da Trainer und Spieler den Sport verließen, um in verschiedenen Teilstreitkräften des Militärs zu dienen. Army und Navy stellten zwar weiterhin Football Teams auf (wobei sich insbesondere Army durch Titelgewinne hervortat), doch die Programme, die an die Spitze gelangten, taten dies in einer Ära ständiger Kaderveränderungen, die stark an das heutige "Transfer-Portal" erinnern. Hier war es die besonnene Führung von Frank Leahy, der die "Fighting Irish" durch das Chaos steuerte – und das, obwohl er selbst zwei Spielzeiten des Jahrzehnts verpasste, weil er bei der Navy diente. Leahy, ein ehemaliger Tackle von Notre Dame, der unter Knute Rockne gespielt hatte, führte seine Alma Mater in den 1940er Jahren zu vier nationalen Meisterschaften und sechs Platzierungen unter den besten drei im AP-Ranking; dazu gehörte eine Serie von 36 Siegen, null Niederlagen und nur zwei Unentschieden in der Nachkriegszeit von 1946 bis 1949. Notre Dame brachte in diesem Jahrzehnt zudem drei Gewinner der Heisman Trophy hervor und war damit die erste Universität, die drei Preisträger stellte. Auch wenn die Weltlage von Ungewissheit und Unruhe geprägt war, bot der College Football daheim ein vertrautes Bild: Notre Dame stand an der Spitze des Sports. Wie bereits erwähnt, markiert der Erfolg von Army während der Kriegsjahre den Höhepunkt der Hall of Fame Karriere von Trainer Earl Blaik. Blaik verbuchte in 18 Spielzeiten in West Point eine Bilanz von 121-33-10; der Gewinn von – zumindest anteilig – drei nationalen Meisterschaften in Folge zwischen 1944 und 1946 ist jedoch das stärkste Argument für seine Berücksichtigung in dieser Debatte. Das 0:0 Unentschieden gegen Notre Dame im Yankee Stadium im Jahr 1946 ist legendär: Es ließ die beiden prägendsten Programme des Jahrzehnts aufeinandertreffen, wobei der Spitzenplatz in der Rangliste auf dem Spiel stand. Am Ende jener Saison waren beide Teams ungeschlagen – mit dem 0:0 Unentschieden als einzigem Makel – und die AP-Wähler entschieden sich, Notre Dame auf Platz 1 zu setzen, während Army die "Coaches' Trophy" erhielt und somit ebenfalls einen Titelanspruch geltend machen konnte.
1950er Jahre: Oklahoma (93-10-2)
Jede einzelne Saison der 1950er Jahre endete für Oklahoma mit einer Trophäe; Bud Wilkinson zementierte dabei seinen Status als Hall of Fame Trainer und führte das erfolgreichste Programm des Jahrzehnts an. Die Sooners gewannen in jeder Saison von 1950 bis 1959 die Meisterschaft ihrer Conference, erreichten in diesem Zeitraum zudem acht Platzierungen unter den Top 10 und holten 1950, 1955 sowie 1956 die nationale Meisterschaft. Das vielleicht nachhaltigste Vermächtnis von Wilkinsons Ära in Oklahoma ist die Siegesserie von 47 Spielen zwischen 1953 und 1957, die bis heute als Rekord in der Division I Bestand hat. Oklahoma hatte sich bereits unter früheren Trainern als regionale Macht in seiner Conference etabliert, doch die anhaltende Dominanz der Wilkinson-Ära legte den Grundstein für die Investitionen und Erwartungen, die die Sooners über Jahrzehnte hinweg begleiten sollten. Apropos Investitionen: Als Vorbote späterer Disziplinprobleme wurde in diesem Jahrzehnt eine Bewährungsstrafe der NCAA gegen den Standort Norman verhängt – allerdings ohne dem Team zu schaden, das auch in den 1950er Jahren Jahr für Jahr Siege einfuhr. Wilkinson war seinerzeit nicht ohne Konkurrenz: Notre Dame feierte weiterhin Erfolge – unter anderem mit einigen Platzierungen unter den besten drei Teams in Frank Leahys letzten Jahren und Woody Hayes gewann an der Ohio State University die ersten beiden seiner insgesamt fünf nationalen Titel. Dennoch war die Wahl eines Teams für das gesamte Jahrzehnt eine recht einfache Angelegenheit, da Oklahoma in dieser Zeit kein einziges schlechtes Jahr erlebte.
