Jackson Arnold gewöhnt sich langsam an Las Vegas. Schließlich unterscheidet sich "Sin City" gewaltig von Auburn (Alabama) oder Norman (Oklahoma). Beim Abendessen wird er nicht erkannt, und sein Bekanntheitsgrad als Quarterback in der Stadt bleibt eher gering, da mit Fernando Mendoza – dem "Number One Pick", den er vor Jahren bei der Manning Passing Academy kennengelernt hat – ein anderer Spieler sein Debüt für die Raiders gibt. Es gab eine Zeit, in der es so aussah, als könnte Arnold als dominanter High School Quarterback in Texas eine solche Karriere einschlagen. Doch bisher blieb seine Laufbahn weit hinter den Erwartungen zurück, die sein "Fünf-Sterne-Status" geweckt hatte; verschiedene Faktoren – sowohl innerhalb als auch außerhalb seines Einflussbereichs – hatten ihn ausgebremst.
Im Januar kam er zur UNLV und suchte dort nach einer neuen Chance – einer zweiten Chance auf einen Neuanfang. Das Rebels Team hat unter Head Coach Dan Mullen gute Aussichten, sich in der Mountain West Conference den Platz für das College Football Playoff der "Group of Six" zu sichern. Corey Dennis, Offensive Coordinator und Quarterbacks-Coach der UNLV, hatte Arnold schon früh gesagt, dass er ihn eines Tages trainieren würde. Dennis erinnert sich noch gut an den Teenager von der Guyer High School bei Dallas – einem der Zentren des High School Footballs. Arnolds Team trat 2021 gegen das Spitzenteam aus Allen an. Seine Leistung – 307 Pass Yards und zwei Touchdowns – beeindruckte Dennis, der damals noch bei Ohio State tätig war. Arnold bewies damit, dass er auch auf der großen Bühne bestehen konnte. Nur wenige Tage später unterbreiteten ihm die Buckeyes ein Angebot und reihten sich damit in die Liste der nationalen Top-Programme ein, die um Arnold buhlten, darunter Notre Dame, LSU und Alabama. Der junge Spielmacher entschied sich für Oklahoma, doch Dennis hatte eine Botschaft für ihn, als er die Absage erhielt.
"Man kann einem jungen Spieler übelnehmen, dass er eine Entscheidung trifft, die er selbst für die beste hält – oder man wünscht ihm alles Gute und lässt sich keine Türen zuschlagen", sagte Dennis seinerzeit. "Ich sagte damals scherzhaft: ‚Hey Mann, vielleicht treffen wir uns in den nächsten zehn Jahren bei den Dallas Cowboys wieder, aber wer weiß – ich werde einen Weg finden, dich zu trainieren.‘" Bekannte Gesichter an neuen Orten: DJ Lagway und Jackson Arnold gehören zu den College Football Transfers, die einen Neuanfang suchen.
Nachdem er ein Jahr lang als Backup für Dillon Gabriel bei den Sooners fungiert hatte, wurde Arnold zum Starter in einer unglücklichen Saison 2024, die sich aus mehreren Gründen als offensives Desaster erwies: Dazu gehörten der verletzungsbedingte Ausfall fast aller seiner Receiver sowie eine ständig wechselnde Offensive Line, die in den ersten neun Spielen in acht verschiedenen Besetzungen auflief. In seinem ersten SEC-Spiel gegen Tennessee wurde er nach drei Ballverlusten in der ersten Halbzeit auf die Bank gesetzt, kam aber später in der Saison wieder zum Einsatz. Ein überraschender, deutlicher Sieg gegen Alabama gegen Ende der Saison stellte seine Laufqualitäten unter Beweis, doch das Passspiel kam nie richtig in Schwung; selbst Brent Venables räumte bei den SEC Media Days im vergangenen Jahr ein, dass OU versucht hatte, Arnold zu halten, und erkannte an, dass sich sein ehemaliger Quarterback in einer schier aussichtslosen Lage befunden hatte. "Eines weiß ich ganz sicher: Er wird diesen Sport noch lange auf einem sehr hohen Niveau ausüben", sagte Venables. "Leider haben die Umstände um ihn herum nicht dazu beigetragen, dass er erfolgreich sein konnte. Unter diesen Bedingungen hatte er in gewisser Weise keine Chance; er hatte einfach schlechte Karten."
