Lange Zeit galten American Football, Basketball und Baseball als die amerikanischen Sportarten schlechthin.Nun hat auch Fußball, das in den USA soccer heißt, einen Platz unter den beliebtesten Sportarten des Landes erobert.
Als Mitausrichter der Fußball-Weltmeisterschaft diesen Sommer zusammen mit Kanada und Mexiko werden die Vereinigten Staaten noch mehr Amerikaner für den Sport begeistern und dazu beitragen, dass das Land endgültig zu einer echten "Fußballnation" wird. Seit Beginn der Weltmeisterschaft am 11. Juni zeigt sich, dass unter den Milliarden Fußballfans, die die Spiele der 48 teilnehmenden Nationen verfolgen, ein wachsender Anteil Amerikanerinnen und Amerikaner sind. Laut The Economist magazine steht Fußball inzwischen bei den beliebtesten Sportarten in den Vereinigten Staaten an dritter Stelle. Jeder zehnte US Amerikaner nennt ihn sogar an erster Stelle. American Football ist mit Abstand die beliebteste Sportart: 36 Prozent der Befragten nannten ihn als ihre Lieblingsport. Dahinter folgen Basketball auf Platz zwei und Baseball auf Platz 4. Der Fußballboom ist inzwischen kaum noch zu übersehen. Die Major League Soccer (MLS), die höchste Profiliga der Herren, wächst seit Jahren kontinuierlich.
Als die Liga 1996 ihren Spielbetrieb aufnahm, gehörten ihr gerade einmal zehn Mannschaften an. Heute umfasst sie 30 Teams, darunter drei aus Kanada. Die Vereine bestreiten eine reguläre Saison mit 34 Spielen, an die sich die Playoffs der besten Mannschaften anschließen. Im Schnitt kommen mittlerweile rund 22.000 Zuschauer zu jedem Major-League-Soccer-Spiel. Die über Jahrzehnte stetig gewachsene Popularität dieser Liga hat dem Fußball in den Vereinigten Staaten eine stabile und leidenschaftliche Anhängerschaft beschert. Frühere Versuche, dauerhaft eine professionelle Fußballliga zu etablieren, waren ohne Erfolg geblieben, etwa die North American Soccer League, die von 1968 bis 1984 aktiv war. Auch der Frauenfußball erfreut sich großer Beliebtheit. Einen wesentlichen Anteil daran hat die US-Frauen-Nationalmannschaft mit ihren internationalen Erfolgen und fünf olympischen Goldmedaillen. Die National Womens Soccer League (NWSL) zählt inzwischen 16 Mannschaften in Städten überall in den Vereinigten Staaten und wächst weiter. Das Spiel zwischen den Washington Spirit und den Denver Summit am 28. März wurde von einer Rekordzuschauerzahl von 63.000 Fans verfolgt.
Zum größeren Interesse am Fußball trägt auch die zunehmende Zahl reiner Fußballstadien bei. Mehr als zwei Drittel der MLS-Klubs spielen inzwischen in eigens für den Fußball errichteten Stadien. Da sie etwas kleiner sind, haben die Fans eine hervorragende Sicht und können das Spiel in vollen Zügen genießen. Einige Frauenmannschaften nutzen diese Stadien gemeinsam mit den Männermannschaften.
Auch bei Kindern und Jugendlichen gewinnt Fußball seit Jahren an Beliebtheit. Nach Angaben des Aspen Institute, einer Forschungsorganisation, ist er unter den Sechs- bis Siebzehnjährigen bereits die drittbeliebteste Sportart nach Basketball und Baseball. Und wenn die Familien nicht gerade am Spielfeldrand stehen, um ihre Kinder anzufeuern, verfolgen viele im Fernsehen internationale Fußballspiele. Der typische amerikanische Sportfan im Alter von 7 bis 70 Jahren hat wahrscheinlich eine Lieblingsmannschaft oder einen Lieblingsspieler aus der englischen Premier League oder einer anderen europäischen Liga. Viele Amerikaner tragen am Wochenende Trikots internationaler Fußballstars. Wenn also in diesem Monat die besten Fußballer der Welt – Spieler wie Kylian Mbappé oder Lionel Messi – auflaufen, dann spielen sie in den Vereinigten Staaten vor echten Fußballfans.
Schlüter - 02.07.2026

Fußball gewinnt in den USA immer mehr Fans. (© Getty Images)
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