1960er Jahre: Alabama (90-16-4)
Dieses Jahrzehnt war geprägt vom Aufstieg Bear Bryants bei Alabama, Johnny Vaughts besten Spielzeiten bei Ole Miss, Darrell Royals zwei nationalen Titeln mit Texas sowie herausragenden Erfolgen von Legenden wie John McKay (USC), Woody Hayes (Ohio State), Ara Parseghian (Notre Dame) und anderen. Durch den Siegeszug des Fernsehens rückte die amerikanische Gesellschaft enger zusammen und diese Riege an Hall of Fame Trainern bei den Elite Programmen machte College Football für das sportbegeisterte Publikum äußerst attraktiv. Bei der endgültigen Entscheidung für diesen Beitrag stellte sich die Frage, ob man Alabama für die 1960er Jahre – als Bryant seine ersten drei nationalen Titel holte und achtmal unter den Top 10 der AP Rangliste landete – besonders hervorheben sollte oder für die 1970er Jahre. In jenem Jahrzehnt demonstrierte die "Crimson Tide" zwar eine noch größere Dominanz innerhalb der SEC (und gewann insgesamt mehr Spiele), errang aber ebenfalls drei nationale Meisterschaften und erreichte achtmal eine Top 10 Platzierung im AP-Ranking. Die Geschichte des College Footballs ist reich an Facetten und Persönlichkeiten; man kann also nicht alles auf das berühmte Hahnentrittmuster und die Farbe "Crimson" reduzieren. Dennoch gab es zwischen 1960 und 1981 nur wenige Spielzeiten, in denen Alabama nicht eine zentrale Rolle im nationalen Geschehen spielte. Bear Bryant gebührt die Anerkennung dafür, das Team wieder an die Spitze des College Footballs geführt zu haben – dorthin, wo es bereits vor dem Zweiten Weltkrieg gestanden hatte. Die "Crimson Tide" gewann die nationalen Meisterschaften in den Jahren 1961, 1964 und 1965 und beendete die Saison 1966 als einzige Mannschaft des Landes ohne Niederlage oder Unentschieden; dennoch vergaben die Abstimmenden der AP den Titel an Ara Parseghians Team von Notre Dame, das eine Bilanz von 9-0-1 aufwies. Zu diesen Mannschaften gehörten Stars wie Joe Namath und Kenny Stabler auf der Quarterback Position sowie spätere Trainerlegenden wie Gene Stallings und Howard Schnellenberger im Trainerstab. Es war jedoch keine Ära frei von Kontroversen: Alabama (sowohl die Universität als auch der Bundesstaat) rückte in den 1960er Jahren in den Mittelpunkt der landesweiten Bemühungen um Aufhebung der Rassentrennung und Bürgerrechte, und Bryant selbst setzte erst 1971 einen schwarzen Spieler in einem Wettkampfspiel ein. John McKay schlug einen ähnlichen Weg wie Bryant ein und führte die USC zurück zu den Erfolgen der Vorkriegszeit; er gewann zwei nationale Meisterschaften und versetzte seine Gegner mit dem Laufspielzug "Student Body Left – Student Body Right" in Angst und Schrecken. Unterdessen entwickelte Darrell Royal das Team von Texas von einem bloßen Anwärter auf den Conference Titel zu einer landesweiten Macht und führte die "Longhorns" zu ihren ersten nationalen Meisterschaften in den Jahren 1963 und 1969. Gegen Ende des Jahrzehnts begann die Rivalität zwischen Woody Hayes und Bo Schembechler richtig zu entbrennen, und auch Joe Paterno machte auf sich aufmerksam, als er noch vor Beginn der Saison 1970 zweimal den zweiten Platz in der AP Rangliste belegte. Ähnlich wie die amerikanische Kultur insgesamt präsentierte sich auch der College Football zu Beginn der 1970er Jahre in einem völlig anderen Gewand als noch zehn Jahre zuvor.