Arnold mischte die Karten neu und wechselte für 2025 nach Auburn. Dort schien die Ausgangslage vor Saisonbeginn vielversprechend: Head Coach Hugh Freeze sprach von sechs NFL-reifen Offensive Linemen und großartigen Receiver-Talenten wie Eric Singleton und Cam Coleman. Doch wie bei Teams unter Freeze üblich, siegte das Chaos, und der Trainer wurde am 2. November entlassen. Schon vor Saisonbeginn ging ein Vorfall aus dem Trainingslager viral, bei dem Freeze wütend seine Schirmmütze warf und Arnold scharf kritisierte, weil dieser einen möglichen Touchdown verpasst hatte. Nach seinem Aus in Auburn geriet Freeze zudem in die Kritik, weil er dem Quarterback die Schuld am Scheitern seiner Amtszeit gab. Die Saison beinhaltete auch eine unglückliche Rückkehr nach Norman, wo er neunmal gesackt wurde – unter anderem bei einem Safety in der Schlussphase eines vierten Versuchs, der das Spiel faktisch entschied. Für Arnold war klar, dass der neue Head Coach Alex Golesh seinen eigenen Quarterback bevorzugte, also meldete er sich erneut im Transferportal an.
"Ich glaube, der Junge musste für zwei verschiedene Trainerstäbe als Sündenbock herhalten", sagte Dennis. "Ich verstehe nicht, wie ein Junge einer der besten High-School-Spieler des ganzen Landes sein kann und dann plötzlich – zack – einfach nichts mehr taugt? Er weiß nicht, wie man wirft? Das ergibt doch keinen Sinn." Arnolds erster Gang ins Transfer-Portal war zwar nicht von langer Hand geplant, doch für ihn stand ziemlich schnell fest, dass er bei Auburn landen würde. Als er den Prozess ein zweites Mal durchlief, war er eher bereit, die Dinge auf sich zukommen zu lassen, und offen für verschiedene neue Stationen. Zu seiner Überraschung gab Anthony Colandrea um die Weihnachtszeit herum seinen Abschied von UNLV bekannt, und damit nahm Arnolds zweiter Portal-Durchlauf eine unerwartete Wendung. Rekrutierungsprozesse über das Transferportal laufen schnell ab und beinhalten kaum das Werben um den Spieler, das bei der Rekrutierung von High-School-Talenten üblich ist. Auch wenn oft beklagt wird, dass persönliche Beziehungen im Zeitalter der Umsatzbeteiligung an Bedeutung verloren haben, können sie im Portal Prozess dennoch helfen – etwa wenn ein Spieler näher an seine Heimat möchte oder, wie im Fall von Arnold, nach einigen schwierigen Jahren einen Ort sucht, an dem er sich wohlfühlt und gut aufgehoben ist. Dennis hatte bereits während Arnolds High School Zeit eine Beziehung zu ihm aufgebaut; zusammen mit Lee Davis – Mullens Stabschef, der schon an der OU mit Arnold zusammengearbeitet hatte – schufen diese persönlichen Verbindungen eine Vertrauensbasis, die dazu beitrug, dass die UNLV für ihn die richtige Wahl war. Die Rebels empfingen nur einen einzigen Quarterback zu einem Besuch über das Transferportal, und Arnold absolvierte ebenfalls nur diesen einen Besuch. Er reiste mit der Absicht nach Las Vegas, sich fest für das Team zu entscheiden, und es ging ihm dabei keineswegs nur um finanzielle Aspekte.
"Ich hatte das Gefühl, dass ich Menschen um mich brauchte, denen ich vertraue und mit denen ich schon früher zu tun hatte – einfach Jungs, von denen ich weiß, dass sie nur das Beste für mich und meine Karriere wollen", sagte Arnold. "Coach Mullens Offense-System orientiert sich stärker am Profi-Stil als das, was ich bisher kannte; ich glaube, dass mich ein solches System für den nächsten Schritt meiner Karriere weiterbringen und meine Entwicklung fördern würde. Zudem hat Coach Mullen einen hervorragenden Ruf bei der Ausbildung von Quarterbacks – seine Erfolgsbilanz und die Spieler, die er bereits entwickelt hat, waren für mich ebenfalls entscheidende Faktoren. Genau nach solchen Aspekten habe ich gesucht."
Arnold kommt nicht als unangefochtener Stamm-Quarterback zu UNLV. Bis zum Trainingslager ist noch mehr als ein Monat Zeit. Mit Alex Orji ist zudem ein ehemaliger Transfer von Michigan aus dem Vorjahr im Quarterback Aufgebot verblieben; er war bis zu seiner schweren Knie- und Oberschenkelverletzung im vergangenen September – die das Saisonaus bedeutete – der laufstarke Gegenpart zu Colandrea. Auch im Frühjahr schränkte die Verletzung Orji noch ein. Für Mullen ist der Einsatz zweier Quarterbacks nichts Neues; er hat dies bereits mehrfach praktiziert, angefangen bei seiner Zeit als Offensive Coordinator in Florida. Orji und Colandrea standen zu Beginn der Saison 2025 sogar gemeinsam auf dem Feld – ein Beleg dafür, wie eng das Rennen um die Position des Stamm-Quarterbacks damals war.
Schlüter - 03.07.2026

QB Jackson Arnold spielte 2024 für Oklahoma. (© Getty Images)
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