1970er Jahre: USC (93-22-7)
John McKays Erfolg aus den 1960er Jahren setzte sich zu Beginn dieses Jahrzehnts fort, als die Trojans 1972 und 1974 zwei weitere nationale Meisterschaften gewannen. USCs Status wurde jedoch weiter gefestigt, als McKay das Traineramt an seinen ehemaligen Assistenten John Robinson übergab und die Trojans 1978 einen Anteil an einer dritten nationalen Meisterschaft errangen. Es handelte sich um einen geteilten Titel mit Alabama – eine interessante Konstellation, nicht nur, weil USC das direkte Duell jener Saison in Birmingham gewonnen hatte, sondern auch, weil die Crimson Tide ebenfalls einen starken Anspruch darauf erhob, das beste Programm des Jahrzehnts zu sein. Während Alabamas Erfolgsserie in den 1970er Jahren eine Fortsetzung der Dominanz von Bear Bryant in diesem Sport darstellte, spiegelte das Jahrzehnt bei USC einen erfolgreichen Führungswechsel wider, ohne dass das Programm an Ansehen gegenüber der Konkurrenz einbüßte. Zwischen den letzten vier Jahren unter McKay und den ersten vier Jahren unter Robinson standen sechs Conference Meisterschaften und fünf Platzierungen unter den besten zwei Teams zu Buche, ergänzt durch die drei nationalen Titel. Auch weiterhin kamen Heisman Trophy Gewinner aus Los Angeles (Charles White war 1979 der dritte Preisträger des Programms), und die enorme Zugkraft von USC im Fernsehen verhalf den Stars des Teams zu landesweiter Bekanntheit, die weit über Kalifornien hinausreichte. Alabamas Argumente für eine Nennung an dieser Stelle sind äußerst überzeugend; das Team wies eine bessere Sieg-Niederlage-Bilanz und eine weitaus größere Konstanz über das Jahrzehnt hinweg auf als die Trojans. Bear Bryants "Tide" verlor im gesamten Jahrzehnt nur zweimal mehr als ein Spiel pro Saison und verbuchte mehr Conference Meisterschaften sowie Platzierungen in den Top 10; zudem zog man mit USC bei der Anzahl der nationalen Meisterschaften gleich (einschließlich des geteilten Titels von 1978). Anderswo erwies sich die Big Eight Conference als fruchtbarer Boden für eine der großen Rivalitäten in der Geschichte des College Footballs: Nebraska startete unter Bob Devaney durch und gewann 1970 sowie 1971 die nationale Meisterschaft, womit sie Oklahoma nicht nur die lokale Vormachtstellung streitig machten, sondern auch um die Spitzenplätze in den nationalen Ranglisten konkurrierten. Die Sooners eroberten unter Barry Switzer und mit ihrer "Wishbone-Offense" die Football Welt im Sturm. Dies ebnete den Weg für eines jener Duelle, die als "Spiel des Jahrhunderts" in die Geschichte eingingen: 1971 trafen Oklahoma und Nebraska als Nummer 1 und Nummer 2 der Rangliste aufeinander (Nebraska gewann mit 35:31). Switzer führte die Sooners anschließend zu nationalen Titeln in den Jahren 1974 und 1975 und steuerte das Programm sicher durch Sanktionen bezüglich der Postseason und Fernsehübertragungen, während OU durch seine Dominanz für Aufsehen sorgte. Bei Nebraska übernahm Tom Osborne 1973 das Programm von Devaney; bis zum Ende des Jahrzehnts erreichte das Team sechsmal eine Platzierung unter den Top 10, errang jedoch nur zwei (geteilte) Conference-Titel. Es wäre falsch, die Beziehung zwischen Oklahoma und Nebraska als symbiotisch zu bezeichnen, da sie sich in der jeweiligen Saison gegenseitig als größte Hindernisse für den Erfolg im Weg standen. Dennoch befeuerte der Wettbewerb zwischen diesen beiden Conference Rivalen eine Dynamik nach dem Motto "Eisen schärft Eisen", die beide Programme zu Erfolgen führte, welche die Football Landschaft nachhaltig veränderten.
1980er Jahre: Miami (99-20)
Auch spätere Teams aus Miami – insbesondere zu Beginn der 2000er Jahre – hätten Anspruch auf den Titel als eines der besten Teams aller Zeiten; doch der Erfolg und die Wirkung jener ersten drei Meistermannschaften machen dieses Jahrzehnt zur besten Ära des Hurricanes Footballs. Die Geschichte beginnt mit dem Meisterteam von 1983, als Howard Schnellenberger seine Vision für den Football in Miami endlich verwirklicht hatte. Angeführt von einer erstklassigen Defensive erholten sich die Hurricanes von einer Niederlage zum Saisonauftakt gegen Florida und legten eine Serie von elf Siegen hin. Es war eine Serie von Siegen, die in einer überraschenden Niederlage für die an Nummer 1 gesetzten Nebraska Cornhuskers im Orange Bowl gipfelte. Angesichts der Erfolge Nebraskas – nicht nur in jener Saison, sondern in der gesamten Ära – reichte dieser Überraschungssieg aus, um Miami in der Gunst der Abstimmenden von Platz 5 auf Platz 1 katapultieren zu lassen und den "Canes" ihren ersten nationalen Titel zu bescheren. Schnellenberger übergab das Ruder anschließend an Jimmy Johnson; zu diesem Zeitpunkt wandelte sich das Image des Teams von einem beherzten Außenseiter aus Südflorida zu einem neuen Herausforderer des College Football Establishments. Das selbstbewusste Auftreten irritierte zwar manchen Traditionalisten unter den Football Fans, doch im Rückblick wird der Erfolg Miamis heute angemessen gewürdigt, indem man das Talent und den Wettbewerbsgeist jener frühen Hurricanes Mannschaften anerkennt. Die Trainingseinheiten waren bisweilen anspruchsvoller als die Spiele selbst – eine Tatsache, die sich in der Bilanz der zweiten Hälfte des Jahrzehnts widerspiegelte. Zwischen 1985 und 1989 erzielte Miami eine Bilanz von 55 Siegen bei nur sieben Niederlagen und belegte in der abschließenden AP-Rangliste viermal einen der beiden Spitzenplätze. Die nationalen Meisterschaften unter Jimmy Johnson (1987) und Dennis Erickson (1989) festigten den Mythos von "The U" zusätzlich, da das Programm nun nicht mehr untrennbar mit einer einzigen Führungspersönlichkeit verbunden war. Das Team war zwar gespickt mit Stars, doch die Marke "Miami Football" besaß eine noch größere Strahlkraft. Zwar sollten 1991 und 2001 weitere Titel folgen, doch die Kombination aus Dominanz auf dem Spielfeld und kultureller Wirkung macht es leicht, Miami zum Team des Jahrzehnts zu küren. Auch Penn State spielte in den Titelrennen der 1980er Jahre eine wichtige Rolle und landete viermal unter den besten drei Teams; für Joe Paterno bedeutete dies – 14 Jahre nach seiner ersten Vizemeisterschaft – endlich den großen Durchbruch mit dem Gewinn seiner ersten beiden nationalen Titel. Die Nittany Lions schlossen die Saison 1982 mit einer Bilanz von 11-1 ab, setzten sich im Sugar Bowl gegen Herschel Walker und Georgia durch, übernahmen den Spitzenplatz und sicherten sich so den ersten nationalen Titel der Universität. Ein weiterer Titel folgte 1986, besiegelt durch eine herausragende Defensivleistung im Fiesta Bowl, bei der die scheinbar unaufhaltsame Offensive Miamis durch fünf Interceptions gegen Quarterback Vinny Testaverde gestoppt wurde. Auch Nebraska taucht hier wieder auf und untermauert damit seinen Anspruch, zu den besten Programmen des späten 20. Jahrhunderts zu zählen. Von 1981 bis 1989 führte Tom Osborne die Cornhuskers jedes Jahr in ein bedeutendes Bowl Spiel und beendete jede Saison des Jahrzehnts unter den besten elf Teams der AP-Rangliste. Der Knackpunkt in dieser Debatte ist das Fehlen nationaler Meisterschaften sowie eine Bilanz von drei Siegen und sechs Niederlagen in großen Bowl Spielen. Nebraska spielte das ganze Jahrzehnt über in der ersten Liga mit, doch genau wie beim Orange Bowl am Ende der Saison 1983 würde man auch hier den Kürzeren gegen "The U" ziehen.
Die 1990er Jahre – Nebraska (108-16-1), Florida State (109-13-1)
Während wir vielen Finalisten der jeweiligen Jahrzehnte großzügig Aufmerksamkeit geschenkt haben, ist dies das einzige Jahrzehnt, in dem wir den Titel teilen und zwei Sieger küren werden. Es ist schlicht zu schwierig, zwischen Nebraska – das jahrzehntelang kurz vor dem großen Durchbruch zu Tom Osbornes erstem Titelgewinn gestanden hatte – und dem Programm von Florida State, das gerade erst begonnen hatte, sich mit den Besten des Sports zu messen und diese herauszufordern, eine Entscheidung zu treffen. Beide Programme zu würdigen, ist für die Geschichte des College Footballs der 1990er Jahre unerlässlich.
Jahrelang verfolgte Bobby Bowden eine aggressive Strategie bei der Spielplangestaltung: Die Seminoles waren bereit, gegen jeden und überall anzutreten, während Florida State den Grundstein für den Aufstieg zu einer nationalen Macht legte. In den 1990er Jahren wurde ihnen die Kontrolle über einen Großteil des Spielplans dann teilweise aus der Hand genommen, als sie ihren Status als unabhängiges Team aufgaben und der ACC beitraten – was zu einer der beeindruckendsten Dominanzphasen im College Football der großen Conferences führte. Florida State trat 1992 der ACC bei, gewann die ersten 29 Conference-Spiele, sicherte sich in jeder Saison des Jahrzehnts die Meisterschaft und beendete die 1990er Jahre mit einer Bilanz von 62 Siegen und nur zwei Niederlagen gegen ACC Gegner. Auf nationaler Ebene beendeten die Seminoles das Jahrzehnt in der AP-Rangliste nie schlechter als auf Platz 4 und gewannen 1993 sowie 1999 die nationale Meisterschaft. Die wahrhaft beeindruckenden Statistiken, die die Glanzzeit von Florida State unter Bobby Bowden belegen, erstrecken sich zwar von 1987 bis ins Jahr 2000 (mit zweistelligen Siegeszahlen und Platzierungen unter den Top 5 in jeder Saison), doch erst in den 1990er Jahren setzten sie ihre Marke im Sport und wurden zum Synonym für College Football auf höchstem Niveau.
Nebraska beendete unterdessen eine Durststrecke ohne nationalen Titel, die bis ins Jahr 1971 zurückreichte. Tom Osborne hatte diese Konstanz bereits in den 1970er und 1980er Jahren aufgebaut, doch erst Mitte dieses Jahrzehnts fügte sich alles zu einem fulminanten Abschluss seiner "Hall of Fame" Karriere zusammen. Die Cornhuskers erzielten zwischen 1993 und 1997 eine Bilanz von 60 Siegen bei nur drei Niederlagen und sicherten sich in drei von Osbornes letzten vier Spielzeiten zumindest einen Anteil an der nationalen Meisterschaft. Auch wenn Nebraska in den 1990er Jahren vielleicht nicht die durchgehende Konstanz von Florida State aufwies, untermauerten drei nationale Titel (gegenüber zwei von FSU) sowie eine Platzierung unter den besten Drei unter Frank Solich im Jahr 1999 den Anspruch auf den Status eines echten Co-Champions. Es passt wohl ins Bild, dass bei der Betrachtung dieses Jahrzehnts auch geteilte Meisterschaftsehren berücksichtigt werden müssen.
2000er Jahre: Florida (100-30)
Es ist sehr verlockend, einfach "die SEC" als das beste Team der 2000er Jahre zu bezeichnen – besonders bei einer modernen Betrachtung des Jahrzehnts, in der Oklahoma und Texas bereits Conference-Mitglieder sind. Legt man die heutige Zusammensetzung der Conference zugrunde, kann die SEC sieben der zehn nationalen Meisterschaften dieses Jahrzehnts für sich verbuchen; lediglich die Saisons 2001 (Miami), 2002 (Ohio State) und 2004 (USC) endeten nicht damit, dass eines der Programme aus dem Süden die BCS-Meisterschaftstrophäe in die Höhe stemmte. Oklahomas einziger Titel in den 2000ern fiel auf den Beginn des Jahrzehnts (Bob Stoops’ Sieg im Jahr 2000), doch dank Nick Saban und Urban Meyer endete das Jahrzehnt mit einer ganzen Reihe von SEC-Champions. Gerade in der Debatte zwischen Florida und LSU stellt sich die Frage, welches Team als das beste des Jahrzehnts gelten kann. Nick Saban legte in Baton Rouge den Grundstein, und Les Miles fügte 2007 einen weiteren Titel hinzu; Programme, die unter verschiedenen Trainern im selben Jahrzehnt mehrfach Meister wurden, verdienen besondere Anerkennung. Betrachtet man jedoch das gesamte Jahrzehnt, so können die Gators Steve Spurriers letzte SEC Meisterschaft aus dem Jahr 2000 für sich verbuchen und diesen Erfolg mit dem zweifachen Champion Tim Tebow fortsetzen, der die Gators 2009 mit einer Bilanz von 13-1 auf Platz 3 der Gesamtrangliste führte. Mit zwei nationalen Meisterschaften, drei Conference Titeln und fünf Teilnahmen am SEC Championship Game – in einem Jahrzehnt, in dem die Liga an die Spitze des Sports aufstieg – gebührt Florida die Ehre, als Team des Jahrzehnts zu gelten. Zugegebenermaßen ist diese Einschätzung etwas von den Erfolgen am Ende des Jahrzehnts geprägt, da die Gators zu Beginn unter Ron Zook eine Schwächephase durchliefen, während USC, Oklahoma, Texas und Miami die etablierten Mächte jener Ära waren. Doch ein leichter Rückschritt für USC und Miami im weiteren Verlauf des Jahrzehnts gab letztlich den Ausschlag, sodass Oklahoma und Texas die passendsten Kandidaten für eine lobende Erwähnung waren. Der anhaltende Erfolg der Sooners in diesem Jahrzehnt ist in der Geschichte des College Footballs (oder auch in der Geschichte Oklahomas) zwar nicht beispiellos, aber definitiv würdig, hervorgehoben zu werden. Nach dem Gewinn der nationalen Meisterschaft im Jahr 2000 führte Stoops Oklahoma bis zum Ende des Jahrzehnts zu fünf weiteren Platzierungen unter den besten fünf Teams. Zudem gewannen die Sooners in den 2000er Jahren sechs Big 12 Titel. Texas gewann die Conference zwar nur 2005 und 2009 – jeweils auf dem Weg zur Teilnahme am BCS National Championship Game –, beendete die Saison jedoch ebenfalls fünfmal unter den Top 5 der abschließenden AP-Rangliste. Beide Programme mischten beständig an der Spitze mit, verpassten das ultimative Ziel jedoch um ein oder zwei Spiele – insbesondere in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts.
2010er Jahre: Alabama (124-15)
Andere Trainer veränderten den College Football durch bestimmte Spielsysteme oder taktische Innovationen. Nick Saban hingegen veränderte den Sport durch Siege. Am Ende der 2010er Jahre definierte sich die "Sabanisierung" des College Footballs nicht primär über seine Defensive oder sein Rekrutierungskonzept; es war vielmehr die Art und Weise, wie er – von Grund auf – eine moderne Macht im Sport organisierte und führte. Zu verschiedenen Zeitpunkten innerhalb des Jahrzehnts hatte Alabama drei von vier, vier von sieben sowie fünf von neun nationalen Meisterschaften gewonnen. Sabans Gesamtbilanz von sechs Titeln mit Alabama schließt die Jahre 2009 und 2020 ein, doch gerade der anhaltende Erfolg in den 2010er Jahren machte Alabama nicht nur zum besten Programm des Jahrzehnts, sondern auch zur prägenden Konstante im College Football. In jeder Saison mussten sich die gerade gefeierten Spieler oder Teams mit dem mächtigen Alabama messen. Sabans Rekrutierungsmaschinerie war eine wahre Talentschmiede für künftige NFL Draft Picks, sodass selbst schwächere Spiele durch Überlegenheit bei Größe, Gewicht und Schnelligkeit ausgeglichen werden konnten. Bei nur 15 Niederlagen in zehn Spielzeiten fühlte sich jede Pleite Alabamas wie ein monumentales Drama an und viele dieser Partien sind als legendäre Klassiker in die Geschichte eingegangen. Betrachtet man die größten Stars des Jahrzehnts, so fällt auf, dass Cam Newton, Johnny Manziel, Deshaun Watson, Trevor Lawrence und Joe Burrow eines gemeinsam haben: Sie alle besiegten das in Karmesinrot spielende Schwergewicht des College Footballs.
Doch gegen Ende des Jahrzehnts hatte sich das Spiel erneut gewandelt; das Transfer-Portal und die NIL-Regelungen (die es Spielern erlauben, mit ihrem Namen, ihrem Bild und ihrer Ähnlichkeit Geld zu verdienen) stellten die bewährten Methoden der Kaderzusammenstellung auf den Kopf. Zwar gewann Saban im ersten Jahr des darauffolgenden Jahrzehnts seinen insgesamt siebten nationalen Meistertitel und erreichte 2023 erneut die College Football Playoffs, doch seine Dominanz während der 2010er Jahre blieb unerreicht. Teams wie LSU, Clemson, Georgia, Notre Dame und einige hartnäckige Mannschaften aus Auburn erwiesen sich als erbitterte Rivalen und Urban Meyer gelang es 2014 mit Ohio State, Saban in den Playoffs zu besiegen – doch betrachtet man das Jahrzehnt als Ganzes - so gab es keinen Zweifel daran, wer die Krone trug.
2020er-Jahre: Georgia (73-9)
Nun kommen wir zu dem noch nicht abgeschlossenen Kapitel dieser Ära: Etwas mehr als die Hälfte des Jahrzehnts ist bereits vorüber, und es verbleiben noch vier Jahre, bis auch die 2020er Jahre ihren Platz in der Geschichte des College Footballs finden. Das Jahrzehnt begann mit einer Fortsetzung von Alabamas Siegeszug, als Nick Saban und die Crimson Tide die Herausforderungen der von Covid geprägten Saison 2020 besser als alle anderen meisterten und eines der dominantesten Teams der modernen Ära auf das Feld schickten. Es war Sabans sechster Titelring mit Alabama und sein siebter insgesamt; und obwohl die Tide 2021 und 2023 erneut in die College Football Playoffs einzog, verschoben sich die Machtverhältnisse nach jener Saison 2020. Alabama besiegte Georgia im SEC Meisterschaftsspiel 2021 und fügte Kirby Smarts Liste frustrierender Niederlagen gegen seinen ehemaligen Chef eine weitere hinzu. Man denke nur an das Meisterschaftsspiel 2017 und das SEC Finale 2018 aus dem vorangegangenen Jahrzehnt – und plötzlich stürmte Bryce Young in Atlanta gegen eine der besten Defensiven der "Dawgs"-Geschichte zum Sieg und bescherte Georgia die erste Niederlage der Saison 2021. Doch nur zwei Spiele später gelang Georgia und Smart die ultimative Revanche mit einem 33:18 Sieg über Alabama im nationalen Meisterschaftsspiel. Es war Georgias erster nationaler Titel seit 1980 und gilt heute als Ausgangspunkt für eine der großartigsten Erfolgsserien des 21. Jahrhunderts. Vom Beginn der Saison 2021 bis zum Ende des Jahres 2023 verbuchte Georgia eine Bilanz von 42 Siegen bei nur zwei Niederlagen, darunter zwei Erfolge im nationalen Meisterschaftsspiel; die einzigen Niederlagen kassierte man gegen Nick Saban und Alabama bei SEC Meisterschaftsspielen. Und auch wenn die Siegquote in den letzten beiden Spielzeiten (23:5) leicht gesunken ist, konnten in diesen Jahren jeweils Siege im SEC-Finale errungen werden. Kirby Smart hatte gemeinsam mit Saban jenes dominierende Team der 2010er Jahre aufgebaut und während wir nun auf die letzten vier Jahre der 2020er blicken, führt er aktuell das Team an, das als Favorit für den Titel "Mannschaft des Jahrzehnts" gilt. Doch Georgia hat Konkurrenz. Auch Ohio State und Ryan Day mussten – genau wie Georgia – zunächst eigene interne Herausforderungen bewältigen, bevor sie an die Spitze vorstoßen konnten. Eine Serie von vier Niederlagen gegen Michigan setzte Day und die Buckeyes enorm unter Druck; doch ein Comeback im Jahr 2024 – gekrönt durch den Sieg im ersten College Football Playoff mit 12 Teams – bringt Ohio State wieder in die Position, den Bulldogs den Rang als dominierendes Team des Jahrzehnts streitig zu machen. Ohio State benötigt einen weiteren nationalen Titel, um in der Bilanz dieses Jahrzehnts mit Georgia gleichzuziehen; angesichts der Rekrutierungsstärke und der Konstanz unter Day ist jedoch davon auszugehen, dass sie bis 2029 fast jedes Jahr über einen Kader verfügen werden, der talentiert genug für den ganz großen Triumph ist. Ohio State und Georgia sind die einzigen Programme, die in den letzten fünf Jahren jeweils in den Top 10 der abschließenden AP-Rangliste vertreten waren. Damit setzen sie einen Maßstab, den Teams wie Oregon, Notre Dame, Indiana und das Alabama unter Kalen DeBoer zu erreichen versuchen. Zwar bleibt noch reichlich Zeit, bis Georgia oder Ohio State von der Spitze verdrängt werden könnten, doch schon jetzt lassen sich diese beiden Programme als die dominierenden Kräfte der ersten sechs Spielzeiten der 2020er Jahre bezeichnen.
Schlüter - 06.07.2026

Die "Four Horsemen" gehörten zu den sportlichen Innovationen der 1920er Football-Jahre. (© Schlüter)
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